Die FIDE baut sich um
Genau einen Monat nach seiner Wahl legt Timur Turlov den Umbau der FIDE vor: neue Gremien, neue Namen auf den Schlüsselposten. Zugleich steht der Termin für eine außerordentliche Generalversammlung, die offene Punkte aus Samarkand abräumen soll.
Genau einen Monat nach seiner Wahl hat Timur Turlov gezeigt, wie die FIDE künftig aufgebaut sein soll. Am 26. Oktober veröffentlichte der Präsident zwei Texte. Der eine beschreibt die neue Organisationsstruktur, die zusätzlich als Präsentation beiliegt. Der andere ist die Einladung zu einer außerordentlichen Generalversammlung noch in diesem Jahr. Die Struktur nennt Turlov einen der ersten wichtigen Schritte auf dem Weg, den er im Wahlkampf angekündigt hatte.
Gewählt wurde er am 26. September in Samarkand, am Rande der 46. Schacholympiade. Im ersten Wahlgang bekam Turlov 96 Stimmen, Wadim Rosenstein aus Deutschland 76 und Jan Henric Buettner, ebenfalls aus Deutschland, 20. Zwei Stunden später entschied er den zweiten Wahlgang mit 110 zu 85 gegen Rosenstein für sich. Der 38-Jährige leitet den börsennotierten Finanzkonzern Freedom Holding, ist seit Januar 2023 Präsident des kasachischen Schachverbands und Gründungspräsident der International School Chess Federation (ISCF). Er folgt auf Arkady Dvorkovich, der den Weltverband von 2018 bis 2026 führte.
Wer künftig wofür zuständig ist
Im Kern geht es um eine sauberere Trennung zwischen den Leitungsgremien und der Verwaltung. Die Generalversammlung bleibt das oberste Organ. Der FIDE-Rat soll mehr Verantwortung bekommen: Seine Mitglieder sollen sich stärker daran beteiligen, strategische Prioritäten zu setzen und deren Umsetzung zu beaufsichtigen. Ein eigenes Governance-Sekretariat unterstützt die Gremien und die Kommissionen.
Neu ist das Präsidialbüro. Es kümmert sich um strategische Schwerpunkte und große internationale Projekte, und zu ihm gehören Sonderbeauftragte des Präsidenten für einzelne Tätigkeitsfelder. Geleitet wird es von Adil Kozhikhov, der Turlov seit vielen Jahren als Berater zur Seite steht. Ebenfalls neu ist ein Beirat, der aus Fachleuten mit internationaler Erfahrung bestehen soll. Er berät, bleibt aber im bestehenden Rahmen der Verbandsführung. Den Vorsitz übernimmt der kasachische Großmeister Darmen Sadvakasov.
Das Tagesgeschäft führt die Verwaltung unter dem Generalsekretär. Dieses Amt hat Alina Dvoretskaya inne, die bisher Director General der ISCF war. Die Abteilungen sollen ihre Aufgaben klarer untereinander aufteilen, damit die Arbeit effizienter wird.
Strategie, die Wechsel überdauert
Turlov begründet den Umbau mit dem Wunsch nach einer Institution, die eine langfristige Strategie für das Schach entwickelt und konsequent umsetzt. Klare Zuständigkeiten und nachvollziehbare Entscheidungswege sollen dafür sorgen, dass die Linie auch bei einem Wechsel an der Spitze hält. Die FIDE solle über die Organisation internationaler Wettbewerbe hinaus mehr tun: die Landesverbände stärker unterstützen, die Schachbildung ausbauen und neue internationale Partner gewinnen. Im Wahlkampf hatte er versprochen, neue Leute in die Führung zu holen. Daneben sollen erfahrene Kräfte ihr Wissen weiter einbringen, Neulinge und Routiniers sollen ein gemeinsames Team bilden.
Mir gefällt die Idee einer „neuen FIDE“.Timur Turlov, FIDE-Präsident · übersetzt nach seinem Text
Gemessen werden soll der Erfolg an greifbaren Ergebnissen für die Landesverbände und die gesamte Schachgemeinschaft.
Ein Sonntag im Dezember, online
Die zweite Mitteilung betrifft den Termin. Turlov hatte im Lauf des Jahres öffentlich zugesagt, vor Ende 2026 eine weitere Generalversammlung abzuhalten. Auf Beschluss des FIDE-Rats findet die außerordentliche Versammlung nun am 27. Dezember 2026 um 14:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt, einem Sonntag, und zwar online. Eingeladen sind die Delegierten, die Vertreter der angeschlossenen Organisationen, die Ehrenwürdenträger, die Mitglieder des Zonenrats, die Kommissionsvorsitzenden, der amtierende Weltmeister und die Weltmeisterin der Frauen, die Mitglieder von Management und Beirat sowie weitere Funktionäre. Die Versammlung soll die in Samarkand begonnene Arbeit abschließen und die nötigen Beschlüsse für den weiteren Betrieb und die Entwicklung der FIDE fassen.
Die vollständige Tagesordnung und die Unterlagen sollen bis zum 27. November verschickt werden, der Zugangslink samt technischer Hinweise vorab folgen.
Was aus Samarkand liegen blieb
Die Einladung nennt keine Einzelpunkte. Die Beschlussliste der Generalversammlung von Samarkand verweist aber an drei Stellen auf eine außerordentliche Versammlung Ende 2026. Der Rat soll den Haushalt für 2027 und einen vorläufigen für 2028 vorbereiten und dort zur Prüfung vorlegen. Außerdem geht es um die Olympiade 2030: Die Qatar Chess Association und der georgische Schachverband hatten sich als Gastgeber bereit erklärt. Das Management Board soll zuerst mit Katar verhandeln, vorausgesetzt, es liegen offizielle organisatorische und finanzielle Garantien vor. Fehlen sie und kommt innerhalb angemessener Zeit kein Vertrag zustande, geht das Recht zur Unterschrift an Georgien. Der endgültige Kandidat soll der außerordentlichen Versammlung zur Bestätigung vorgelegt werden. Als Drittes soll der Rat die geplanten Änderungen der Wahlordnung zur Nominierung des Counsellor ausarbeiten und dort vorlegen. Ob alle drei Punkte am 27. Dezember tatsächlich auf der Tagesordnung stehen, zeigt sich erst mit deren Veröffentlichung.
