NATO-Meisterschaft: Steins Bronze, Silber für das Team
Sechs Spieler traten für Deutschland an, vier Ergebnisse zählten, und am Ende fehlten 3,5 Punkte zur Türkei. Robert Stein verlor in Runde 5 gegen den späteren Sieger, gewann am selben Nachmittag die nächste Partie und sicherte sich Bronze über die Feinwertung.
Donnerstag, 15. Oktober, halb neun Uhr morgens, fünfte Runde im Baltic Beach Hotel in Jūrmala. Am ersten Brett trafen zwei Spieler aufeinander, die noch keinen halben Punkt abgegeben hatten: der Topgesetzte Vahap Şanal und der deutsche FM Robert Stein, als Vierter gesetzt und mit vier Siegen aus vier Partien gestartet. Stein hatte Schwarz, auf dem Brett stand ein Italiener, und nach 49 Zügen hieß es 1:0 für Şanal.
Der Wendepunkt kam spät. Vor dem 48. Zug steht Weiß nach Stockfish mit +0,56 leicht besser, und mit 48...Tc7 wäre es dabei geblieben. Stein zog 48...Sd7. Danach steht Weiß mit +7,95 auf Gewinn, und 49.Txc6 war der Zug dazu.
Wie man eine solche Niederlage wegsteckt, zeigte die sechste Runde am selben Tag um halb drei. Stein gewann mit Weiß in nur 25 Zügen gegen den Polen Tomasz Hadzicki (Elo 2063). Am Freitagmorgen folgte gegen den Niederländer Chiel Van Oosterom ein Remis, und damit standen 5,5 Punkte auf seinem Konto. Seine Turnierleistung lag bei 2406, gegen eine Wertung von 2389.
Die Feinwertung entscheidet über Bronze
Sechs Spieler beendeten das Turnier mit 5,5 Punkten, drei davon aus der Türkei: Egemen Gulden, Muhammed Kaan Bacak und Efe Mert Kilic. Gegen Bacak hatte Stein in Runde 4 nach 65 Zügen gewonnen. Entschieden hat die Buchholz-Variante, die starke Gegner belohnt, und davon hatte Stein reichlich: Şanal, Van Oosterom, Bacak. Mit 35 Punkten lag er vor Van Oosterom mit 33,5. Die höchste Feinwertung des ganzen Feldes gehörte damit ihm, die zweithöchste mit 34,5 seinem Mannschaftskollegen Mark Helbig, der mit fünf Punkten Neunter wurde.
Vier von sechs zählen
Das deutsche Team besteht aus sechs Spielern, in der Mannschaftswertung zählen die vier besten Einzelergebnisse. Das waren Stein mit 5,5, Helbig und Bennett Schnabel mit je 5 und einer von drei Spielern mit 4,5, zusammen 20 Punkte. Die Türkei kam auf 23,5, also 3,5 Punkte mehr. Genau so groß war der Abstand 2025 in Dęblin gewesen, mit 23 gegen 19,5. Auch nach hinten glich das Ergebnis dem Vorjahr: Damals lag Deutschland einen Punkt vor Polen, diesmal einen Punkt vor Schweden und Lettland mit je 19.
Die sechs zusammen holten 29 Punkte aus 42 Partien. Helbig, Jahrgang 1974, gewann vier Partien, remisierte zwei und verlor nur in der Schlussrunde gegen Şanal. Schnabel, Jahrgang 2001 und nur als 34. gesetzt, wurde mit 5 Punkten Sechzehnter. Er verlor allein in Runde 3 gegen den Italiener Damiano Lami und gewann die beiden letzten Partien. Hans-Christoph Andersen unterlag nur der Slowenin Laura Unuk, der späteren Zweiten, in Runde 6. Tobias Jacob blieb mit zwei Siegen und fünf Remisen ungeschlagen, sein Sieg in Runde 5 gegen den Esten Uku Schneider dauerte 84 Züge. Wilhelm Jauk verlor zwei Partien, in Runde 2 gegen den Albaner Xhezair Elezi und in der Schlussrunde gegen die Lettin Dana Reizniece, gewann aber vier.
Fünf Namen vom Teamfoto des Vorjahres
Das deutsche Team ist traditionell das NATO-Schachteam der Bundeswehr. Fünf der sechs Namen, nämlich Stein, Schnabel, Andersen, Jacob und Jauk, standen auch auf dem Teamfoto der Auswahl von 2025. Stein wurde damals als Regierungsinspektor im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr vorgestellt. Im November 2025 hatte die Emanuel Lasker Gesellschaft die Auswahl mit dem Schachpreis Viktor ausgezeichnet. Die Laudatorin Anna Endreß nannte die Bundeswehr mit 24 Mannschafts- und 18 Einzeltiteln Rekordsieger der seit 1989 gespielten Meisterschaften.
Vier weitere Deutsche stehen in der Endliste, aber in gemischten NATO-Teams: Ulrich Bohn und Christian Marquardt mit je 4,5 Punkten, Marko Sauer mit 3,5 und Guido Schott mit 3. Im Blitzturnier nach der Hauptrunde wurde Stein mit 7,5 aus 9 Zweiter hinter Mark Timmermans. Auch 2025 war er im Blitz Zweiter gewesen, damals mit 9 aus 11 hinter Muhammed Batuhan Dastan.
