Europapokal: Köln gewinnt das deutsche Duell
Die dritte Runde des Europapokals brachte den deutschen Teams im Open drei Siege und vier Niederlagen. Keines hat mehr als vier Mannschaftspunkte, elf Mannschaften führen mit sechs. Bei den Frauen trafen Köln und Löberitz aufeinander, und für Monte-Carlo entschied Elisabeth Pähtz ihre Partie mit einem Springeropfer.
Hannah Sayce war nach 25 Zügen fertig. Mit Weiß hatte sie am vierten Brett gegen Rebekka Schuster gewonnen, und weil auch Anna-Maja Kazarian am ersten Brett siegte, ging der Kampf der Kölner Schachfreunde gegen die SG Löberitz 2½:1½ an Köln. In der dritten Runde des Frauenturniers trafen damit die beiden deutschen Mannschaften aufeinander, Köln als Nummer 13 der Setzliste gegen Löberitz als Nummer 9.
Gegen Schusters Französisch wählte Sayce (WCM, 1912) den Alekhine-Chatard-Angriff, rochierte lang und ließ den h-Bauern vorlaufen. Im 16. Zug sprang der Springer mit Sc6 ins schwarze Lager. Nach 17.Dxe6+ Kh8 18.Sxe7 war der Läufer geschlagen, und mit 19.hxg6 Txe7 20.g7+ Txg7 21.Lxg7+ Kxg7 folgte ein Abtausch auf g7, der den schwarzen König auf dieses Feld zog.
Danach nahm Sayce mit 22.Dxd5 einen weiteren Bauern, 23.Dg5+ trieb den König zurück nach h8, und 24.Txh7+ Kxh7 gab den Turm für einen Bauern her. Mit 25.Ld3+ endete die Partie.
Die übrigen drei Partien liefen langsamer. Kazarian gewann am ersten Brett gegen Ilze Berzina nach 37 Zügen, für Löberitz gewann Agnesa Stepania Ter-Avetisjana am zweiten gegen Anna Kantane nach 45. Katharina Reinecke (1911) remisierte am dritten Brett nach 53 Zügen mit Elina Otikova, die 149 Punkte höher gewertet ist. Köln steht damit bei 4 Mannschaftspunkten auf Platz 10, Löberitz bei 2 auf Platz 15. An der Spitze liegen Gambit Bonnevoie und Monte-Carlo mit je 6.
Drei Siege und vier Niederlagen im Open
Im Open gewannen St. Pauli, Erlangen und Weisse Dame, vier andere deutsche Teams verloren. Die Schachfreunde Berlin, nach zwei Siegen eine von 25 Mannschaften mit vier Punkten, trafen auf Alkaloid, die Nummer 2 der Setzliste, und unterlagen 1½:4½. Marius Fromm verlor am ersten Brett nach 35 Zügen gegen Arjun Erigaisi (2746), Magnus Ermitsch am zweiten nach 31 gegen Wei Yi (2758), der damit auch seine dritte Partie des Turniers gewann. Sebastian Poltorak unterlag Velimir Ivic nach 26 Zügen. Dafür holte Berlin in der Mitte drei Remis: Emil Schmidek hielt Chithambaram Aravindh (2677) 123 Züge lang, Tymon Czernek teilte nach 57 Zügen den Punkt mit Abhimanyu Puranik (2622), und Rainer Polzin remisierte nach 31 Zügen mit Aleksandar Indjic (2606). Alkaloids Spieler waren im Schnitt 246 Punkte höher gewertet als die Berliner.
Der FC St. Pauli schlug Etela-Vantaan Shakki 4½:1½, dessen Spieler im Schnitt 218 Punkte niedriger gewertet waren. Aljoscha Feuerstack, Frank Sawatzki, Jonah Krause und Triona Eberle (2088) gewannen, Can Ertan remisierte. Fabian Müller (2250) verlor am fünften Brett gegen Vilho Tella (1909). St. Pauli hat 4 Mannschaftspunkte und liegt auf Platz 41.
Der SC Erlangen gewann 4:2 gegen Aatos, 201 Punkte niedriger im Schnitt. Leon Mons (2482) schlug FM Heikki Salo (2178), Florian Dürr und Jonas Feldheim gewannen ebenfalls, Stefan Mijovic und Daniel Diller remisierten, Eduard Miller verlor gegen Kari Pulkkinen. Auch Erlangen hat 4 Mannschaftspunkte, Platz 44.
Der SK Weisse Dame Hamburg holte beim 3½:2½ gegen Bloemendaal die ersten Mannschaftspunkte des Turniers, nachdem er die beiden Runden davor jeweils ½:5½ verloren hatte. Florian Popist, Sebastian Kielhorn und Peter-Rene Mandelbaum gewannen, Deniz Schmidt remisierte, Dustin Tennessee Opasiak und Lennert Parnitzke verloren.
Der SV Mülheim-Nord unterlag Kingston Kings 2½:3½, dessen Spieler im Schnitt 115 Punkte höher gewertet waren. Kevin Schmidt gewann am sechsten Brett, Martin Mainusch, Gunther Voss und Ulf Gohla remisierten, Jan Oltmanns und Tom Bus verloren gegen GM Daniel Howard Fernandez (2530) und FM Ingvar Thor Johannesson. Der TSV Schönaich verlor ebenfalls 2½:3½, gegen Niksic mit 135 Punkten Schnittvorsprung. Daniel Bisanz (1811) und Moritz Reck gewannen, Nils Stukenbrok remisierte am zweiten Brett mit FM Alexandra Zherebtsova (2258), Jan Philipp Rechner, Kai Giebler und Martin Velitchkov verloren. Schönaich hat einen Mannschaftspunkt, Mülheim-Nord zwei.
König Tegel, mit sechs deutschen Spielern gemeldet, verlor 2½:3½ gegen Sharks 4NCL und steht nach drei Runden ohne Mannschaftspunkt auf Platz 100. Daria Pikki (1859) gewann am dritten Brett gegen FM Liam Varnam (2106), Stephan Giemsa, Kristian Dimitrijeski und Josef Roth remisierten.
Matthias Blübaum (2666) remisierte für Nagykanizsai am zweiten Brett nach 30 Zügen mit IM Jung Min Seo (2505) und steht bei 1½ aus 2. Nagykanizsai gewann 4:2 gegen SK Rockaden und gehört mit 6 Mannschaftspunkten zu den elf Teams an der Spitze.
Pähtz opfert einen Springer, Wagner verliert
Elisabeth Pähtz gewann für Titelverteidiger Monte-Carlo am vierten Brett gegen Teodora Injac und trug so zum 2½:1½ gegen Sirmium Sremska Mitrovica bei, den Zweitgesetzten. Aleksandra Goryachkina gewann am ersten Brett gegen Polina Shuvalova, Humpy Koneru remisierte nach 23 Zügen mit Leya Garifullina, Stavroula Tsolakidou verlor gegen Nurgyul Salimova. Injac hatte nach ihrem 25. Zug noch knapp elf Minuten auf der Uhr, Pähtz über 26. Nach Stockfish stand Weiß vor diesem Zug mit +2,92 auf Gewinn, am stärksten war 25.Sd4. Injac spielte 25.Dc3, danach ist die Stellung mit −0,20 ausgeglichen. Pähtz antwortete mit 25...Sxg3 26.fxg3 Dxe3+ und gab den Springer für zwei Bauern. Mit 27.Kg2 wäre die Partie weitergegangen, die Engine sieht Schwarz dort mit −1,16 klar besser. Weiß spielte 27.Kf1, und nach 27...Df3+ endete die Partie.
SuperChess Romania, an Nummer 3 gesetzt, verlor 1:3 gegen Gambit Bonnevoie aus Luxemburg. Dinara Wagner unterlag am zweiten Brett Klaudia Kulon nach 42 Zügen, Marsel Efroimski verlor am vierten gegen Aleksandra Maltsevskaya nach 23. Irina Bulmaga stand gegen Elina Danielian zeitweise auf Gewinn, bis ein Fehler den Vorteil kostete. Nino Batsiashvili gewann am ersten Brett gegen Anna Ushenina. Monte-Carlo und Bonnevoie führen mit je 6 Mannschaftspunkten und treffen in Runde 4 aufeinander, SuperChess hat 3.
Eine Anreise von 16 Stunden und eine Regel
Wie mühsam allein der Weg nach Budva war, hat Thorsten Cmiel aufgeschrieben, FIDE-Meister, der in Köln und Mailand lebt und für das belgische Team Standard de Liège TAL spielt. Seine Reise dauerte 16 Stunden: Weil in ganz Norditalien das Flugkontrollsystem ausfiel, startete die Maschine von Mailand nach Wien mit Verspätung, der Anschlussflug nach Dubrovnik hatte über drei Stunden Verspätung, und die gut 90 Kilometer im Shuttlebus nach Budva dauerten mit zwei Grenzkontrollen und einer kurzen Fährfahrt etwa dreieinhalb Stunden. Viele andere Teilnehmer hätten ähnliche Strapazen erlebt, schreibt er.
Cmiel stößt sich auch an einer Regel des Wettbewerbs: Die ersten vier Teams der Ausgabe 2026 und das nach Setzliste beste weitere Team qualifizieren sich für die European Chess Super League im nächsten Frühjahr. Damit sei das Favoritenteam faktisch bereits qualifiziert, wenn es einige starke Spieler meldet.
Für das Erfinden solch einer Regelung muss man vermutlich hoher Schachfunktionär sein.Thorsten Cmiel, FIDE-Meister und Autor
Am Montag verlor Cmiel am zweiten Brett gegen FM Andrej Sukovic, Standard de Liège TAL unterlag Mimoza 2:4.
