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Oldenburgs Jugendarbeit soll ohne Einzelkämpfer laufen

Vor kurzem hatte der Schachklub Union 1949 Oldenburg kein einziges Mitglied unter 18, heute sind es 25. Jugendwart Sebastian Müer erklärt, warum er Trainingszeiten, Trainerteam und Dokumentation wichtiger nimmt als einzelne Ergebnisse, und was er 2027 auf Lichess vorhat.

18. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Dienstag

Ein Posten, der sich ohne Reibungsverluste übergeben lässt, klingt nach einem seltsamen Ziel für jemanden, der gerade erst eine Jugendabteilung aus dem Nichts gebaut hat. Für Sebastian Müer, Jugendwart beim Schachklub Union 1949 Oldenburg, ist es der Kern der Sache. Er hat beobachtet, dass die erfolgreiche Jugendarbeit anderer Vereine in der Region oft an einer einzelnen Person hängt, die außergewöhnlich viel Herzblut investiert. Fällt sie weg, steht der Verein vor erheblichen Problemen.

In Oldenburg soll das nicht passieren. Müer lässt deshalb sämtliche E-Mails, Absprachen, Maßnahmen und Abläufe nachvollziehbar dokumentieren.

Der Posten des Jugendleiters soll im Idealfall jederzeit vollständig und ohne größere Reibungsverluste an einen Nachfolger übergeben werden können.Sebastian Müer, Jugendwart beim SK Union Oldenburg

Von null auf 25 Mitglieder

Der Ausgangspunkt war dürftig. Der Verein hat nach Müers Worten die Möglichkeiten einer Stadt wie Oldenburg nicht ansatzweise ausgeschöpft und war im Vergleich mit anderen Vereinen auf Wettkampfniveau nahezu unsichtbar. Dann kam die Reform. Binnen anderthalb Jahren entstand ein Trainer- und Betreuerteam aus mehreren verlässlichen Personen, dazu feste Trainingszeiten, jede Woche. Ein WhatsApp-Infokanal hält die Eltern über Termine und Turnierergebnisse auf dem Laufenden, hinzu kamen ein Instagram-Auftritt, eine überarbeitete Homepage, Aufkleber mit QR-Code und Mannschaftstrikots.

Die Zahlen: Aktuell hat der Verein 25 Mitglieder unter 18 Jahren, vor kurzem waren es keine. Zum Training kommen häufig bis zu 20 Kinder. Müer geht es dabei auch um regelmäßige Teilnahme, nicht nur um die Mitgliederzahl. Die Kehrseite sind unterschiedliche Spielstärken in einer Gruppe, vor allem wenn nur ein Trainer anwesend ist. Künftig soll deshalb klarer zwischen Anfänger- und Leistungstraining getrennt werden, womöglich an verschiedenen Terminen. Zum Anfängertraining gehören dann ausdrücklich auch freie Partien.

Jugendliche der Union spielen inzwischen in der vierten Mannschaft, die als Jugendteam in der Unterbezirksliga Küste antritt, beim Oldenburger Open und in der Vereinsmeisterschaft. Zur Jugend-Bezirksmeisterschaft in Bad Zwischenahn (10. bis 14. Oktober) schickte der Verein nach sehr langer Zeit wieder Spieler: vier Kinder, die in einer höheren Altersklasse antraten. Ein Spieler wurde Fünfter von zehn und steigt mit einer Erst-DWZ von 1590 ein, ein weiterer wurde Sechster mit 1496. Der Verein übernahm Startgebühren und tägliches Mittagessen.

Die Lücke bei der Leistungsförderung

Als größte Baustelle nennt Müer die Förderung der Stärksten. Zwei Trainer mit Lizenz hat der Verein, ein dritter kommt bald dazu. Für Spieler, die wirklich vorankommen wollen, reicht das nicht: Es fehlen Trainer mit hoher Spielstärke und Erfahrung im Leistungstraining, und auch bei der Auswahl geeigneten Materials hat der Verein bislang wenig Erfahrung. Langfristig kann sich Müer externen Unterricht durch Titelträger vorstellen. Sein Wunsch ist, dass ehemalige Jugendspieler irgendwann in der ersten Mannschaft landen, die zwar seit Jahren beständig ist, aber einen hohen Altersdurchschnitt hat.

Einen Siebenjährigen aus der Gruppe, der fünf Jahre jünger ist als die anderen ambitionierten Spieler, beobachtet er besonders gern, weil er schon gut mit Niederlagen umgehen kann. Festlegen will sich Müer auf einzelne Talente aber nicht. Manche Kinder hören wegen anderer Hobbys wieder auf, er möchte lieber für alle eine gute Grundlage schaffen.

Lichess ist erst 2027 dran

Nicht alles aus dem Jugendkonzept hat sich bisher etabliert. Regelmäßige Vereinsturniere auf Lichess und Trainingsangebote über Streamingdienste sind noch nicht angelaufen. Vereinsinterne Online-Jugendturniere will Müer 2027 verstärkt angehen. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen hat Luft nach oben: Einen fließenden Übergang von den Schach-AGs zum Probetraining im Verein sieht er noch nicht.

Langfristig stehen eine Simultanveranstaltung mit einem starken Spieler, ein Online-Zugriff auf Trainingsmaterial, ein überörtliches Jugendturnier in Oldenburg, ein Vergleichskampf „Alt gegen Jung“ und eine gemeinsame Vereinsfahrt auf der Liste. Eine feste Reihenfolge gibt es nicht. Probetraining ist ab sechs Jahren möglich, in Ausnahmefällen ab fünf in Begleitung der Eltern.

Die Kinder sollen sich darauf verlassen können, dass immer etwas stattfindet.Sebastian Müer, Jugendwart beim SK Union Oldenburg

Seinen wichtigsten Wunsch formuliert Müer für den ganzen Verein: Mehr Mitglieder sollen bei Veranstaltungen mit anpacken, damit die Verantwortung nicht dauerhaft bei wenigen hängen bleibt.

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