Harvey holt im Armageddon den englischen Schnellschachtitel
Zwei Internationale Meister, 9 Punkte aus 11 Runden und ein Stichkampf über fünf Partien: Marcus Harvey setzte sich in Peterborough gegen Jonah Willow durch. Der Setzlistenerste Michael Adams hatte in der Schlussrunde nur Remis gespielt und blieb einen halben Punkt zurück.
Am Ende hing alles an einer einzigen Partie, und für Marcus Harvey gab es dabei nur eine Aufgabe. In der Armageddon-Entscheidung gegen Jonah Willow hatte er Weiß und musste gewinnen, ein Remis hätte ihm nicht gereicht. Er gewann, und damit ist der Internationale Meister seit Sonntag, dem 25. Oktober, englischer Schnellschachmeister. Gespielt wurde im Holiday Inn Peterborough–West, als Teil der English Chess Championships, die vom 24. Oktober bis zum 1. November laufen und neben der Schnellschachmeisterschaft auch Titelkämpfe im klassischen Schach und im Blitz sowie die Seniorenmeisterschaft umfassen.
Ein offenes Feld mit 69 Spielern
Die Meisterschaft war ein Schweizer Turnier über 11 Runden, jeder Spieler hatte 15 Minuten Bedenkzeit plus 10 Sekunden pro Zug. Eine Mindestwertung für die Teilnahme gab es nicht. Am Start standen 69 Spieler, deren Wertungsdurchschnitt bei 1879 lag, darunter mehrere Titelträger. Turnierleiter war Adrian Elwin.
Die Setzliste führte Großmeister Michael Adams mit einer Schnellschachwertung von 2614 an, nur knapp vor Gawain Maroroa Jones mit 2609. Dahinter folgten Ameet Ghasi mit 2505 und Daniel Gormally mit 2454, alle vier ebenfalls Großmeister. Harvey ging als Fünfter an den Start (2443), Willow nur als Zehnter (2271). Willow lag damit 343 Wertungspunkte hinter Adams. Der hatte im Vorjahr schon die klassische englische Meisterschaft gewonnen, damals ebenfalls erst im Stichkampf, gegen Nikita Vitiugov.
Drei Spieler, eine Schlussrunde
Nach zehn Runden lagen Adams, Harvey und Willow mit je 8 aus 10 an der Spitze, Maroroa Jones folgte mit 7,5 Punkten. Die drei Führenden hatten bereits gegeneinander gespielt, jeder musste also gegen einen anderen Gegner bestehen. Harvey bekam in der Schlussrunde den Zweitgesetzten Maroroa Jones, Willow den 13 Jahre alten Oleg Verbytski, und Adams traf auf den titellosen Livio Cancedda-Dupuis, der in diesem Turnier über seiner Wertung spielte.
Harvey besiegte Maroroa Jones, Willow gewann gegen Verbytski. Adams dagegen kam gegen Cancedda-Dupuis nicht über ein Remis hinaus und blieb bei 8,5 Punkten. Ein Sieg hätte ihn wie die beiden anderen auf 9 gebracht, so aber war er aus dem Rennen um den Titel. Gormally schob sich mit einem Sieg über Advait Keerthi Kumar auf 8 Punkte und wurde allein Vierter. Maroroa Jones blieb nach seiner Niederlage bei 7,5 Punkten, genau wie Cancedda-Dupuis, der Adams den halben Punkt abgenommen hatte.
Fünf Partien, kein Vorsprung
Harvey und Willow standen damit bei 9 aus 11, und nach dem Reglement musste ein Stichkampf entscheiden. Er begann mit zwei Schnellpartien zu je 10 Minuten. Beide Spieler gewannen mit Weiß, es stand 1:1. Dann folgten zwei Blitzpartien mit je 3 Minuten, und wieder tauschten die beiden Siege aus, diesmal gewann jeder mit Schwarz. Nach vier Partien hatte sich also keiner einen Vorteil erspielt.
Die fünfte Partie, die Armageddon-Entscheidung, brachte dann den Ausschlag. Harvey spielte Weiß, er musste gewinnen und tat es. Willow, der als Zehnter der Setzliste gekommen war und den Titel um eine Partie verpasste, wurde Zweiter. Adams, der Setzlistenerste, stand am Ende hinter beiden Internationalen Meistern auf Platz drei.
