Rosenstein: Ilyumzhinov soll im CAS-Verfahren gegen die FIDE aussagen
Dreizehn Tage nach seiner Niederlage bei der FIDE-Präsidentenwahl bringt Wadim Rosenstein einen früheren Präsidenten ins Spiel: Kirsan Ilyumzhinov soll in seinem CAS-Verfahren über die Sanktionsregeln des Weltverbands aussagen. Belegt ist bisher nur Rosensteins eigene Erklärung.
Am 9. Oktober, dreizehn Tage nach der Wahl in Samarkand, meldete sich Wadim Rosenstein auf X mit einer Nachricht, die dem Streit um die Sanktionsregeln der FIDE einen bekannten Namen hinzufügt. Der frühere FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov habe zugesagt, in Rosensteins Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die FIDE auszusagen. Bestätigt ist das bisher nur durch Rosenstein selbst. Eine eigene Stellungnahme von Ilyumzhinov liegt nicht vor.
Ein Kandidat, der verloren hat und weiterklagt
Rosenstein ist Unternehmer aus Düsseldorf, Gründer von WR Chess und Chef der WR Group Holding. Er war Deutschlands FIDE-Delegierter und vom Deutschen Schachbund als Kandidat für das Präsidentenamt nominiert. Mit Gordon Tang als Vize trat er gegen Timur Turlov und Jan Henric Buettner an. Im ersten Wahlgang am 26. September erhielt Turlov 96 Stimmen, Rosenstein 76 und Buettner 20. In der Stichwahl setzte sich Turlov mit 110 zu 85 durch und ist seitdem FIDE-Präsident.
Das CAS-Verfahren hatte Rosenstein schon vor der Wahl angestoßen. Sein Team gab am 23. September bekannt, er habe beim CAS Berufung gegen die Entscheidung der FIDE-Wahlkommission vom 5. September über Turlovs Kandidatur eingelegt. Zuvor hatte Rosenstein gegen Turlovs Zulassung angeführt, dass dieser seit Oktober 2022 auf der ukrainischen Sanktionsliste steht, dazu Fragen zu seiner Staatsbürgerschaft und eine Wells Notice der US-Börsenaufsicht SEC. Turlov wies die Vorwürfe zurück, die Wahlkommission sah darin keinen Grund, ihn von der Wahl auszuschließen.
Nach Rosensteins Darstellung hat die Kommission einen Beschluss des FIDE-Rats vom März 2022 übergangen, wonach sanktionierte Personen keine Ehren- oder Amtsposten in der FIDE bekleiden dürfen. Er verlangt, die Entscheidung aufzuheben und festzulegen, wie diese Regel auf Turlov und den bisherigen Präsidenten Arkady Dvorkovich anzuwenden ist. Dvorkovich war im Juli auf die Sanktionsliste der EU gesetzt worden, hatte seine Amtsgeschäfte ruhen lassen und trat nicht mehr zur Wahl an.
Die Frage ist viel einfacher: Gelten die Regeln der FIDE für alle, oder werden sie selektiv angewandt?Wadim Rosenstein, Kandidat · übersetzt nach Chess.com
Ein ehemaliger Präsident mit US-Sanktionen
Ilyumzhinov führte die FIDE von 1995 bis 2018. Ende 2015 setzten ihn die USA wegen Unterstützung der syrischen Regierung auf ihre Sanktionsliste. Das US-Finanzministerium strich ihn am 2. Juli 2025 wieder davon, auf Grundlage der Anordnung zur Aufhebung der Syrien-Sanktionen, die Präsident Donald Trump am 30. Juni unterzeichnet hatte. Im März 2026 kündigte Ilyumzhinov an, erneut für das FIDE-Präsidentenamt zu kandidieren. Am 26. Juli teilte der Pressedienst der FIDE mit, er werde nicht antreten.
In seiner Erklärung vom 9. Oktober wirft Rosenstein der FIDE vor, ihre Sanktionsregeln uneinheitlich anzuwenden. Nach seinen Angaben war Ilyumzhinov wegen der US-Sanktionen faktisch von der FIDE ausgeschlossen, obwohl Trump sie 2025 aufgehoben hatte. Turlov dagegen stehe unter ukrainischen und Dvorkovich unter EU-Sanktionen, ohne dass dies Konsequenzen habe. Dvorkovich hatte allerdings im Juli seine Ämter ruhen lassen. Außerdem sagt Rosenstein, sein Lager habe Ilyumzhinovs Kandidatur unterstützen wollen, sei aber 13 Stimmen von der nötigen Mehrheit entfernt gewesen.
Was bestätigt ist und was offen bleibt
Bestätigt sind das Verfahren und sein Gegenstand, denn Rosensteins Team hat die Berufung am 23. September öffentlich gemacht. Der CAS hatte vor der Wahl nicht entschieden, ein Zeitplan war nicht genannt, und seither wurde zu Stand und Terminen nichts veröffentlicht. Die Argumente der Berufung sind Rosensteins Position und noch nicht vom Gericht beurteilt.
Die Zusage Ilyumzhinovs stützt sich allein auf Rosensteins Beitrag auf X. Als Erstes darüber berichtet hat Chess News Network, eine zweite Quelle war nicht zu finden. Von Ilyumzhinov, der FIDE und Turlov liegt keine Äußerung vor.
