Lichess arbeitet in Prag an der Spendenfrage und spielt Blitz
Ein Dutzend Mitglieder des Lichess-Teams reiste nach Prag, die meisten mit dem Zug. Im Arbeitsteil ging es um die Satzung und eine Rechtsform, mit der Spenden steuerlich absetzbar werden könnten. Im öffentlichen Teil gewann Nicolas Varley ein Blitzturnier mit 38 Spielern.
Die meisten kamen mit dem Zug. Zwölf Mitglieder des Lichess-Teams reisten aus Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, Österreich und Tschechien nach Prag. Ein Jahr nach dem Treffen in Toronto war das Wochenende zweigeteilt: erst Arbeit unter sich, dann Schach mit der örtlichen Szene.
Vom Verein zur gemeinnützigen Organisation
Das größte Thema im Arbeitsteil war die Rechtsform. Lichess ist derzeit eine Association loi 1901, die französische Vereinsform. Das Team hatte schon vor einigen Jahren angekündigt, die nächste Stufe anzustreben: den Status einer „association d'intérêt général“, einer gemeinnützigen Organisation. Er würde dazu führen, dass Spenden in einigen Ländern steuerlich absetzbar sind. Für eine Plattform ohne Werbung und ohne Bezahlschranke ist das keine Nebensache, denn sie lebt von Spenden. Ende 2025 lag der Jahresaufwand bei rund 720.000 Dollar, im Schnitt kamen fünf Euro pro Spende.
In Prag beschäftigte sich ein Teil des Teams damit, die französischen Vorschriften zu studieren und die Satzung anzupassen. Große Fortschritte seien gemacht worden, weitere Neuigkeiten erhofft sich das Team in naher Zukunft. Einen Termin für die Umwandlung gibt es nicht.
Daneben blieb Zeit für Handfestes. Der Entwicklungskoordinator befragte jedes Teammitglied einzeln zu möglichen Anpassungen der Startseite, vom Anfänger bis zum Titelträger. Das Gespräch am Tisch hatte den Vorteil, dass sich gleich beobachten ließ, wie die Leute sich durch die neuen Menüs tasteten. Die Eröffnungsdatenbank steht unter Druck, ihr Zugriff musste auf registrierte Mitglieder beschränkt werden, weiterhin kostenlos. Das Team besprach Wege, sie schneller und effizienter zu machen, ohne dass die Kosten stark steigen. Ein Entwickler der mobilen App sammelte Rückmeldungen, behob Fehler und baute „Team-Updates“ ein, in denen Mitglieder Ankündigungen der Teamleiter lesen. Auch eine Fehlersuche zu IPv6 endete versöhnlich: Schuld war die Fehlkonfiguration eines örtlichen Internetanbieters. Support und Moderation hielten gemeinsame Sitzungen ab.
Blitz, Wechselsimultan und Bughouse
Der öffentliche Teil war für Sonntag, den 20. September, um 17 Uhr angesetzt. Schauplatz war das Juliš Hub 1933 im Hotel Juliš am Wenzelsplatz. Organisiert hat den Abend der Klub Chess House Praha, Schiedsrichter war der nationale Schiedsrichter Dominik Rous. 38 Spieler nahmen an dem lockeren Blitzturnier teil. Es gewann Nicolas Varley mit 7,5 Punkten.
Danach folgte ein spontanes Simultan mit der Bedenkzeit 10+0. Die Großmeister Avetik Grigoryan und Pontus Carlsson, der Internationale Meister Greg Shahade und der FIDE-Meister Noah Fecker spielten gegen zwölf Gäste, jeder Meister gegen drei. Nach zwei Minuten tauschten die Meister die Bretter und erbten damit die Stellung des Vorgängers. Das Team beschreibt das Ergebnis als lustig und chaotisch. Zum Ausklang setzten sich die vier Meister zu einer Runde Bughouse zusammen, einem Tandem-Schach mit zwei Brettern.
