NBA-Stars am Brett: Wemby, Rose und Co.
Victor Wembanyama organisiert in Frankreich eigene Basketball-Schach-Turniere, Jaylen Brown war schon als Schüler Kapitän, Derrick Rose will das Spiel Kindern aus ärmeren Verhältnissen bringen. Ein Blick auf fünf NBA-Profis, bei denen Schach längst mehr ist als ein Zeitvertreib im Mannschaftsbus.
Es war ein nasser, grauer Samstagmorgen in New York, und trotzdem kamen im Dezember 2024 rund 30 bis 40 Leute an die Südwestecke des Washington Square Park. Sie wollten gegen Victor Wembanyama spielen, den Center der San Antonio Spurs, der kurz zuvor auf X gefragt hatte, wer sich mit ihm zum Schach treffen wolle. Gegen Dylan Rittman von Chess.com, rund 1800 gewertet, griff er zur Französischen Verteidigung, und die Partie lief nicht gut für ihn. Gegen die Leute aus dem Park kam er in vier Partien auf 2:2. Dass Wembanyama sich selbst nicht überschätzt, zeigte ein Gespräch mit dem französischen IM Julien Song: Song riet auf 1100 im Schnellschach, Wembanyama sagte, er liege bei etwa 1000.
Noah Brasington, Chess.com Top Blogger aus Florida, stellt in einem Blog fünf NBA-Profis vor, für die das Brett mehr als eine Pausenbeschäftigung ist. Wembanyama ist der sichtbarste von ihnen.
Hoop Gambit vor den Toren von Paris
Wembanyama hat gelernt, dass er selbst Veranstalter sein kann. Im Juli 2025 lud er unter dem Namen Hoop Gambit zu einem Turnier in seine Heimatstadt Le Chesnay westlich von Paris, in einer Halle neben den Basketballplätzen, die er seiner Heimatstadt zuvor geschenkt hatte. Partner waren der örtliche Schachklub und sein Ausrüster Nike, Chess.com steuerte Schachsets und ein Preisgeld bei. Erwartet wurden bis zu 150 Teilnehmer. Im August 2026 folgte die zweite Auflage an zwei Tagen am Stadtrand von Paris, mit Basketballturnier, zwei Schnellschachturnieren und den Streamern Levy Rozman und Julien Song als Gästen. Gegen die Kinder, mit denen er Übungspartien spielte, verlor der Riese jede Partie, unter anderem gegen den sechsjährigen Adam Calixte. Auch gegen Rozman und Song trat er auf dem Centre Court vor Publikum an, Song kommentierte auf Französisch.
Ich mag Schach, weil es das Gehirn richtig fordert.Victor Wembanyama · übersetzt nach Chess.com
Gelernt hat er das Spiel mit etwa zehn Jahren in der Schule, ein halbes Jahr lang ging er in einen Schachklub. Der Trainer fragte ihn gleich am ersten Tag, ob er wisse, was eine Rochade sei. Er wusste es nicht. Heute verbindet er im Sommertraining gern Konditionsübungen und Schach.
Kapitän, Handy-Spieler, Kindheitstalent
Jaylen Brown war nach dem Blog Kapitän der Schachmannschaften seiner Mittelschule und seiner Highschool und spielte später für das Schachteam der University of California in Berkeley. Seine 7uice Foundation arbeitet seit 2023 mit Chess.com zusammen. Beim 7uice Educational Fair am 31. Januar 2026 im Yawkey Boys & Girls Club in Boston kamen mehr als 350 Schülerinnen und Schüler zusammen, dazu gab es ein Turnier im K.-o.-System mit zehn Minuten pro Spieler. Brown saß beim Finale in der ersten Reihe und gratulierte den beiden Finalisten.
Luka Dončić nutzt sein Handy nach eigener Aussage vor allem zum Schachspielen. 2023 war er der erste Profisportler, nach dem Chess.com einen Bot benannte. Luk.AI startete schwach und wurde mit jeder Partie stärker, die Nutzer gegen ihn spielten.
Ich spiele online. Aber ich gewinne meistens.Luka Dončić · übersetzt nach dem Blog
Grant Williams von den Charlotte Hornets lernte mit fünf Jahren Schach, spielte als Grundschüler Turniere auf nationaler Ebene und erinnert sich daran, den Besten seiner Altersklasse im Land geschlagen zu haben. Heute spielt er nach eigener Aussage alle zwei Minuten eine Partie, wertet sie aber nicht aus. Sein Rating liege unter dem Möglichen, weil er nicht lerne, sagt er.
Rose und das Chesstival
Derrick Rose, 2011 jüngster MVP der NBA-Geschichte, fand während der Reha nach seinen Knieverletzungen zum Schach. Er hatte gelesen, dass das Spiel Alzheimer und Demenz vorbeugen könne, und trug in seinen letzten fünf Spielzeiten ein Brett mit sich. Mit dem Chesstival verwirklichte er am 13. Juli 2025 in Las Vegas eine Idee, die er zwei Jahre zuvor angekündigt hatte, damals noch ohne Erfolg. Mit der Freestyle Chess Grand Slam Tour fand er den Partner. Beim Head-&-Hand-Turnier, einer Art Hand-und-Brain mit Chess960, spielte jeder Basketballer mit einem Großmeister zusammen. Rose und Magnus Carlsen schieden in der ersten Runde gegen Jeremiah Robinson-Earl und Vidit Gujrathi aus, die dabei einen Springer gewannen. Den Titel holten Williams und Judit Polgar mit drei Siegen, im Finale gegen Tony Snell und Fabiano Caruana. Quinten Post gewann anschließend das Blitzturnier der zwölf Basketballer mit vier Siegen und einem Remis. Beide Sieger spendeten je 25.000 Dollar.
Rose will das Spiel zugänglicher machen, vor allem für Kinder in benachteiligten Vierteln. Schach könne mit seiner Entscheidungsschulung Leben verändern, sagt er, und seine eigenen Kinder hat er ermuntert, es zu lernen. Für das nächste Jahr plant er ein weiteres Turnier im Madison Square Garden, bei dem Kinder und Frauen im Mittelpunkt stehen sollen.
