OIBM: Start ohne Spaziergang
Auf Gut Kaltenbrunn in Gmund hat die 29. Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft begonnen. Frederik Svane führt die Setzliste vor Jaime Santos Latasa und Alexander Donchenko an. Die erste Runde brachte Siege der Favoriten, aber auch ein paar Überraschungen.
Den letzten Gast holte Turnierdirektor Sebastian Siebrecht in der Nacht zum Samstag kurz nach Mitternacht selbst ab. Ihm ist wichtig, dass es in der ersten Runde keine kampflose Partie gibt, und deshalb müssen alle Teilnehmenden vor Ort persönlich erscheinen. Am Samstag um 16 Uhr begann dann auf Gut Kaltenbrunn in Gmund am Tegernsee die 29. Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft, kurz OIBM. Bis zum 8. November sind neun Runden angesetzt.
Wie groß das Feld genau ist, hängt vom Stichtag ab. 555 Anmeldungen nennt ChessBase, in der Vorabmeldung des Schachbunds standen 551 Spielerinnen und Spieler auf der Startrangliste, zum Auftakt waren es 548. Darunter sind 16 Großmeister und Gäste aus fast 40 Nationen. 417 Teilnehmende kommen aus Deutschland, 39 aus Indien. Der Elo-Schnitt liegt bei 1976, der Altersschnitt bei 42 Jahren.
Drei Favoriten über 2600
An Nummer eins ist Frederik Svane (Elo 2662) gesetzt. Im September gewann er bei der Olympiade in Samarkand mit der Nationalmannschaft Bronze und an Brett drei die Einzelgoldmedaille. Am Tegernsee hat er noch nie gespielt. Dahinter folgt der Spanier Jaime Santos Latasa (2626), Sieger der OIBM 2021, und Alexander Donchenko (2610), der ebenfalls Bronze aus Samarkand mitbrachte und 2020 das Tegernsee Masters gewann. Siebrecht sagt über ihn, er wolle nun auch das Open gewinnen.
Auf Platz vier steht Nijat Abasov aus Aserbaidschan (2580), Teilnehmer am Kandidatenturnier 2024. Er hat seit über zwei Jahren kein Open mehr gespielt und sich kurzfristig angemeldet. Der Deutsche Meister Leonardo Costa (2555), Jahrgang 2008, will sich nach dem Abitur 2027 ein Jahr lang als Profi versuchen. Bei den Frauen gehört Klaudia Kulon aus Polen (2378) zu den Favoritinnen, aus Deutschland ist Nationalspielerin Kateryna Dolzhykova (2278) dabei.
Der Titelverteidiger fehlt: Der Iraner Amin Tabatabaei gewann die OIBM 2025 bei seiner ersten Teilnahme mit 8 Punkten aus 9 Partien, einen Punkt vor Luis Engel und Szymon Gumularz.
Beschleunigt nach der Baku-Methode
Gespielt wird nach dem Schweizer System, die ersten fünf Runden beschleunigt nach der Baku-Methode. Dadurch treffen die Spieler der oberen Hälfte früher aufeinander, als es im klassischen Schweizer System der Fall wäre. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für 40 Züge, danach 30 Minuten bis zum Ende der Partie, dazu 30 Sekunden Zuschlag pro Zug ab dem ersten Zug. Es gibt nur eine Runde pro Tag, jeweils um 16 Uhr, nur die Schlussrunde am 8. November beginnt schon um 10 Uhr.
So gab es auch zum Auftakt für niemanden einen Spaziergang. Svane gewann eine technische Partie gegen Julian Wagner. Abasov musste gegen Markus Tillmann fast 60 Züge kneten und kämpfen, ehe der Widerstand gebrochen war. Insgesamt gingen die ersten fünf Bretter an die Favoriten. Am sechsten Brett reichte Leonardo Costa ein Mehrbauer im Turmendspiel nicht zum Sieg, er teilte den Punkt mit dem 15-jährigen Nicola Salsa.
Auch weiter unten gab es Geschichten. Felix Brychcy, schon 2001 dabei, besiegte den 18-jährigen FM Serdar Murat Yildiz. Andreas Schultz bezwang den Kölner IM Georg Seul. Der zehnjährige Rizat Ulan aus Kasachstan schlug den 50 Jahre älteren IM Peter Meister, und Joachim Kick, der 1999 bei der dritten Ausgabe zum ersten Mal am Tegernsee spielte, gewann mit Schwarz gegen FM Christian Schramm. 38 Spielerinnen und Spieler blieben ungepaart und erhielten einen halben Punkt: Die indische Gruppe spielte am Samstagmorgen noch die Schlussrunde des Festivals in Cap d'Agde und steigt erst am Sonntag ein.
Von Carlsen bis Gukesh
Die OIBM hat einen Ruf als Sprungbrett. Magnus Carlsen spielte im Oktober 2000 als Neunjähriger in Bad Wiessee sein erstes klassisches internationales Turnier, Gukesh war 2019 dabei, ebenso Alireza Firouzja.
Eigentlich waren alle, die nachher Weltspitze werden, vorher einmal am Tegernsee.Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor
Siebrecht kennt das Turnier aus beiden Richtungen. 2004 erspielte er bei seiner ersten Teilnahme eine Großmeisternorm, nachdem er vor dem Turnier die rund 21 Kilometer um den See gelaufen war. 2016 übernahm er die Leitung, seitdem ist die OIBM von der Wandelhalle in Bad Wiessee nach Gut Kaltenbrunn umgezogen. Veranstalter sind die Gemeinden Bad Wiessee und Gmund, Ausrichter ist die Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Vier Spieler waren bei allen 29 Ausgaben dabei.
In der zweiten Runde steht gleich das erste Duell zweier Nationalspieler an: Am ersten Brett trifft Svane auf Dolzhykova. Santos Latasa spielt gegen Cedric Chassard, Donchenko gegen den indischen FM G Darshan, und Abasov bekommt es mit seinem Vereinskollegen vom FC Bayern München, Richard Litzka, zu tun.
Die zweite Runde beginnt am Sonntag, 1. November, um 16 Uhr deutscher Zeit. Die Partien der Spitzenbretter laufen mit 15 Minuten Verzögerung auf der Live-Seite der OIBM, die Übertragungen bei Chess.com, Lichess und ChessBase einbindet.
