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US-Meisterschaften: Li stoppt Lee, vier Spieler vorn

Sechs von zwölf Partien endeten am Donnerstag mit einem Sieger, und zwei davon ordneten die Tabellen neu. Rachael Li beendete die Siegesserie von Alice Lee, Fabiano Caruana antwortete auf seine Niederlage gegen Woodward mit einem Erfolg über Shankland. Im Open stehen vier Spieler bei 4 Punkten, bei den Frauen drei bei 4,5.

15. Oktober 20264 Minuten LesezeitMatt am Freitag

Alice Lee hatte vier Partien in Folge gewonnen und war in Saint Louis zur Spielerin geworden, die niemand zu stoppen schien, als sie am Donnerstag mit Weiß gegen Rachael Li antrat. Li wollte mit Schwarz ursprünglich ein Remis, wie sie hinterher sagte. Im Mittelspiel bekam sie mehr geboten: Lee suchte am Damenflügel Raum und überließ Schwarz dafür Gegenspiel auf den dunklen Feldern. Li nahm das Angebot an und brachte den Punkt nach Hause. Für Lee war es die erste Niederlage im Turnier.

Trotz des Dämpfers bleibt Lee mit 4,5 Punkten vorn, allerdings nicht mehr allein. Li zog mit ihr gleich, und als Dritte kam Thalia Cervantes dazu, die am zweitniedrigsten gewertete Spielerin des Feldes. Sie gewann gegen Nazi Paikidze, am Ende mit der Dame gegen zwei Türme, und gab sich danach bescheiden:

Ich hatte kein Recht, diese Partie zu gewinnen, aber es hat sich alles gefügt, vor allem in der Zeitnot.Thalia Cervantes, Großmeisterin · übersetzt nach Chess.com

Krush rettet den Start, Yip holt den ersten Sieg

Irina Krush, die achtfache Meisterin der USA, hatte ihr Turnier mit einem Damenverlust in der ersten Runde begonnen. Jetzt gewann sie ihre dritte Partie, diesmal gegen Anna Sargsyan, und liegt mit 4 Punkten einen halben Punkt hinter der Spitze. Die Partie lief in ein Schwerfigurenendspiel, und Krush sah sie nach eigenen Worten schon lange in ihre Richtung laufen. Mit Glück habe das nichts zu tun, sagte sie, und überrascht war sie davon, dass die Engine die Schwerfigurenstellung bis kurz vor Schluss als ausgeglichen einstufte.

Carissa Yip, die Titelverteidigerin, ging mit einem Punkt aus fünf Runden in den Tag (drei Niederlagen, zwei Remis) und holte gegen Anna Zatonskih ihren ersten Sieg. Nach 30 Zügen war Schluss: Zatonskih spielte auf zwei Minuten Restzeit gegen 20 bei Yip und verlor eine Figur. Yip rechnet sich für den Titel trotzdem wenig aus. Sie sei eine unbeständige Spielerin, sagte sie, bei der sich sehr gute und sehr schlechte Turniere abwechselten. Mit 2 Punkten steht sie nun mit Sargsyan, Jennifer Yu und Tatev Abrahamyan zusammen auf dem achten Platz, Paikidze ist mit 1 Punkt Letzte.

Zwei weitere Partien blieben remis, und beide sahen für eine Seite zwischendurch schlecht aus. Megan Paragua rettete gegen Abrahamyan eine heikle Stellung. Jennifer Yu verteidigte gegen Rose Atwell ein Turmendspiel mit zwei Bauern weniger.

Caruana antwortet, Liang quittiert die Serie

Im Open fielen nur zwei Entscheidungen, aber beide halfen der Spitze. Fabiano Caruana hatte am Mittwoch gegen Andy Woodward verloren, womit seine Serie von 54 ungeschlagenen Partien bei US-Meisterschaften riss. Er habe nicht gut gespielt und die ganze Partie unter Druck gestanden, sagte er danach. Gegen Sam Shankland steuerte er mit Schwarz in die Magnus-Variante des abgelehnten Damengambits. Lange hielt Shankland mit, dann kippte die Partie nach einem Ausflug des weißen Königs ins Zentrum. Caruana verwertete den Vorteil kompromisslos, nur elf weitere Züge folgten.

Awonder Liang gewann mit Weiß gegen Levon Aronian, für den es die zweite Niederlage in Folge war. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Überraschung aus, doch Liang führt in der Bilanz gegen Aronian nach dieser Partie mit vier Siegen, einer Niederlage und sieben Remisen. Von Maurice Ashley gefragt, wie er auf so einen Wert komme, antwortete er:

Wahrscheinlich nimmt er mich einfach nicht ganz ernst!Awonder Liang, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Entschieden hat die Partie ein Damentausch im Mittelspiel. Nach Liangs Worten verliert Schwarz danach das Feld f6 und gerät überraschend in ein Mattnetz, die Stellung war sofort verloren. Aronian steht mit 2 Punkten auf Platz elf.

Wesley So und Woodward, die das Feld angeführt hatten, hielten ihre Positionen mit Remisen. Woodward rettete gegen Hans Niemann in der Spanischen Partie ein Damenendspiel mit einem Bauern weniger. So hatte gegen Abhimanyu Mishra zeitweise einen Mehrbauern, konnte den Vorteil aber nicht umsetzen. Der 17-jährige Mishra fand mehrere einzige Züge und hielt das Endspiel, in dem er am Ende eine Figur weniger hatte. Auch Sam Sevian gegen Ray Robson und Jeffery Xiong gegen Grigoriy Oparin trennten sich remis.

Noch kein Duell der Führenden

So, Woodward, Caruana und Liang liegen bei 4 Punkten, Xiong folgt mit 3,5. Sieben der zwölf Spieler sind höchstens einen Punkt von der Spitze entfernt. In der siebten Runde am Freitag, dem 16. Oktober, ab 19 Uhr deutscher Zeit trifft keiner der vier Führenden auf einen anderen: Robson spielt gegen So, Woodward gegen Sevian, Caruana gegen Niemann und Oparin gegen Liang. In der achten Runde kommt es dann zu So gegen Woodward. Bei den Frauen spielt Atwell gegen Lee, Li gegen Paragua, Krush gegen Yip und Cervantes gegen Sargsyan.

Dazu kommt ein Zusatzpreis: In beiden Turnieren gibt es 5.000 Dollar für die stärkste Leistung in den Runden 6 bis 11, unabhängig vom Endstand. Die Hauptpreise betragen im Open 55.000 Dollar für den Sieger bei insgesamt 250.000 Dollar, bei den Frauen 35.000 Dollar bei insgesamt 152.000.

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