Europapokal: Kuybokarov stoppt Tabatabaei, Pendik siegt 5:1
Runde 2 des Europapokals brachte den Favoriten die nächsten Siege und ein paar Schrecksekunden: Pendiks Spitzenspieler Amin Tabatabaei verlor am ersten Brett, Volodar Murzin gewann eine fast verlorene Partie, Alkaloid und SuperChess siegten 6:0. Bei den Frauen erreichte Linares gegen das drittgesetzte SuperChess Romania ein 2:2, darunter eine Partie von 121 Zügen.
Marko Ivanovic, ohne Titel und mit 2253 Elo gewertet, hatte den Schnellschach-Weltmeister von 2024 in Zeitnot überspielt. Im 51. Zug seiner Partie gegen Volodar Murzin stand Weiß mit Springer auf h5, Dame auf f4 und Turm auf h4 so gut, dass Stockfish +8,44 anzeigte, Weiß also auf Gewinn, am besten mit 51.Th3. Ivanovic zog 51.Sf6+??. Nach 51...Dxf6 fehlt Weiß eine Leichtfigur, und schlägt Weiß mit 52.Dxf6 die Dame, folgt 52...Sg4+ mit Gabel auf König und Dame. Die Engine bewertet die Stellung nach 51.Sf6+ mit −5,49, Schwarz steht also auf Gewinn.
Ivanovic gab auf. Pendik, die höchstgesetzte Mannschaft, gewann den Wettkampf gegen Crvena Zvezda 5:1, und selbst mit einer Niederlage Murzins wäre es ein 4:2 geworden. Ruhig war der Sonntag für die Favoriten trotzdem nicht, und die größte Unruhe saß am ersten Brett.
Der Spitzenspieler verliert am ersten Brett
Dort verlor Amin Tabatabaei, mit 2728 Elo die Nummer 18 der Welt, gegen Temur Kuybokarov (2529). Der 26 Jahre alte, in Usbekistan geborene Kuybokarov spielte für Crvena Zvezda mit Weiß einen Sizilianer mit Rossolimo-Aufbau. Ab dem 30. Zug hatte Tabatabaei nach seinen Zügen nie mehr als gut zweieinhalb Minuten auf der Uhr, Kuybokarov nie weniger als sieben.
Mit Überraschungen dieser Art kennt sich Kuybokarov aus. Bei der Olympiade 2022 schlug er Aryan Tari beim Sieg Australiens über Norwegen, und beim World Cup 2025 fehlte ihm mit Weiß ein Remis im Schnellschach, um Praggnanandhaa auszuschalten. Der Rest von Pendik lieferte wie erwartet: Richard Rapport setzte gegen Mihajlo Radovanovic nach 31 Zügen matt, Shakhriyar Mamedyarov, Ediz Gürel und Mustafa Yilmaz gewannen ebenfalls. Anish Giri und Yagiz Kaan Erdogmus ließ die Mannschaft wie am Samstag pausieren.
Wei Yi beendet es mit einer Gabel
Alkaloid, an zwei gesetzt, schlug Breidablik A aus Island 6:0 und stellte dabei erneut die beiden Stars an die ersten Bretter, was Spitzenmannschaften in den ersten Runden sonst eher vermeiden. Arjun Erigaisi gewann am ersten Brett gegen Vignir Vatnar Stefansson, Wei Yi am zweiten gegen Hilmir Freyr Heimisson. Beide stehen damit bei zwei Siegen aus zwei Partien, ebenso Rapport.
Gegen Heimisson (2365) entstand ein Sizilianer, in dem Weiß vor dem 17. Zug nach Einschätzung der Kiste mit +0,53 leicht besser stand. Dann zog Heimisson 17.f5?, und nach 17...Sb4! steht Schwarz mit −1,55 klar besser. Es folgte 18.Tg1 Sxa2 19.Kxa2 Lb4, und die weiße Dame auf c3 musste weichen.
Die Partie endete nach 37 Zügen, als Wei Yis Dame mit Schach auf a5 den König und den Läufer auf e5 gleichzeitig angriff. Simon Williams, der die Übertragung kommentierte, sagte dazu:
Eine phänomenale Partie.Simon Williams, Großmeister · übersetzt nach Chess.com
Van Foreest wackelt, Gelfand verliert
Titelverteidiger SuperChess Romania gewann 6:0 gegen KBSK Brugge, wieder ohne Nodirbek Abdusattorov. Jorden van Foreest, der zum ersten Mal in diesem Turnier am Brett saß, bezwang Koen Leenhouts, hatte dabei aber zwischendurch zu kämpfen. Er sagte:
Ich habe nur versucht, mich zu halten, dann geriet er irgendwann in Zeitnot, und ich habe ihn dort irgendwie ausgetrickst, aber es war auf jeden Fall eine sehr wackelige Partie.Jorden van Foreest, Großmeister · übersetzt nach Chess.com
Boris Gelfand, 58 Jahre alt, spielte zum ersten Mal in diesem Turnier und wurde im Endspiel von Nderim Saraci (2445) von Dardania niedergerungen. Rishon LeZion A gewann den Wettkampf trotzdem 4:2. Der 57 Jahre alte Vasyl Ivanchuk gewann für Nitra gegen Joar Ostlund, Nitra schlug Wasa SK 4:2.
Novy Bor schlug Differdange 5:1. Nils Grandelius, am Samstag gegen einen Spieler mit 2157 Elo unterlegen, gewann diesmal gegen Aleksei Aliferenko (2238), David Navara gegen Jochen Bruch. Bei Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai punkteten alle sechs gegen De Sprenger Echternach, am ersten Brett schlug Pranesh den Großmeister Christopher Noe. Matthias Blübaum, der in Runde 1 gewonnen hatte, stand diesmal nicht in der Aufstellung.
Überraschungen auf Mannschaftsebene blieben selten: Unter den ersten zwölf Tischen endete kein Wettkampf mit weniger als zwei Punkten Abstand. Hillerod (Setzplatz 45) gewann mit Sune Berg Hansen am ersten Brett 3½:2½ gegen LSG (17) um Jan Smeets, und Wetterse (50) setzte sich mit demselben Ergebnis gegen Oslo (22) durch. Das Open-Team von Monte-Carlo, das am Samstag 0:6 gegen Berlin verloren hatte, unterlag Yıldız (97) 2:4.
Ein Remis nach 121 Zügen bei den Frauen
Im Frauenturnier hatte die Auslosung die Favoriten früh zusammengeführt: Titelverteidiger Monte-Carlo, an eins gesetzt, spielte gegen das aserbaidschanische Team Odlar Yurdu auf Platz fünf und gewann 3:1. Humpy Koneru, die zum ersten Mal in diesem Turnier spielte, besiegte Govhar Beydullayeva, Stavroula Tsolakidou schlug Gunay Mammadzada. Tsolakidou, die mit Schwarz auf Katalanisch traf, erklärte, sie bereite gegen diese Eröffnung jedes Mal eine möglichst komplizierte Variante vor, weil Weiß sonst solide Druck aufbaue. Aleksandra Goryachkina gegen Ulviyya Fataliyeva und Elisabeth Pähtz gegen Khanim Balajayeva remisierten.
Sirmium Sremska Mitrovica, an zwei gesetzt, schlug Gambit ASEE 2½:1½. Polina Shuvalova gewann gegen Olga Badelka, Nurgyul Salimova gegen Laura Unuk, den Punkt für Gambit ASEE holte Viktoria Radeva gegen Xeniya Balabayeva.
Das wildeste Duell lieferten Club Ajedrez Linares, an acht gesetzt, und das an drei gesetzte SuperChess Romania: 2:2. Dinara Wagner hatte gegen Michalina Rudzinska vier Leichtfiguren für die Dame und stand auf Gewinn, bis ein falscher Zug sie eine Leichtfigur kostete. Rudzinska gewann im 96. Zug.
Noch länger spielten Viviana Galvan Cipriani (2113) und Deimante Daulyte-Cornette (2385). Galvan gewann eine Leichtfigur, doch ein Patttrick ihrer Gegnerin brachte ein theoretisch remises Endspiel Turm gegen Turm und Läufer aufs Brett. Danach stand Weiß immer wieder auf Gewinn. Im 92. Zug hatte Galvan nach Stockfish ein Matt in drei mit 92.Lf7+ Kh6 93.Th4+ Th5 94.Txh5#. Sie zog 92.Tb3.
Im 121. Zug griff die 50-Züge-Regel und rettete SuperChess das Remis. Marsel Efroimski gewann am vierten Brett gegen Rosa Adela Lorente Serrano, und auch dort wäre am Ende ein Matt in drei möglich gewesen, was am Ergebnis nichts änderte.
Crvena Zvezda, an sieben gesetzt, schlug GASCO Pardubice 3½:½. Die elf Jahre alte Bodhana Sivanandan gewann für Lionesses A am ersten Brett gegen Darshini Sri, einen Tag nach ihrer Niederlage gegen Goryachkina nach 77 Zügen; Lionesses A schlug Radnicki 3½:½.
Die deutschen Teams hatten einen gemischten Sonntag. Die Schachfreunde Berlin gewannen 4½:1½ gegen Multi Essence, der SV Mülheim-Nord 6:0 gegen Morriston, der TSV Schönaich trennte sich von Diagonal Alcorcon 3:3. St. Pauli (1:5 gegen Beer Sheva), Erlangen (½:5½ gegen Aix-en-Provence) und die Weisse Dame Hamburg (½:5½ gegen Dudelange) verloren. Bei den Frauen unterlag Löberitz Bonnevoie ½:3½, Köln gewann 2½:1½ gegen Oslo.
Runde 3 beginnt am Montag um 14 Uhr. Bei den Frauen treffen die beiden Topgesetzten Monte-Carlo und Sirmium aufeinander.
