Dortmunder Schachtage ziehen ins Salzlager der Kokerei Hansa
Statt in der Alten Schmiede ticken die Schachuhren 2027 in einem Industriedenkmal: Die Sparkassen Chess Trophy zieht in die Kokerei Hansa. Das neue Quartier bietet Platz für mehr Teilnehmer, und alle Opens spielen künftig in einer gemeinsamen Halle.
Zehn Monate vor dem Start steht der Ort schon fest, und er hat mit einem Theatersaal wenig gemein. Die 54. Internationalen Dortmunder Schachtage werden vom 8. bis 15. August 2027 im Salzlager der Kokerei Hansa ausgetragen. Die Sparkassen Chess Trophy findet damit zum ersten Mal in diesem Gebäude statt. Veranstalter ist wie seit 2020 die Initiative Pro Schach e.V. Für die Veranstalter ist der Umzug eine Erweiterung: Bis zu 450 aktive Teilnehmer sollen im neuen Quartier Platz finden. 2026 waren es 400, und schon drei Wochen vor Turnierbeginn war die Alte Schmiede ausgebucht.
Eine Kokerei als Spielsaal
Die Kokerei Hansa im Dortmunder Norden wurde 1927 gebaut und 1992 stillgelegt. Eigentlich sollte sie danach abgerissen werden. 1995 übernahm sie die Industriedenkmalstiftung und bewahrte sie so vor dem Abbruch. Heute dokumentiert das rund 13 Hektar große Gelände weitgehend authentisch den Stand der Kokereitechnik seiner Bauzeit und beherbergt zugleich Gastronomie, Veranstaltungshallen und Büros. Das Salzlager zählt zu den Räumen, die sich für größere Veranstaltungen eignen.
Der Anlass für den Umzug ist die Internationale Gartenausstellung IGA 2027. Sie läuft vom 23. April bis zum 17. Oktober 2027 und verteilt sich zum ersten Mal auf eine ganze Metropolregion statt auf eine einzelne Stadt. Rund 6.000 Veranstaltungen und etwa 3,1 Millionen Besucher sind eingeplant. Dortmund ist mit seinem Zukunftsgarten dabei, und die Kokerei Hansa gehört dazu. Alle aktiven Turnierteilnehmer bekommen für die Dauer ihrer Teilnahme automatisch Zutritt zum IGA-Gelände.
Mit den denkmalgeschützten Gebäuden der Kokerei wird ein Stück Industriekultur Teil einer Gartenschau. Das hat es so noch nicht gegeben.Hanspeter Faas, Sprecher der IGA-Geschäftsführung, bei der Vertragsunterzeichnung im Salzlager im November 2025
Der organisatorische Vorteil liegt in der Halle selbst: Alle Opens können gleichzeitig im gemeinsamen Spielsaal laufen. Auch die Liveübertragung mit Kommentar zu den Spitzenbrettern soll es 2027 wieder vor Ort geben.
Das ist ein großer Coup für unsere Veranstaltung und für Dortmund als Sportstandort.Christian Jochmann, Geschäftsführer der Initiative Pro Schach · übersetzt nach ChessBase
Wer zuletzt in Dortmund gewann
Die Dortmunder Schachtage gibt es seit 1973. Bis 2019 stand im Mittelpunkt ein Einladungsturnier der Großmeister, das Wladimir Kramnik zehnmal gewann; die letzten Ausgaben von 2014 bis 2019 fanden im Orchesterzentrum NRW statt. Seit 2020 ist es ein Festival mit offenen Turnieren. In den vergangenen Jahren spielte es in der Alten Schmiede in Huckarde.
Das A-Open 2026 gewann der Norweger Elham Amar mit 7,5 Punkten aus 9 Partien. Matthias Blübaum, der Sieger von 2025, kam als Titelverteidiger mit 6,5 Punkten auf Platz sieben. Der Preisfonds der Opens betrug 20.000 Euro. 2025 setzte sich Blübaum bei 7 Punkten mit der besseren Feinwertung vor Surya Ganguly durch, 2024 gewann der Niederländer Nico Zwirs mit 7,5 Punkten. Das B-Open für Spieler bis 2050 Wertungspunkte läuft über acht Runden am Vormittag, damit die Teilnehmer nachmittags den Großmeistern zusehen können.
Dazu kommt ein internationales Frauenturnier, das 2024 als Wettkampf zwischen Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner begann und seit 2025 mit vier Spielerinnen ausgetragen wird. 2026 gewann es die Chinesin Song Yuxin mit 4 Punkten aus 6 Partien vor Klaudia Kulon, Dinara Wagner wurde mit 2,5 Punkten gemeinsam mit Nataliya Buksa Dritte. 2025 hatte Lu Miaoyi das Vierfeld mit 4,5 Punkten für sich entschieden.
Wer 2027 antritt, steht noch nicht fest. Die Turnierformate, die offizielle Ausschreibung und die Anmeldung sollen um den Jahreswechsel bekannt gegeben werden.
