Schlager für schlaue Mädchen
Monika Schmatz ist Steuerfachangestellte, Schiedsrichterin und Schachspielerin, und sie macht Musik. Seit 2021 produziert die 54-Jährige Schachlieder, damit mehr Mädchen zum Spiel finden. Verdienen kann sie daran nichts, bezahlt hat sie die Aufnahmen aus eigener Tasche.
Am Anfang stand eine Frage auf dem Mädchenschachkongress 2021: Was lässt sich tun, damit mehr Mädchen Schach spielen wollen? Die Quote sei doch viel zu niedrig, fand Monika Schmatz. Sie produzierte ihr erstes Schachlied. Ein Stück weit geschubst hat sie dabei Jannik Kiesel, der heutige Vizepräsident Verbandsentwicklung im Deutschen Schachbund, mit dem Hinweis, sie wisse doch, wie das geht.
Daraus wurde „Schlaue Mädchen spielen Schach“, ein Motivationssong mit der Botschaft, dass Mädchen genauso gut spielen können wie Jungs, mit Spaß und Strategie. Es gibt ihn auch auf Englisch als „Clever Girls are playing chess“. Auf den Download- und Streamingplattformen wurde er rund 16.000 Mal angeklickt und gehört. Ein Welthit ist das nicht, die Zielgruppe ist dafür zu klein, und darum ging es Schmatz auch nie.
Schlager, den man mögen muss
Inzwischen hat sie drei reine Schachlieder aufgenommen. „Schachleben“, 2023 mit dem Deutschen Rock & Pop-Preis ausgezeichnet, handelt davon, dass Schach wie das wahre Leben ist und Mut verlangt. Das Kinderschachlied „Schach, ich spiele gerne Schach“ erschien 2024 zusammen mit Kinderschach in Deutschland und der Schachstiftung GK von Gerhard Köhler. Der Stil ist Schlager. Kiesel sagt, manche liebten das, vor allem kleine Kinder, aber auch Ältere, andere hätten es gern rockiger. Die Deutsche Schachjugend spiele die Lieder auf ihren Veranstaltungen, je nachdem, wer die Musik auflege. Ihr Engagement findet er rundum großartig.
Produziert wird häufig mit Stefano Maggio, der schon mit Giovanni Zarrella und Michael Patrick Kelly gearbeitet hat. Das Neueste heißt „You Matter“ und entstand mit Faizo Nyanzi aus Lugazi in Uganda. Er betreut dort bei der Sports Organization of Lugazi Straßenkinder beim Fußball und beim Schach. Schmatz unterstützt die zehnköpfige Schachgruppe mit acht Schachsets, einem Demonstrationsbrett, Lernheften und Startgeldern für Turniere.
Liebhaberei mit eigenem Geld
Ihren Lebensunterhalt verdient Schmatz als Steuerfachangestellte, Texten und Komponieren sind Hobby. Für Tonstudio und Interpreten gab sie nach Kiesels Kenntnis einige tausend Euro aus. „Bis jetzt bin ich leider noch nicht in der Gewinnzone“, sagt sie selbst. Die Texte handeln von Mut, Respekt, Fairplay und Ehrlichkeit, Dingen, die der Schachsport beinhalte oder beinhalten solle. Sie weiß, dass sie dabei Idealvorstellungen hat.
Ich mache in gewisser Weise Schach hörbar.Monika Schmatz
Schach wurde ihr in Rumänien von ihrem Vater nahegebracht, der im Hotel arbeitete. Mit acht Jahren spielte sie im Foyer gegen Hotelgäste. Später war sie viele Jahre Kinder- und Jugendtrainerin beim SK Penzberg und engagiert sich im Schulschach. Sie ist Schiedsrichterin und FIDE-Instructor und richtet einmal im Monat einen Frauenschach-Nachmittag im Café Eberl in Bichl aus, auch dafür zahlt sie das Material selbst.
Selbst spielt sie für den SK Weilheim, Elo-Zahl 1728. Bei den Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften am Tegernsee ist sie auch in diesem Herbst wieder dabei und als Nummer 430 gesetzt. Dabeisein ist für sie alles. Gitarre und Keyboard spielt sie ebenfalls, und tanzen mag sie auch.
