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Jussupow über Training: Talente nicht zu früh ans Spitzenbrett

Über 90 Anmeldungen hat der Vortrag von Artur Jussupow schon, bevor er überhaupt begonnen hat. Der Großmeister eröffnet die neue Reihe des Schachbunds und erklärt vorab, was gutes Training ausmacht und welchen Fehler gut meinende Vereine oft machen.

5. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Mittwoch

Auf den Andrang angesprochen, winkt Artur Jussupow ab. Das liege bestimmt nur am günstigen Termin und nicht an ihm. Mehr als 90 Menschen haben sich trotzdem schon angemeldet. Am Donnerstag, 8. Oktober, ab 19.45 Uhr spricht der Großmeister zum Thema „Effektives Schachtraining und verschiedene Trainingsformen“. Er eröffnet damit die Reihe WissenSchach Kompakt 2026/27 des Deutschen Schachbunds. Die Teilnahme ist kostenlos, der Vortrag findet per Zoom statt, und die Referenten arbeiten ehrenamtlich.

Sechs Termine, sechs Themen

Hinter der Reihe steht Jannik Kiesel, im Präsidium für die Verbandsentwicklung zuständig. Für ihn ist es die zweite Auflage seines Digitalprojekts. Die ersten sechs Ausgaben lockten zusammen 218 Interessierte an die Bildschirme, mit Jussupow dürfte es deutlich mehr werden. Kiesel rechnet allerdings damit, dass Nischenthemen weniger Leute anziehen. Ihm gehe es um die Mischung: Wissen für Vereine, Funktionäre, Trainer und Spieler, und dazu der Austausch danach, über den sich schon viele vernetzt hätten. Das Programm reicht von Frauen im Schach über Inklusion und mentale Stärke bis zur Verbindung von Schach und Ausdauersport.

Zu früh ans erste Brett gesetzt

Viel vom Inhalt verraten will Jussupow vorab nicht. Trainingslehre sei ein weites Feld mit vielen Nuancen, das würde zu lange dauern. Zugesagt hat er Einblicke in die russische Schachschule und praktische Schachbeispiele, damit es nicht zu trocken wird. Ein Trainer müsse erkennen, wann er seinen Schützling langweilt, unter- oder überfordert. Das habe er von seinem Lehrmeister Mark Dworezki gelernt.

Einen verbreiteten Fehler nennt er trotzdem schon. Immer wieder haben Verantwortliche im Verein ein tolles Talent und wollen es fördern. Sie setzen es dann ans erste Brett, gegen Gegner mit 500 DWZ mehr. Das sei gut gemeint, aber nicht der richtige Weg.

Da kannst Du viel kaputtmachen, statt zu fördern.Artur Jussupow, Großmeister und Trainer

Auch Trainern könne das passieren, wenn sie zu früh glauben, ihr Talent sei reif für ein richtig großes Turnier. Überhaupt könne man als Trainer nicht viel falsch machen, sagt Jussupow, aber unabsichtlich eben doch.

Wichtig sei außerdem Abwechslung. Mal weg vom Computer ans Buch, mal eine Partie von Vincent Keymer nachspielen, dann Spielformen, Training zu zweit oder in der großen Gruppe mit einem kleinen Wettkampf. Es gehe um das gesunde Maß, und das Training müsse sich individuell dosieren lassen. Denken sei das Schwierigste überhaupt und koste Energie, deshalb gehöre auch Regeneration dazu.

Warum er sich die Zeit nimmt

Jussupow führt eine eigene Schachschule und hat kaum freie Stunden. Warum er sie für ein kostenloses Format hergibt, beantwortet er nüchtern.

Ich sehe es als meine Pflicht, auch mein Wissen weiterzugeben.Artur Jussupow, Großmeister und Trainer

Er habe in seinem Leben sehr viel vom Wissen anderer profitiert, sagt er.

Vom Moskauer Schüler zum Trainer

Geboren wurde Jussupow 1960 in Moskau, als Schüler des Elitetrainers Mark Dworezki wurde er 1977 Juniorenweltmeister der U20 und 1980 Großmeister. Dreimal erreichte er das Halbfinale der Qualifikation für die Weltmeisterschaft, scheiterte dort aber 1986 an Andrei Sokolow, 1989 an Anatoli Karpow und 1992 an Jan Timman. 1986 und 1987 stand er auf Platz drei der Weltrangliste hinter Garri Kasparow und Anatoli Karpow. Mit der Sowjetunion gewann er die Schacholympiaden von 1982 bis 1990.

Nach einem Raubüberfall in Moskau, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde, zog er nach Deutschland und ist seit 1996 deutscher Staatsbürger. Für Deutschland spielte er bei fünf Olympiaden, 2000 in Istanbul gab es Silber. Als Trainer arbeitete er unter anderem mit Viswanathan Anand und Vincent Keymer zusammen.

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