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Fagernes: Jumabayev siegt auf Wertung, Glöckler behält die Norm

In Fagernes teilen sich Rinat Jumabayev, Tiger Hillarp Persson und G B Harshavardhan mit 7,5 aus 10 die Spitze, den Turniersieg bekommt Jumabayev. Christian Glöckler verliert die Schlussrunde gegen Harshavardhan, die zweite Großmeisternorm des 14-Jährigen gilt über neun Runden. Bennet Hagner gewinnt, Keyvan Farokhi verpasst die IM-Norm.

11. Oktober 20265 Minuten LesezeitMatt am Montag

Für die Pflicht hatte Christian Glöckler schon am Freitag gesorgt, am Sonntag ging es in Fagernes nur noch um die Kür. Ein Remis mit Schwarz gegen G B Harshavardhan hätte seine Großmeisternorm von neun auf zehn Runden ausgedehnt. Es wurde eine Niederlage nach 50 Zügen, die zweite in Folge nach der gegen Krishnan Sasikiran in Runde 9. Mit 6,5 Punkten aus 10 Partien teilt der 14-jährige Internationale Meister (2515) jetzt die Plätze fünf bis zehn. Vorn landeten drei Spieler mit 7,5 Punkten, und einer von ihnen war Harshavardhan, dem der Sieg über Glöckler den Sprung in die Spitzengruppe brachte.

Der Springer geht nach g6, und es kippt

Harshavardhan (2529) spielte mit Weiß das abgelehnte Damengambit in der Wiener Variante, und Glöckler hielt mit Schwarz lange das Gleichgewicht. Vor 35...Sg6 steht die Stellung nach Stockfish bei +0,06 ausgeglichen, besser war 35...Kh8. Nach dem Springerzug sind es +3,42, Weiß steht auf Gewinn. 36.f4 vertreibt die Dame von g5, und nach 36...Dd8 37.g4 Tc4 38.f5 exf5 39.gxf5 Dg5+ 40.Kh2 Sf4 41.Dd2 greift Weiß den Springer auf f4 an.

Harshavardhan – Glöckler, Runde 10Schwarz am Zug: 35...Sg6, besser war 35...Kh8

Schwarz schlägt mit 41...Sxd3 zwar einen Turm, aber vor 42.Tg1 steht Weiß nach der Engine mit +8,04 auf Gewinn, denn der Zug fesselt die Dame auf g5 an den König auf g7. Nach 42...f6 43.Txg5+ hxg5 44.Lxd3 Txd4 45.De3 Td7 46.e6 Td5 47.Df3 Tfd8 hat Weiß Dame und Läufer gegen zwei Türme, dazu einen Freibauern auf e6, der nicht mehr aufzuhalten ist.

Harshavardhan – Glöckler, Runde 10Weiß am Zug: 42.Tg1 fesselt die Dame auf g5

Danach ging es schnell. Nach 48.e7 Txd3 49.Dxd3 Txd3 50.e8=D steht eine neue weiße Dame auf dem Brett, und Glöckler hat nur noch einen Turm.

Harshavardhan – Glöckler, Runde 10Weiß am Zug: 48.e7, der Freibauer läuft durch

Dreimal 7,5, aber nur einer gewinnt

Vor der Runde hatte Rinat Jumabayev mit 7 Punkten geführt, dahinter lagen Glöckler, Sasikiran, Harshavardhan und Tiger Hillarp Persson mit 6,5. Am ersten Brett spielte Jumabayev (2564) mit Schwarz gegen Sasikiran (2520) nach 25 Zügen remis und kam so auf 7,5 Punkte. Sicher war damit noch nichts, denn am dritten Brett schlug Hillarp Persson (2417) den norwegischen Großmeister Frode Urkedal (2554), und Harshavardhan gewann gegen Glöckler. Sasikiran blieb mit 7 Punkten Vierter. Den Turniersieg bekam Jumabayev, weil er die beste Turnierleistung der drei hatte und die Feinwertung für ihn sprach. Hillarp Persson wurde Zweiter, Harshavardhan Dritter, das Preisgeld teilten sich alle drei zu gleichen Teilen.

Der Kasache Jumabayev blieb in zehn Partien ungeschlagen, er holte fünf Siege und fünf Remis. Der Schwede Hillarp Persson hat von den dreien die niedrigste Elo-Zahl und verlor nur gegen Vitaly Sivuk, dafür schlug er in Runde 4 Harshavardhan. Der Inder Harshavardhan verlor in diesen zehn Runden nur diese eine Partie.

Hillarp Perssons Sieg gegen Urkedal war eine unruhige Partie. In der Najdorf-Variante mit Adams-Angriff nahm Weiß früh einen Turm: Vor 14.Dxa8 steht Weiß nach Stockfish mit +0,55 leicht besser, denn er gewinnt die Qualität. Die weiße Dame verließ die Ecke aber erst mit 17.Dd5, und nach 14...Dc7 15.Le2 0-0 16.h4 Lf4 17.Dd5 Dxc2 18.Dc4 Dxb2 19.Kf2 Sd7 hatte Schwarz zwei Bauern geholt und beide Läufer behalten.

Urkedal – Hillarp Persson, Runde 10Weiß am Zug: 14.Dxa8 nimmt den Turm für den Läufer

Aus den Bauern wurde mehr. Nach einem Damentausch wurde der schwarze b-Bauer zum Freibauern und rückte über c3 bis auf c2 vor. Nach 30.Tc3 Lxf5 31.Sc5 Td8 steht Schwarz nach der Engine mit −8,30 auf Gewinn, die Partie war nach 31 Zügen zu Ende.

Urkedal – Hillarp Persson, Runde 10Weiß am Zug: 30.Tc3, der Freibauer steht auf c2

Hinter Sasikiran teilen sich sechs Spieler mit je 6,5 Punkten die Plätze fünf bis zehn: Glöckler, Hagner, Sivuk, Semen Mitusov, Moksh Doshi und der norwegische FM Eivind Grunt Kreken, der mit 2347 die niedrigste Elo-Zahl der Gruppe hat. Kreken schlug in der Schlussrunde den indischen FM Sarbartho Mani (2311) nach 76 Zügen. In der Open-Gruppe gewann der indische IM Sharan Rao alle zehn Partien. Stanislav Hohelj aus der Ukraine wurde mit 7,5 Punkten Zweiter, der Norweger Martin K Andersen mit 7 Punkten Dritter.

Hagner gewinnt, Farokhi verpasst die Norm

Bennet Hagner (2470) gewann mit Weiß in 39 Zügen gegen den malaysischen IM Kim Yew Chan (2379) und kam damit ebenfalls auf 6,5 Punkte. Gespielt wurde die Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung in der Tal-Variante. Vor 27...fxe5 steht Weiß nach der Kiste mit +2,45 schon auf Gewinn, nach 28.Lxe5 sind es +5,74. Besser war 27...Sf8. Nach 28.Lxe5 Lf6 29.Ld6 Sh6 30.Sf4 Sf5 31.Txe6 Sxd6 32.Txd6 Txe1 33.Sxe1 hat Weiß einen Bauern mehr. Im Juli hatte Hagner bei der Deutschen Meisterschaft mit 5,5 Punkten aus 9 Partien eine GM-Norm geschafft, in Fagernes kam er einer Norm nicht nahe.

Hagner – Chan, Runde 10Schwarz am Zug: 27...fxe5, besser war 27...Sf8

Keyvan Farokhi (2389) brauchte in der Schlussrunde einen Sieg mit Weiß für die IM-Norm und hatte es mit dem schwedischen Großmeister Sivuk (2485) zu tun. Die Partie, ein Damenindisch, ging verloren. Vor 41.Lxa7 steht Schwarz nach dem Monster mit −3,10 auf Gewinn, und nach 41...Txa6 42.Le3 Ta2+ 43.Kd3 Ta3+ 44.Ke2 Ta1 45.Kd3 Td1+ 46.Kc2 Th1 kreist der schwarze Turm um den weißen König. Nach 59 Zügen war die Partie zu Ende, Farokhi schließt mit 5,5 Punkten ab. Auch Mani, der mit Weiß einen Sieg gebraucht hätte, verlor und verpasste seine IM-Norm.

Farokhi – Sivuk, Runde 10Weiß am Zug: 41.Lxa7, Schwarz steht schon auf Gewinn

Zehn Runden hätten ein Remis gebraucht

Für eine Großmeisternorm sind eine Turnierleistung von mindestens 2600 und ein Gegnerschnitt von mindestens 2380 nötig. Glöcklers Norm wird über neun Runden gewertet, obwohl das Turnier zehn Runden hatte. Der Organisator hatte vor der Schlussrunde festgehalten, wie es weitergeht:

Hat eine GM-Norm über neun Runden erreicht. Braucht ein Remis mit Schwarz in Runde 10, um die Norm auf zehn Runden auszudehnen.Hans Olav Lahlum, Organisator · übersetzt nach dem Turnierblog

Das Remis blieb aus. Mit den Elo-Zahlen der Teilnehmerliste gerechnet, liegt der Gegnerschnitt nach zehn Runden bei 2462, die Turnierleistung bei 2572. Nach neun Runden waren es 2621, und auf diese neun Runden stützt sich die Norm. Mit einem halben Punkt mehr, also 7 aus 10, wäre sie auch über zehn Runden da gewesen.

Es ist Glöcklers zweite Norm. Die erste holte er im Juli beim Meister-Open in Biel, das er mit 8 Punkten aus 10 Partien gewann, der Turniersieg stand eine Runde vor Schluss fest. Im August folgte das A-Open in Dortmund mit 6 Punkten aus 9 Partien, im September das Open in Euskadi mit 7 aus 9. Im Januar hatte er in Wijk aan Zee die Top-Amateurgruppe gewonnen und sich für das Challengers 2027 qualifiziert, eine Norm gab es dort mangels Großmeistern unter den Gegnern nicht. Sein erstes Turnier im klassischen Schach spielte er Mitte 2021, die hessische Qualifikation zur Deutschen Jugendmeisterschaft, zwei Jahre später war er FIDE-Meister und Deutscher Meister U12, im März 2025 holte er in Prag die dritte IM-Norm.

Die 2500 Elo hat er überschritten, für den Großmeistertitel fehlt noch eine Norm. Jüngster deutscher Großmeister kann er nicht mehr werden: Vincent Keymer schaffte das mit 14 Jahren, 11 Monaten und 4 Tagen. Glöckler ist 14 Jahre, 11 Monate und 8 Tage alt, am 3. November wird er 15.

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