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Was Frauen im Schach erleben

Sechs Wochen lang konnten Frauen und Mädchen aus dem Schach ihre Erfahrungen melden, nun liegt der Bericht vor. Gender Bias und sexuelle Belästigung sind weit verbreitet, bei Titelträgerinnen noch häufiger. Wer Bias erlebt hat, denkt deutlich eher ans Aufhören als andere.

13. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Freitag

Vom 3. August bis zum 14. September 2026 stand ein Fragebogen im Netz, den die FIDE-Kommission für Frauenschach an Frauen und Mädchen in aller Welt gerichtet hatte. Angekündigt war er Anfang August mit einer Frist bis zum 28. August, ausgewertet wurden am Ende Antworten bis Mitte September. Gefragt waren nicht nur Spielerinnen, sondern alle, die im Schach eine Rolle haben: Trainerinnen, Schiedsrichterinnen, Organisatorinnen, Funktionärinnen, Eltern, Ehrenamtliche. Die Teilnahme war freiwillig, die Antworten wurden vertraulich behandelt.

Nach Abzug doppelter Einsendungen blieben 672 Antworten aus 127 Verbänden, von jugendlichen Spielerinnen bis zu Großmeisterinnen, von allen Kontinenten. Es ist die erste globale Umfrage dieser Art der Kommission. Weil niemand zur Teilnahme verpflichtet war, sind es die Erfahrungen derer, die geantwortet haben, und keine Stichprobe aller Spielerinnen. Die Kommission veröffentlichte die Ergebnisse am 13. Oktober.

Mehrheit erlebt Gender Bias

63 Prozent der Befragten haben in Schachumgebungen Gender Bias erlebt, 38 Prozent sexuelle Belästigung oder unangemessenes Verhalten. Unter den Erwachsenen steigen die Werte auf 70 und 46 Prozent, unter Frauen mit FIDE-Titel auf 81 und 55 Prozent. Drei Viertel (76 Prozent) berichten von mindestens einer Form von Diskriminierung oder Belästigung.

Der erlebte Gender Bias erreicht seinen Höhepunkt bei Frauen zwischen 18 und 34 Jahren. Am höchsten liegt er bei denen, die vor allem in Amerika und Europa spielen.

Wer Bias erlebt, denkt ans Aufhören

44 Prozent der Befragten haben schon einmal überlegt, dem Schach den Rücken zu kehren. Der Bericht rechnet die Einflüsse gegeneinander auf und kommt zu einem klaren Ergebnis: Wer Gender Bias erlebt hat, hat ein dreimal so hohes Chancenverhältnis (Odds), ans Aufhören zu denken. Das Alter von 18 bis 24 Jahren verdoppelt es ebenso wie ein FIDE-Titel.

Die häufig genannten Hürden Geld und Zeit tragen zu dieser Frage nichts bei, wenn alles andere berücksichtigt ist. Als Hindernisse stehen sie dennoch ganz oben: 66 Prozent nennen die Kosten, 48 Prozent die Zeit, und 84 Prozent bezeichnen die Hindernisse, die sie erlebt haben, als groß oder mittel. Schach bleibt trotzdem wichtig: 72 Prozent nennen es extrem oder sehr wichtig für sich.

Wenige Vorbilder, viel Arbeit im Hintergrund

Weniger als die Hälfte der Befragten (44 Prozent) hatte je ein weibliches Vorbild oder eine Mentorin im Schach. Nur ein Drittel (33 Prozent) fühlt sich in der eigenen Region angemessen vertreten. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) lernte Schach vor dem zehnten Lebensjahr kennen, ebenso viele über Familie oder Gemeinschaft. Regelmäßigen Unterricht hatten als Kind nur 36 Prozent. In Afrika hatten 37 Prozent der dort spielenden Befragten gar keine Trainerin und keinen Trainer, in Europa 24 Prozent.

Frauen halten das Schach auch am Laufen: 47 Prozent der Befragten trainieren, leiten Turniere als Schiedsrichterinnen, organisieren oder verwalten, und 51 Prozent haben mehr als eine Rolle. Ihre Wünsche nennt der Bericht konkret: finanzielle Unterstützung (65 Prozent), mehr Turniere vor Ort (60 Prozent), besseren Zugang zu Training (52 Prozent) und mehr Frauen in Führungspositionen (46 Prozent).

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