Jugend-WM: Zwei sechste Plätze für die Deutschen
Das DSB-Team trat mit 22 Spielerinnen und Spielern in zwölf Klassen an und blieb ohne Medaille. Nunez Gregoire ließ in der Schlussrunde an Brett 1 einen Gewinn aus, der ihm den Titel hätte bringen können. Schirmbeck, zur Halbzeit allein vorn, wurde Zehnte, und die Favoriten blieben unter ihrer Setzung.
Am Dienstag um 16 Uhr begann in Roquetas de Mar die elfte und letzte Runde, und an Brett 1 der U17 saß ein Deutscher. Daniel Nunez Gregoire, FIDE-Meister und als Nummer 20 gesetzt, hatte Weiß gegen den Spanier Daniel Tabuenca Mendataurigoitia, die Nummer 2. Er stand bei 7,5 Punkten, Tabuenca bei 8. Mit einem Sieg wären es 9 geworden, und mehr als 8,5 hatte am Ende niemand in der Klasse.
Im 61. Zug sah es für einen Moment nach diesem Sieg aus. Tabuenca zog 61...d3, und Weiß stand nach Stockfish mit +6,29 auf Gewinn, vorher war die Stellung mit 0,00 ausgeglichen. Nunez Gregoire hatte noch 1:45 Minuten auf der Uhr und spielte 62.Dc3+. Danach stand es wieder 0,00. Mit 62.Df2+ Kb5 63.g7 hätte Weiß dagegen mit +6,40 auf Gewinn gestanden.
Die Partie endete nach 69 Zügen remis. Nunez Gregoire schloss mit 8 Punkten als Sechster ab, einen halben Punkt hinter den drei Punktbesten: Zanas Nainys aus Litauen, Tabuenca und Iago Fernandez Ramos hatten je 8,5. Nach der Feinwertung wurde Nainys Weltmeister, Tabuenca Zweiter und Fernandez Ramos Dritter.
Daniel ist für mich die größte positive Überraschung dieser WeltmeisterschaftBernd Vökler, Bundesnachwuchstrainer
Zwei Niederlagen, dann Brett 1
Der Weg an die Spitze begann holprig. Die erste Partie verlor Nunez Gregoire mit Schwarz gegen Miguel Martinez Echezarreta, die Nummer 58 der Setzliste mit Elo 1942, in der dritten Runde unterlag er dem Kasachen Altair Adilbekuly (2114). Nach vier Runden standen 2 Punkte auf dem Konto. Danach holte er 6 aus 7, mit fünf Siegen in Folge von der sechsten bis zur zehnten Runde. Der letzte davon brachte ihn an Brett 1: Mit Schwarz schlug er Nainys, der als Nummer 15 gesetzt war und mit 7,5 Punkten führte. Nainys gewann danach noch seine Schlusspartie und wurde Weltmeister.
Die Partie gegen ihn spielte Nunez Gregoire über weite Strecken auf dem Zeitzuschlag. Im 55. Zug war die Stellung ausgeglichen, mit 55...Tc7 hätte Schwarz sie gehalten. Er spielte mit 37 Sekunden auf der Uhr 55...Lxc3, und Weiß stand mit +5,93 auf Gewinn. Nainys, der noch knapp zwei Minuten hatte, nahm mit 56.bxc3 zurück, es folgte 56...a3. Mit 57.Tf4 hätte Weiß weiter mit +6,32 auf Gewinn gestanden. Nainys zog 57.Sd4, und die Engine zeigt wieder 0,00.
Nunez Gregoire gewann die Partie nach 67 Zügen.
Von Setzplatz 26 auf Rang 6
Noch weiter nach vorn kam Abigail Tan Jerome. In der U7 der Mädchen war sie als Nummer 26 von 28 gesetzt und wurde mit 6,5 Punkten Sechste. Zur Halbzeit hatte sie 3,5 Punkte, danach holte sie 3 aus 5. Gold ging mit 9 Punkten an die Kasachin Leila Aldazharova, Bronze mit 8,5 an Echo Heming Fang aus Kanada. Vökler war sie schon beim Lehrgang in Bad Blankenburg aufgefallen, und er hat sie Nadja Jussupow für deren Projekt „Girls Next Generation“ empfohlen. Als Beleg für ihre Ernsthaftigkeit nennt er ein Schnellschachturnier mit 25 Minuten plus 10 Sekunden, bei dem jede ihrer Partien länger als 40 Minuten dauerte: Sie habe immer eine volle Partie bekommen und keine Bedenkzeit verschenkt.
Die Favoriten bleiben unter ihren Möglichkeiten
Fünf Deutsche waren als Top-Ten-Gesetzte angereist, und keinem gelang es, seine Setzung zu übertreffen. Lilian Schirmbeck, in der U13 der Mädchen an Nummer 2 gesetzt, hatte zur Halbzeit mit 5 aus 6 allein geführt. Nach dem spielfreien Samstag verlor sie am Sonntag beide Partien, gegen Tea Rusitashvili aus Georgien und gegen die Spanierin Oceane Clerc, am Dienstagmorgen kam noch eine gegen Sarvinoz Begmuratova dazu, die Silber gewann. Siege in den Runden 9 und 11 brachten 7 Punkte und Platz 10. Gold ging mit 8,5 an die Usbekin Lazizabonu Komiljonova, gegen die Schirmbeck in der sechsten Runde remis gespielt hatte, Bronze mit 7,5 an die Rumänin Maria Anistoroaei.
Konstantin Müller, in der U11 an Nummer 3 gesetzt, gewann die erste Partie, verlor aber in der dritten Runde gegen die Nummer 39, den Mongolen Baatarchuluun Tuguldur (Elo 1784), und in der sechsten gegen Boldbaatar Batbileg. Am Ende standen 6,5 Punkte und Rang 24 unter 99 Teilnehmern.
Beide gehören in Deutschland schon zur Spitze, international reicht es aber noch nicht ganzBernd Vökler, Bundesnachwuchstrainer
Yueyi Chen, in der U15 der Mädchen an Nummer 5 gesetzt, hatte nach der Niederlage gegen Helena Burchardi zur Halbzeit nur 3 Punkte, holte dann aber 4 aus 5. In der Schlussrunde schlug sie an Brett 2 die Vietnamesin Nguyen Bao Linh Vu, die danach Silber bekam. Mit 7 Punkten wurde Chen Neunte, einen halben Punkt hinter den Medaillenrängen. Burchardi dagegen hatte nach der sechsten Runde 4 Punkte und holte nur noch 2 aus 5, sie wurde mit 6 Punkten Siebzehnte. Sarah Neininger, in der U17 der Mädchen an Nummer 8 gesetzt, wurde Zwölfte, Karl Gersemann in der U13 offen als Nummer 7 Dreizehnter.
Wer über seiner Setzung landete
Zusammen kamen die 22 Deutschen auf 134 von 242 möglichen Punkten. Die Mädchen holten in den ersten sechs Runden 35,5 von 60 und in den letzten fünf 25 von 50, die Spieler der offenen Klassen erst 38 von 72 und dann 35,5 von 60. Sechs Deutsche beendeten das Turnier vor ihrer Setzung: Nunez Gregoire (von 20 auf 6), Tan Jerome (von 26 auf 6), Nestor Klaus in der U9 offen (von 48 auf 30), Sebastian Götze in der U7 offen (von 30 auf 22), Burchardi (von 22 auf 17) und Luna Vogt in der U17 der Mädchen (von 26 auf 25). Yehor Marynychenko startete in der U15 offen mit 3 aus 6 und kam nach 4 aus 5 auf 7 Punkte und Rang 16 unter 85.
Doppelrunden mit 45 Minuten
Das neue Format hat die Partien geprägt. Elf Runden in sieben Tagen, meist zwei am Tag um 10 und um 16 Uhr, mit 45 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug, am Samstag war spielfrei, am Montag gab es nur eine Runde. Wie knapp die Zeit wurde, zeigt die Partie von Nunez Gregoire gegen Nainys: Nach dem 28. Zug hatte er noch 3:22 Minuten, vom 31. Zug an nie mehr als 1:25. Gewertet wird trotzdem als klassisches Schach. Bei der Jugend-Europameisterschaft der U8 bis U18, die vom 2. bis 13. November auf Kreta gespielt wird, sind es neun Runden mit 90 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug.
