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ECU stützt Ukraine im Streit um Podolyaks FIDE-ID

Bei seiner Sitzung in Budva hat der Vorstand der Europäischen Schachunion drei Positionen gegenüber der FIDE festgelegt: für den ukrainischen Verband im Streit um Mykhailo Podolyak, für israelische Spieler in Malaysia und für Bulgariens Verband. Dazu kamen die Kommissionen für 2027 bis 2030.

23. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Samstag

Am 22. und 23. Oktober tagte der Vorstand der Europäischen Schachunion (ECU) im montenegrinischen Budva, empfangen von Jovan Milovic, dem Präsidenten des Schachverbands von Montenegro. Veröffentlicht wurde das Communiqué erst am 30. Oktober. Auf der Tagesordnung standen unter der Überschrift „Requests for Institutional Support“ drei Anliegen aus Mitgliedsverbänden, einem ukrainischen, einem israelischen und einem bulgarischen. In allen dreien will die ECU der FIDE ihre Haltung in offiziellen Schreiben mitteilen.

Eine FIDE-ID, zu der niemand gefragt wurde

Der Vorstand unterstützt den Ukrainischen Schachverband in dessen Antrag gegen Entscheidung und Auslegung des FIDE-Councils. Danach darf Herrn Podolyak eine FIDE-ID unter dem ukrainischen Verband ausgestellt werden, ohne dass der nationale Verband befragt oder auch nur informiert wurde. Das Communiqué nennt nur den Nachnamen. Wann der Council entschied und wie er das begründete, steht dort nicht. Gemeint ist offenbar Mykhailo Podolyak, Berater im Präsidialbüro der Ukraine, der seit der FIDE-Wahl als Vizepräsident des Weltverbands geführt wird.

Die Vorgeschichte reicht in den September. Am 26. September wurde Timur Turlov in Samarkand im zweiten Wahlgang mit 110 zu 85 Stimmen gegen Vadim Rosenstein zum FIDE-Präsidenten gewählt. Schon am 21. September hatte er auf X die Ukraine eingeladen, einen Vizepräsidenten zu benennen, und Podolyak persönlich um Zusage gebeten. Podolyak sagte zu. Bei der Generalversammlung nannte Turlov dann Podolyak und den Russen Pavel Kolobkov, früherer Sportminister seines Landes, als Vizepräsidenten.

Der ukrainische Verband unter Präsident Oleksandr Kamyshin widersprach am 28. September. Er habe Podolyak nicht autorisiert, der habe keine Verbindung zum ukrainischen Schach, und nach dem FIDE-Statut brauche eine Nominierung die Benennung durch den nationalen Verband. Gegen Kolobkov führt er an, dass die Mitgliedschaft des russischen Verbands in der FIDE ruht. Podolyak erklärte am 30. September in einer Videobotschaft, seine Ernennung brauche die Zustimmung des Verbands nicht. Er sei exekutiver Vizepräsident auf Vorschlag des Präsidenten, und seine Aufgabe beschrieb er so:

die absolut konkrete Nutzung einer globalen Plattform, um Ukraines Einfluss zu stärken und Russlands Einfluss zu verringernMykhailo Podolyak, Berater im Präsidialamt · übersetzt nach Interfax-Ukraine

Turlov selbst steht seit Oktober 2022 auf der Sanktionsliste der Ukraine. Mit dem Beschluss von Budva hat der ukrainische Verband nun den europäischen Dachverband an seiner Seite.

Israelis in Klang, Einigung in Bulgarien

Zweitens unterstützt der Vorstand das Recht israelischer Spieler, an der Weltmeisterschaft der Amateure 2026 in Malaysia teilzunehmen. Das Turnier läuft vom 4. bis 13. November in Klang im Bundesstaat Selangor, über neun Runden im Schweizer System, getrennt für Open und Frauen in den Wertungsklassen bis 2300, 2000 und 1700. Die FIDE hatte alle Mitgliedsverbände und berechtigten Spieler eingeladen. Am 18. Oktober wurde bekannt, dass die veröffentlichte Teilnehmerliste ohne zwei registrierte Israelis erschien. Einer von ihnen, Lior Aizenberg, Leiter der Organisation Chess4All, sagt, die malaysischen Behörden wollten Israelis nicht für Israel antreten lassen. Er und andere israelische Schachvertreter fordern, das Turnier zu verlegen oder ihm den Titel „Weltmeisterschaft“ abzuerkennen. Eine Stellungnahme der malaysischen Behörden oder der FIDE dazu ist bisher nicht bekannt.

Drittens bekräftigt der Vorstand seine volle Unterstützung für den Bulgarischen Sportschachverband. Die ECU bleibe dem Einigungsprozess in Bulgarien verpflichtet, den ECU, FIDE und das bulgarische Sportministerium vereinbart haben.

Neue Kommissionen für 2027 bis 2030

Außerdem bestätigte der Vorstand die Besetzung der Kommissionen für die Amtszeit 2027 bis 2030. In der Events Commission führt Paris Klerides aus Zypern den Vorsitz. Zu den Mitgliedern gehört Sandra Schmidt aus Deutschland, dazu Bojana Bejatovic aus Serbien, Nikolaos Kalesis aus Griechenland und Milan Roman aus der Slowakei. Als Gäste ohne festen Sitz sind Petr Pisk aus Tschechien und Ion Dobronauteanu aus Rumänien eingetragen. Die ECU hält fest, dass Kommissionsmitglieder einzeln und unabhängig arbeiten und nicht als Vertreter ihrer nationalen Verbände. Weitere deutsche Namen stehen im Schiedsrichterrat mit Frank Jaeger und in der Bildungskommission mit Walter Raedler.

Neu ist die Kommission für Olympische Angelegenheiten unter dem Schweden Hakan Jalling. Sie soll vor allem die Überarbeitung der ECU-Statuten begleiten, die der Vorstand in Budva eingeleitet hat. Gefördert werden im Rahmen des Programms 2027 bis 2030 unter anderem die Europäischen Einzelmeisterschaften der kleinen Nationen in Monaco, die Schulschachprogramme von Andorra und Guernsey, der Glorney und Gilbert Cup 2027 und das Mädchenturnier „Futures“ des Prager Schachfestivals. Für die Europameisterschaften 2028 eröffnet die ECU das Bewerbungsverfahren, die genaue Ausschreibung soll im November erscheinen.

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