Sarah Hund will mehr Frauen ans Brett bringen
Nur jedes zehnte Mitglied im Deutschen Schachbund ist eine Frau. Sarah Hund, 28, aus einer der bekanntesten deutschen Schachfamilien, will das im Kleinen ändern und hat zu einem Treffen für Frauen in Gaggenau-Ottenau eingeladen. Anfängerinnen sind ausdrücklich willkommen.
Der Deutsche Schachbund hat knapp 100.000 Mitglieder, und nur rund jedes zehnte ist eine Frau. Sarah Hund aus Rastatt will daran etwas ändern, zunächst im Kleinen. Am Donnerstag, 5. November, lädt sie um 18 Uhr zu einem Frauenschachtreffen ins Alte Rathaus in Gaggenau-Ottenau ein (Friedrichstraße 72).
Ein Abend ohne Leistungsdruck
Hund ist 28 und arbeitet als Aktuarin bei einer Versicherung. Sie hat Wirtschaftsmathematik studiert, spielt für den SK Freiburg-Zähringen in der Frauen-Bundesliga und tritt außerdem in der Oberliga der Männer an. Warum so wenige Frauen Schach spielen, kann sie sich nicht erklären.
Ich kann es nicht nachvollziehen, dass so wenige Frauen Schach spielen.Sarah Hund
Sie selbst mag das Knobeln und die Atmosphäre bei Turnieren: Hunderte Menschen sitzen in einem Raum, und trotzdem ist es fast völlig still, weil alle nachdenken. Neue Spitzenspielerinnen will sie nicht hervorbringen, ihr liegt der Breitensport am Herzen. Es soll um den Spaß am Spielen gehen.
In Ottenau soll es deshalb ungezwungen zugehen. Was am Abend passiert, will Hund von den Teilnehmerinnen abhängig machen. Denkbar sind Schachregeln lernen, gemeinsam spielen, Partien analysieren oder einfach reden, auch eine Diskussion über die geringe Frauenquote kann sie sich vorstellen. Der Schachklub Ottenau hat seine Unterstützung zugesagt und stellt sein Spiellokal im Alten Rathaus zur Verfügung.
Willkommen sind ausdrücklich Frauen ohne Schacherfahrung. Man müsse weder ein mathematisches Genie noch eine erfahrene Turnierspielerin sein, und niemand brauche Angst zu haben, sich vor vermeintlichen Profis zu blamieren. Hund will außerdem erfahren, welche Rahmenbedingungen Frauen brauchen, damit sie solche Angebote gern wieder besuchen.
Nicht die Einzige im Verein
Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung. In kleinen Vereinen kann leicht der Eindruck entstehen, als Frau mit der Begeisterung fürs Schach allein zu sein. Das Treffen soll zeigen, dass es in der Region weitere schachinteressierte Frauen gibt.
Mein Wunsch ist, dass sich Frauen hier vernetzen können und sehen, dass sie nicht die Einzige sind.Sarah Hund
Die Initiative geht auf ein gemeinsames Projekt des Deutschen Schachbundes und der Deutschen Schachjugend zurück. Der Badische Schachverband hat sich mit regionalen Frauenschachtreffen beteiligt. Vorbild sind die Karlsruher Schachfreunde, die sich schon jeden Monat treffen. Nun soll das Angebot auf weitere Bezirke ausgeweitet werden, Ottenau liegt im Bezirk Mittelbaden.
Der Frauenanteil im Schachbund ist zuletzt von etwa sechs auf zehn Prozent gestiegen. Schach bleibt trotzdem eine der Sportarten mit dem geringsten Frauenanteil, selbst beim Boxen liegt die Quote mit 17 Prozent höher. In Georgien ist es anders: Ehemalige Weltmeisterinnen wie Nona Gaprindaschwili und Maia Tschiburdanidse haben dort den Status von Nationalheldinnen. Von einem vergleichbaren Schachboom in Deutschland will Hund nicht gleich träumen. Es reiche, kleine Brötchen zu backen, sagt sie.
Eine Schachfamilie
Dass Hund zum Schach kam, überrascht bei ihrer Familie kaum. Ihr Großvater Gerhard Hund war Schachspieler, Mathematiker und Computerpionier und warb als Journalist bis zum Alter von 92 Jahren für das Spiel. Ihre Mutter Barbara Hund gehörte in den 1980er-Jahren als Großmeisterin zu den zehn besten Spielerinnen der Welt und war das Aushängeschild der deutschen Nationalmannschaft. Die heute 67-Jährige spielt international noch immer für die Schweiz. Auch Tante Isabel Hund spielte in der Damen-Bundesliga.
Ob Barbara Hund am Donnerstag nach Ottenau kommt, ist noch offen.
