Griechische Meisterschaft: Titel für Ioannidis und Tsolakidou
Auf der Insel Psara fiel die Entscheidung in der neunten Runde: Zwei Spieler mit je 6 Punkten trafen aufeinander, und Evgenios Ioannidis gewann mit Weiß. Bei den Frauen holte Stavroula Tsolakidou in Porto Cheli ihren zweiten Titel, ungeschlagen und mit anderthalb Punkten Vorsprung.
Mit je 6 Punkten aus acht Runden gingen Evgenios Ioannidis und Ioannis Nikolaidis in die letzte Runde der griechischen Meisterschaft, und der Turnierplan hatte sie ausgerechnet gegeneinander gesetzt. Die neunte Runde war für Sonntag, den 11. Oktober, um zehn Uhr vormittags angesetzt. Ioannidis hatte Weiß, Nikolaidis ist zweifacher griechischer Meister und seit 1995 Großmeister. Die übrigen acht Spieler lagen mindestens einen Punkt zurück und konnten höchstens 6 Punkte erreichen. Wer die Partie gewann, hatte den Titel also sicher.
Zehn Spieler auf einer Ägäisinsel
Die 75. griechische Einzelmeisterschaft lief vom 3. bis 11. Oktober auf Psara, einer kleinen Insel in der nördlichen Ägäis. Veranstalter war der griechische Verband ESO gemeinsam mit dem Schachklub Korydallos, unterstützt von der Gemeinde Psara. Gespielt wurde im Saal für Kulturveranstaltungen der Gemeinde. Der Samstag, 3. Oktober, ist im Zeitplan als wegen höherer Gewalt ausgefallener Tag vermerkt, die erste Runde wurde am 4. Oktober gespielt.
Zehn Spieler traten in einem Rundenturnier mit klassischer Bedenkzeit an, 90 Minuten für 40 Züge, dann 30 Minuten, dazu 30 Sekunden je Zug. Stamatis Kourkoulos-Arditis, bis zum Dezember 2025 Titelträger, führte die Setzliste mit 2556 Elo an. Dahinter standen Dimitris Alexakis (2536), Jahrgang 2003 und seit 2025 Großmeister, dann Ioannidis (2468) und Nikolaidis (2453). Der Internationale Meister Antonios Kalogridis (2450), Jahrgang 2006, hatte in diesem Jahr beim Kanizsa Open eine Großmeisternorm erzielt. Der jüngste im Feld war der FIDE-Meister Michail Vassis, Jahrgang 2010, mit 2372. Vangelis Patrelakis, der den Titel im Dezember 2025 in Aigio gewonnen hatte, stand nicht auf der Teilnehmerliste. Ioannidis, seit 2023 Großmeister und für den Klub Galaxias aus Thessaloniki am Brett, war also nur Dritter der Setzliste.
Nikolaidis legt vor, Ioannidis zieht nach
Nikolaidis startete mit zwei Siegen, gegen Papadogiannis und gegen Vassis. Ioannidis begann mit einem Remis gegen Kourkoulos-Arditis, schlug in Runde 2 Alexakis und teilte in Runde 3 den Punkt mit Stefanou. In den Runden 4 bis 6 gewann er dreimal in Folge, gegen Poupalos, Tsarsitalidis und Kalogridis. Nach Runde 5 lagen beide bei 4 Punkten, nach Runde 6 bei 5. In den Runden 7 und 8 spielten sie jeweils zweimal remis: Ioannidis gegen Papadogiannis und Vassis, Nikolaidis gegen Poupalos und Tsarsitalidis. So kam es zum Duell mit 6:6 Punkten.
Hinter den beiden ging es bunter zu. Kourkoulos-Arditis verlor in Runde 2 gegen Papadogiannis, der mit 2228 den zweitniedrigsten Wert der Setzliste hatte, und in Runde 3 gegen Vassis. Er beendete das Turnier mit 4 Punkten, ebenso wie Alexakis, den Papadogiannis in Runde 3 ebenfalls besiegt hatte.
Dxe3+ kostet die Partie
Ioannidis und Nikolaidis spielten eine Spanische Partie in der Geschlossenen Variante. Lange blieb sie ausgeglichen, im 32. Zug standen auf jeder Seite noch Dame und Turm. Weiß hatte Dame d7 und Turm f1 auf dem Brett und setzte damit den Bauern f7 unter Druck, den nur der König deckte. Nach Stockfish steht Weiß dort mit +1,4 klar besser, am besten ist 32...Tf8. Nikolaidis nahm mit 32...Dxe3+ einen Bauern, und danach steht Weiß mit +6,3 auf Gewinn. Es folgten 33.Kh2 Db3 34.Dg4+ Kf8 35.Dg6. Schwarz brachte mit 35...Dd5 die Dame zur Deckung von f7, doch Weiß nahm mit 36.Dxh6+ den Bauern auf h6.
Nach 39 Zügen endete die Partie mit dem Sieg von Ioannidis. Er kam damit auf 7 Punkte aus neun Partien, bei fünf Siegen und vier Remis, ohne Niederlage. Nikolaidis blieb bei 6 Punkten (vier Siege, vier Remis, eine Niederlage). Auf 6 Punkte kam auch Vassis, der in der letzten Runde Papadogiannis besiegte. Silber ging auf Wertung an Nikolaidis, Bronze an Vassis.
Vassis, FIDE-Meister seit 2025, hatte schwach begonnen: Remis gegen Kalogridis, dann die Niederlage gegen Nikolaidis. Danach blieb er in den letzten sieben Runden ungeschlagen, mit vier Siegen und drei Remis, darunter dem Sieg über den topgesetzten Kourkoulos-Arditis. Für Ioannidis ist es der erste Meistertitel.
Tsolakidou bleibt ohne Niederlage
Gleichzeitig lief in Porto Cheli die 48. griechische Frauenmeisterschaft, vom 4. bis 12. Oktober, ebenfalls als Rundenturnier mit zehn Spielerinnen und klassischer Bedenkzeit. Stavroula Tsolakidou war die einzige Internationale Meisterin im Feld. Sie gewann sieben Partien und spielte zweimal remis, in Runde 4 gegen Ekaterini Pavlidou und in Runde 8 gegen Anastasia Avramidou, und kam so auf 8 Punkte aus 9 Partien. Avramidou, FIDE-Meisterin und mit 2330 die Zweitgesetzte, blieb ebenfalls ungeschlagen und wurde mit 6,5 Punkten Zweite. Dritte wurde mit 5,5 Maria Tsakona, die den Titel im Dezember 2025 in Aigio mit 7,5 aus 9 gewonnen hatte.
Die beiden trafen in Runde 2 aufeinander, und Tsolakidou entschied die Begegnung früh. Tsakona wählte mit Weiß die Moskauer Variante des Sizilianers. Im zehnten Zug schob sie den Bauern nach f4. Vor dem Zug steht Weiß mit +0,6 leicht besser, am besten ist 10.d4. Nach 10.f4 steht Schwarz mit −2,6 auf Gewinn, am stärksten ist 10...exf4. Tsolakidou spielte 10...h6 und hielt die Stellung bei −1,6 klar besser. Nach 11.Sf3 Lxh3 hatte sie einen Bauern mehr. Tsakonas Uhr zeigte zu diesem Zeitpunkt noch 44 Minuten, die ihrer Gegnerin 1:29 Stunden.
Vor dem 14. Zug steht Schwarz mit −1,9 klar besser, am besten ist 14.Le2. Tsakona spielte 14.dxe5, und danach steht Schwarz mit −4,4 auf Gewinn. Tsolakidou nahm auf f3, Weiß schlug mit der Dame zurück, und mit 15...dxe5 behielt Schwarz den Mehrbauern.
Die Partie endete nach 23 Zügen mit dem Sieg von Tsolakidou. Nach dem 20. Zug zeigte Tsakonas Uhr noch 1:24 Minuten, die ihrer Gegnerin 31 Minuten.
Für Tsolakidou ist es der zweite Meistertitel. Sie wurde 2000 in Kavala geboren und gewann 2013 die Jugendweltmeisterschaft der Mädchen bis 14 Jahre, 2015 die bis 16 und 2016 die bis 18. Seit 2016 trägt sie den Titel Frauen-Großmeisterin, seit 2018 den des Internationalen Meisters. Im Oktober 2026 steht sie bei 2451 Elo und spielt für den Schachklub Kavala.
