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Sieben Elfenbeinfiguren aus dem Hügel von Afrasiab

Gefunden wurden sie in einem Schutthügel bei Samarkand, kaum größer als Spielsteine und von vielen Händen glatt gegriffen. Die sieben Elfenbeinfiguren von Afrasiab gelten als der älteste bekannte Figurensatz des Schachs, und wann genau sie entstanden, ist bis heute nicht ganz einheitlich beantwortet.

7. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Mittwoch

Im Jahr 1977 gräbt der Archäologe Yuri Buryakov im riesigen Siedlungshügel der zerstörten Stadt Afrasiab bei Samarkand. Die Grabung gehört zu einem großen Projekt der usbekischen Akademie für Archäologie. Zwischen allerlei Fundstücken tauchen sieben kleine Figuren aus Elfenbein auf: ein Herrscher auf einem Streitwagen, Reiter, ein Elefant mit einem Soldaten darauf und Fußsoldaten.

Die Oberflächen der Figuren sind stark abgenutzt, sie wurden offenbar oft in die Hand genommen. Dazu kommt die Zusammenstellung. Sie entspricht der Aufstellung des indischen Chaturanga, des Vorläufers des Schachs. Der Name bedeutet auf Sanskrit „vier Glieder“ und steht in der epischen Dichtung oft für ein Heer aus Elefanten, Streitwagen, Reitern und Fußsoldaten. Genau diese Truppengattungen lagen im Boden von Afrasiab.

Eine Münze von 712 liegt in derselben Schicht

Gefunden wurden die Figuren in einer Schicht, in der auch eine Münze aus dem Jahr 712 steckte. Das half bei der Datierung. Zugeordnet wurden die Stücke dem Zeitraum zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert. Für die Mitte des 7. Jahrhunderts als spätestes mögliches Datum spricht ein Argument aus der Religionsgeschichte: Nach der Ausbreitung des Islam in Persien galten figürliche Darstellungen als unpassend. Die Figuren müssen demnach in der Spätphase des Sassanidenreichs entstanden sein.

Ganz einig sind sich die Quellen dabei nicht. Andere Darstellungen nennen für den Satz einen Zeitpunkt um das Jahr 700 und halten fest, dass das Elfenbein aus Indien stammt. Unstrittig ist dagegen der Rang: Es handelt sich um den ältesten bekannten Satz von Schachfiguren. Aufbewahrt werden sie im Staatlichen Museum von Samarkand, zeitweise waren sie als Leihgabe in der Ausstellung zu den Seidenstraßen im British Museum zu sehen.

Eine Stadt, die schon Alexander kannte

Afrasiab ist die ältere Vorgängerin des heutigen Samarkand. Gegründet wurde die Stadt um 750 vor Christus an einer Oase am Fluss Serafschan. Unter den persischen Achämeniden war sie Hauptstadt der Provinz Sogdien, und weil sie an der Seidenstraße lag und Händlern als Station diente, wurde sie mit der Zeit sehr wohlhabend. Die Griechen nannten den Ort Marakanda, und 329 vor Christus eroberte ihn Alexander der Große. Im Jahr 712 nahmen ihn die Araber ein, 1220 zerstörten ihn die Mongolen unter Dschingis Khan vollständig. Das heutige Samarkand entstand im 14. Jahrhundert etwas weiter südlich, und Timur machte es 1369 zur Hauptstadt seines Reiches.

Dass ein so alter Satz ausgerechnet an diesem Handelsplatz auftaucht, passt ins Bild der Spielgeschichte. Chaturanga blühte nach heutigem Stand im 6. Jahrhundert in Indien. Von dort kam das Spiel nach Persien, wo es um 600 im Sassanidenreich den Namen Chatrang trug, der nach der arabischen Eroberung zu Schatrandsch wurde. Händler der Seidenstraße und buddhistische Pilger trugen es weiter bis in den Fernen Osten.

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