Vier mit 7 aus 9: Shirov gewinnt in Manaus nach Wertung
In der Schlussrunde standen drei Spieler mit 6,5 Punkten vorn, und beide Spitzenpartien endeten remis. Dahinter schlug ein Bolivianer den zweitgesetzten Großmeister und schloss zum Trio auf. Am Ende lagen vier Spieler bei 7 aus 9, Alexei Shirov blieb ungeschlagen und war in der Feinwertung vorn, der 14-jährige Casalaspro erfüllte eine IM-Norm.
Um zehn Uhr morgens begann am 17. Oktober im Blue Tree Premium in Manaus die neunte und letzte Runde. Vorn standen drei Spieler mit je 6,5 Punkten: der Spanier Alexei Shirov, der Brasilianer Alexandr Fier und der erst 14 Jahre alte Mathias Andre Casalaspro, ebenfalls aus Brasilien. Die beiden Spitzenbretter brachten keine Entscheidung. Casalaspro und Fier einigten sich nach 13 Zügen auf Remis. Shirov spielte mit Weiß gegen Neuris Delgado Ramirez aus Paraguay eine Petroff-Verteidigung und teilte nach 22 Zügen den Punkt. Damit hatten alle drei 7 Punkte erreicht.
Dazu kam ein vierter Spieler. Licael Roderick Ticona Rocabado aus Bolivien ging mit 6 Punkten in die Runde und schlug mit Weiß den Großmeister Rafael Leitao, der mit Elo 2585 an Position zwei gesetzt war und damit der zweitstärkste Spieler des Feldes. So lagen Shirov, Fier, Casalaspro und Ticona Rocabado gleichauf bei 7 aus 9. Entschieden hat die erste Feinwertung, eine Buchholz-Variante: Shirov kam auf 46, Fier auf 44, Casalaspro auf 43 und Ticona Rocabado auf 38.
Fünf Siege, vier Remis, keine Niederlage
Shirov, mit Elo 2592 an eins gesetzt, blieb im ganzen Turnier ungeschlagen. In der dritten Runde besiegte er mit Weiß ausgerechnet Casalaspro, gegen Fier in der siebten und gegen Leitao in der achten Runde teilte er den Punkt. Auch Fier blieb ohne Niederlage, ebenfalls mit fünf Siegen und vier Remis.
Schon die vierte Auflage im Vorjahr hatte kein klares Ende gefunden. Damals lagen fünf Spieler bei 7 Punkten, und Axel Bachmann aus Paraguay gewann nach Wertung vor Matias Perez Gormaz aus Chile, Delgado Ramirez, Leitao und Casalaspro. Casalaspro, damals noch mit Elo 2261 gewertet, war der Fünfte in dieser Gruppe.
Ein 14-Jähriger schlägt zwei Großmeister
Casalaspro, FIDE-Meister und mit Elo 2380 an zwölf gesetzt, verlor in neun Runden nur die Partie gegen Shirov. In der sechsten und siebten Runde gewann er mit Weiß gegen die Großmeister Andres Rodriguez Vila aus Uruguay (Elo 2413) und Pablo Salinas Herrera aus Chile (2457). In der achten Runde remisierte er mit Schwarz gegen den Argentinier Alejandro Hoffman, auch er Großmeister, in der neunten gegen Fier. Gegen die fünf Großmeister, auf die er traf, holte er 3 Punkte. Mit dieser Leistung erfüllte er eine IM-Norm.
Ticona Rocabado, Internationaler Meister und mit Elo 2422 an neun gesetzt, verlor in der zweiten Runde gegen Mikhail Zoltan Iwanon Da Silva (Elo 2009) und in der vierten gegen Ivan Frolov (2101). Danach gewann er fünf Partien in Folge, darunter gegen seinen Landsmann Jonny Cueto, gegen FM Joshua Johnson aus Trinidad und Tobago und gegen Leitao.
Mehr als 28 Minuten für einen Zug
Leitao, der die ersten acht Runden ungeschlagen überstanden hatte, verlor damit seine einzige Partie des Turniers und wurde mit 6 Punkten Vierzehnter. Nach 21 Zügen war in der Partie noch alles offen: Stockfish bewertet die Stellung vor dem 22. Zug mit −0,05 als ausgeglichen. Weiß spielte 22.b4, und Schwarz antwortete nach mehr als 28 Minuten Bedenkzeit mit 22...Sd7. Auf der Uhr standen danach 8:48 Minuten für Leitao und 49:52 für Ticona Rocabado.
Das Gleichgewicht hielt lange. Vor dem 47. Zug zeigt die Engine +0,2, die Stellung ist ausgeglichen. Leitao hatte nach seinem 47. Zug noch 50 Sekunden auf der Uhr. Es folgten 47.g4 fxg4+ 48.Sxg4 Td2 49.Se5+ Kg7 50.Le4.
Zehn Züge später war die Partie entschieden: Vor 57...Txb5 steht Weiß nach Stockfish mit +4,3 auf Gewinn. Leitao hatte in dieser Phase nie mehr als zwei Minuten auf der Uhr. Schwarz nahm den Bauern auf b5, und es folgten fünf Schachgebote in Folge: 58.Tb7+ Kh8 59.Sf7+ Kg8 60.Sh6+ Kf8 61.Tf7+ Ke8 62.Lc6+ Kd8. Der Läufer gab dabei Schach und griff zugleich den Turm auf b5 an. Nach 63.Lxb5 Lxb5 hatte Schwarz einen Turm gegen einen Läufer abgegeben. Im 77. Zug stand es 1:0.
Ausgerichtet wurde das V. Manaus Chess Open von der Federação Amazonense de Xadrez, Turnierdirektor war Rudson Marinho Peixoto, Hauptschiedsrichterin Sabrina de San Vicente. Gespielt wurden vom 10. bis 17. Oktober neun Runden im Schweizer System mit 90 Minuten für die Partie und 30 Sekunden Zuschlag je Zug. Am Start standen 103 Spieler aus 12 Verbänden, darunter zehn Großmeister und neun Internationale Meister, der Elo-Schnitt lag bei 1926. Der Preisfonds betrug 85.000 Real, umgerechnet rund 16.740 US-Dollar.
