Glöckler schlägt Urkedal und führt allein
Ein Turmzug nach d3 im 38. Zug, und aus einer schlechten Stellung wurde ein Sieg: Christian Glöckler hat am Doppelrundentag von Fagernes Großmeister Frode Urkedal bezwungen. Nach fünf Runden führt der 14-Jährige allein, in Runde 6 wartet der Topgesetzte Elham Amar.
Im 38. Zug stellt Frode Urkedal seinen Turm von c3 nach d3. Das sieht nach Aktivität aus, denn der Turm drückt auf den Läufer d5, und der Norweger hatte die Partie mit Schwarz seit gut fünfzehn Zügen im Griff. Nur deckte dieser Turm als einzige Figur den Springer auf c6. Christian Glöckler antwortet mit 39.Ke2, der König greift den Turm an, und nach 39...Td1 fällt mit 40.Lxc6 der Springer. Stockfish sieht Schwarz vor 38...Td3 auf Gewinn, danach steht Weiß auf Gewinn. Aus einer sehr unangenehmen Partie wurde so der vierte Sieg im fünften Spiel.
Eine Doppelrunde gegen zwei Großmeister
Der Dienstag war der einzige Doppelrundentag des Turniers: Die vierte Runde begann um 10 Uhr, die fünfte um 17.30 Uhr. Vormittags hatte Glöckler mit Weiß gegen den Kasachen Rinat Jumabayev nach 84 Zügen remis gespielt. Abends wartete mit Urkedal der nächste Großmeister, die Nummer drei der Setzliste mit 2554 Elo gegen Glöcklers 2515. Beide gingen mit 3,5 Punkten in die Partie.
Ein Bauernvorstoß gabelt Turm und Läufer
Gespielt wurde die Sämisch-Variante des Nimzoindischen. Weiß schickte den Turm im 9. und 10. Zug über a2 nach d2, Schwarz nahm im 14. Zug mit der Dame den Bauern auf c3. Danach schob Schwarz mit b5, c4, f5 und f4 seine Bauern nach vorn, während Weiß auf e4 die Springer tauschte und rochierte. Im 23. Zug unterlief Glöckler dann der Fehler. Die Engine sieht die Stellung davor ausgeglichen, und mit 23.Tb4 oder 23.g3 wäre sie es geblieben. Stattdessen zog der Weiße den Läufer von c1 nach d2, und Urkedal antwortete mit 23...c3. Der Bauer greift Turm und Läufer gleichzeitig an, Schwarz steht danach auf Gewinn.
Es folgten 24.Le1 f3 25.Lxf3 Lxb5, und Schwarz hatte den Bauern auf b5 zurück. Der c-Bauer rückte im 29. Zug nach c2, die weiße Dame musste nach c1, und im 30. Zug nahm der Läufer den Turm auf f1. Acht Züge später, vor 38...Td3, sah die Lage so aus: Weiß hatte zwei Läufer gegen Turm und Springer, dazu einen Freibauern auf d6 gegen den Freibauern auf c2. Schwarz stand auf Gewinn, und ein einziger Turmzug nahm ihm das alles wieder ab.
Nach 40.Lxc6 schlug Schwarz mit 40...Txc1 den zweiten Läufer, aber auf 41.d7 folgten nur zwei Schachgebote des Turms, die nichts einbrachten. Mit 43.Kxc2 nahm der weiße König den letzten gefährlichen Bauern vom Brett, und der Bauer auf d7 stand durch den Läufer gedeckt kurz vor der Umwandlung. Stockfish sieht Weiß ab hier klar auf Gewinn. Glöckler brachte die Partie ohne große Umwege nach Hause: Im 46. Zug schlug der König den Bauern auf a5, der eigene a-Bauer lief bis nach a7, und nach 55.Lb5 war die Partie mit dem Sieg von Weiß zu Ende.
Allein an der Spitze, sechs Verfolger mit vier Punkten
Mit 4,5 Punkten aus fünf Partien, vier Siegen und einem Remis, liegt Glöckler damit allein vorn. Tiger Hillarp Persson, bis dahin mit ihm und Urkedal an der Spitze, verlor in Runde 5 gegen seinen schwedischen Landsmann Vitaly Sivuk und fiel auf 3,5 Punkte zurück. Mit je vier Punkten folgen der Topgesetzte Elham Amar, Rinat Jumabayev, Aksel Bu Kvaloy, Sivuk, der Österreicher Lukas Dotzer und der Norweger Semen Mitusov. Urkedal bleibt trotz der Niederlage in Reichweite, ebenso wie die indische Großmeisterin Harika Dronavalli, die in beiden Partien des Doppelrundentags remis spielte und mit zwei Siegen und drei Remis noch unbesiegt ist.
Die beiden anderen Deutschen im Feld haben die Tabellenmitte erreicht. Keyvan Farokhi gewann die Runden 2 bis 4, verlor aber nach der Auftaktniederlage auch am Dienstagabend gegen Jumabayev und steht bei 3 Punkten. Bennet Hagner holte in Runde 5 ein Remis gegen den indischen FIDE-Meister Saurabh Anand und hält bei 2,5 Punkten, genau 50 Prozent.
Runde 6: Der Topgesetzte wartet
Als Nächstes spielt Glöckler gegen Elham Amar, die Nummer eins der Setzliste gegen die Nummer eins der Tabelle. Der 21-jährige Norweger (2567) hatte nach einem durchwachsenen Auftakt, in dem er in den Runden 2 und 3 je einen halben Punkt abgab, am Doppelrundentag zwei Siege gelandet. Für den im November 2011 geborenen Glöckler kann es auch in Fagernes um eine zweite Großmeisternorm gehen. Die erste erspielte er im Juli beim Biel Chess Festival, im Master Open kam er auf 8 Punkte aus 9 Partien und eine Performance von 2688 Elo. Auch dort hatte er Großmeister geschlagen, darunter Peter Acs und Dimitris Alexakis. Ob es in Norwegen für die zweite Norm reicht, entscheiden die fünf Runden, die noch bis Sonntag, 11. Oktober, anstehen.
