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Das zweite Jahrbuch zum Chess960

Zum zweiten Mal dokumentiert der Berliner Verlag Edition Marco ein Jahr Freestyle Chess in Buchform. Das Jahrbuch bringt Turnierberichte, kommentierte Partien, 50 Aufgaben und Essays über Eröffnungen, die kein Mensch auswendig lernen kann.

14. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Donnerstag

Ein Remis reichte. Im vierten und letzten Spiel gegen Fabiano Caruana musste Magnus Carlsen im Februar 2026 in Weissenhaus nur noch ein ausgeglichenes Endspiel halten, dann war er der erste offizielle FIDE-Weltmeister im Freestyle Chess, mit 2,5:1,5 im Finalmatch. Entschieden hatte sich das Match im dritten Spiel, das Carlsen aus einer verlorenen Stellung gewann. Dieses Turnier bildet den Schlusspunkt des Chess 960 Yearbook 2026, das Arno Nickel als Herausgeber bei der Edition Marco in Berlin vorlegt.

Es ist die zweite Ausgabe der Reihe; die erste erschien ein Jahr zuvor. Im Mittelpunkt stehen die fünf Stationen der Freestyle Chess Grand Slam Tour 2025 in Weissenhaus, Paris, Karlsruhe, Las Vegas und Grootbos bei Kapstadt sowie eben jene Weltmeisterschaft. Das Buch hat 288 Seiten, erscheint als Softcover und ist komplett auf Englisch verfasst.

Keymer, Carlsen, Aronian: die Tour 2025

Die Stationen der Tour hatten unterschiedliche Sieger. In Weissenhaus gewann Vincent Keymer vor Fabiano Caruana, in Paris und beim Grenke Freestyle Chess Open in Karlsruhe jeweils Magnus Carlsen. Las Vegas und das Finale in Kapstadt gingen an Levon Aronian. Die Gesamtwertung gewann trotzdem Carlsen mit 121 Punkten vor Aronian mit 84 und Caruana mit 73, obwohl er das Finale in Kapstadt gegen Aronian verlor. Die besten sechs der Tour, darunter Keymer, Sindarov und Erigaisi, qualifizierten sich für die Weltmeisterschaft 2026.

Stefan Liebig, der das Buch rezensiert hat, nennt als Herzstück mehr als 150 kommentierte Partien. Dazu kommen Tabellen, zahlreiche farbige Fotos und grundlegende Dokumente. Der Großmeister und Schachjournalist Andrey Deviatkin, der 2025 selbst in Karlsruhe mitspielte, steuert Partieanalysen bei. Nickel schreibt über das Verhältnis von Stockfish und praktischem Spiel, Beltrán über „Non-Human Chess 960 Openings“, also Eröffnungsideen zwischen menschlichem und computergestütztem Schach. Auszüge aus einem Gespräch, das Thorsten Cmiel mit Peter Heine Nielsen führte, fragen, wie sich Schach verändert, wenn klassische Eröffnungsvorbereitung an Bedeutung verliert.

Aufgaben, E-Book und Bundle

Außerdem enthält das Jahrbuch 50 Schachaufgaben. Die elektronische Ausgabe ist für die Arbeit mit einem Analysebrett gedacht. Liebigs Fazit: Das Buch überzeuge durch die Verbindung aus umfangreicher Partiensammlung, Turnierdokumentation und analytischen Hintergrundbeiträgen; es richte sich an ambitionierte Spieler ebenso wie an Schachfreunde, die sich intensiver mit Freestyle Chess beschäftigen wollen.

Die erste Ausgabe stieß nach Angaben des Herausgebers auf positive Resonanz. Chess960 steht bislang häufig im Windschatten des übergeordneten Freestyle-Projekts, Nickel setzt aber auf das langfristige Potenzial der Variante. Die Print-Ausgabe kostet 29 Euro, das E-Book 18 Euro. Zusammen mit dem Yearbook 2025 gibt es ein Bundle mit 640 Seiten für 48 Euro.

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