Abschied von Lhamsuren Myagmarsuren
Lhamsuren Myagmarsuren war einer der besten Schachspieler der Mongolei und zugleich einer ihrer führenden Geologen. Weltweit bekannt wurde er durch eine Niederlage: 1967 gewann Bobby Fischer beim Interzonenturnier in Sousse eine Partie gegen ihn, die bis heute gezeigt wird.
Die Partie, mit der Lhamsuren Myagmarsuren in den Datenbanken steht, dauerte 31 Züge und endete mit einem Damenopfer seines Gegners. Am 15. Oktober 1967 spielte er in der dritten Runde des Interzonenturniers von Sousse mit Schwarz gegen Bobby Fischer und verlor so, dass die Partie noch Jahrzehnte später als Glanzstück gilt. Am Montag, dem 26. Oktober 2026, ist der mongolische Internationale Meister im Alter von 88 Jahren gestorben.
Geboren wurde Myagmarsuren am 17. Februar 1938 im Distrikt Buyant in der Provinz Chovd im Westen der Mongolei. Nach der Schule studierte er von 1965 bis 1970 am Polytechnischen Institut der Staatlichen Universität der Mongolei Geologie. Sein Beruf war die Geologie, das Schach spielte er über Jahrzehnte daneben.
Der Chefgeologe der Mongolei
Ab 1970 arbeitete er im Staatlichen Geologischen Fonds, später in der Zentralen Geologischen Verwaltung, bei der Internationalen Geologischen Expedition und für die Mogoy Gol Gold JSC. Er erstellte umfangreiche Karten, Kataloge und Datenbanken zu den Bodenschätzen des Landes, zu Fundorten von Fossilien und zu Wasservorkommen. Bis 2003 war er leitender Ingenieur der Goldmine Mogoy Gol in Yeroo. Die Regierung ernannte ihn zum Chefgeologen der Mongolei und zeichnete ihn mit weiteren Orden aus. Der Nationale Geologische Dienst verabschiedete ihn am 28. Oktober mit einer Trauerankündigung und nannte als Hinterbliebene seine Frau, die Ärztin M. Dolgorsüren, sowie Kinder und Enkel.
Gold am vierten Brett
An internationalen Turnieren nahm Myagmarsuren seit 1957 teil. Sein größter Erfolg gelang ihm 1960 bei der Schacholympiade in Leipzig. Am vierten Brett der mongolischen Mannschaft holte er 16½ Punkte aus 20 Partien, bei 14 Siegen, 5 Remisen und einer Niederlage, und gewann damit die Einzelgoldmedaille. Insgesamt vertrat er sein Land zwischen 1960 und 1982 bei zehn Olympiaden, dazu bei mehreren Studentenweltmeisterschaften und Armeemeisterschaften. Landesmeister wurde er 1965 und dann dreimal in Folge, 1980, 1981 und 1982.
Bei Einzelturnieren im Ausland war er selten zu sehen. Zu seinen Ergebnissen zählen ein geteilter fünfter und sechster Platz in Duschanbe 1962, ein zwölfter Platz bei der Armeemeisterschaft in Havanna 1967, Platz 16 beim Turnier in Tallinn 1971, das Paul Keres und Mikhail Tal gewannen, und ein geteilter achter und neunter Platz beim Rubinstein-Gedenkturnier in Polanica Zdrój 1972. Den Titel Internationaler Meister verlieh ihm die FIDE, über das Jahr gehen die Angaben auseinander: Genannt werden 1966 und 1967.
Gegen Fischer in Sousse
1966 gewann Myagmarsuren das Zonenturnier von Westasien und qualifizierte sich damit für das Interzonenturnier 1967 im tunesischen Sousse. Dort traf er auf die Weltelite, und oft musste er deren Überlegenheit anerkennen. Das Turnier gewann Bent Larsen, Myagmarsuren teilte sich den 19. und 20. Platz. Fischer verließ es vorzeitig, verärgert über organisatorische Mängel.
Gegen Myagmarsuren wählte Fischer den Königsindischen Angriff, Schwarz hatte sich für eine französische Aufstellung entschieden. Schwarz suchte sein Spiel am Damenflügel und öffnete dort mit Bauernvorstößen die b-Linie, Weiß rückte am Königsflügel mit dem h-Bauern vor. Lange blieb die Partie offen. Dann kam der 22. Zug: Mit 22...Sc3 ließ Schwarz die Balance fahren, und nach 23.Lf6 hatte der Läufer die Diagonale zum schwarzen Königsflügel fest im Griff. Mit 22...c4 wäre die Stellung noch annähernd ausgeglichen geblieben, nach dem Textzug stand Weiß auf Gewinn.
Schwarz tauschte die Springer, aber der Druck blieb. Der Läufer auf f6 und die Dame auf g5 hielten den Königsflügel unter Dauerfeuer, und Fischer schob den h-Bauern weiter vor und brachte den Turm auf die h-Linie. Schwarz kam unterdessen zu eigenem Spiel: Ein Freibauer erreichte das Feld c2, einen Zug vor der Umwandlung. Fischer ließ ihn gewähren. Mit 30.Dh6 drohte er auf h7 einzuschlagen, nach 30...Df8 folgte das Damenopfer 31.Dxh7+. Nähme der König die Dame, käme 32.hxg6+ mit Doppelschach durch Bauer und Turm. Nach 32...Kg8 wäre 33.Th8# matt, nach 32...Kxg6 ebenso 33.Le4#. Myagmarsuren gab auf.
Noch Blitzpartien als Shatar
Auch nach 1982 blieb Myagmarsuren dem Schach treu. 2004 nahm er noch an den Seniorenweltmeisterschaften teil, 2009 spielte er bei einem Turnier in Ulaanbaatar mit. Danach soll er unter dem Namen Shatar regelmäßig Blitzpartien auf der Plattform Internet Chess Club gespielt haben. Über seine beste Partie gehen die Angaben auseinander: Der Geologische Dienst nennt den Sieg über Friðrik Ólafsson bei der Olympiade in der Schweiz, nach anderer Darstellung war es 1970 bei der Olympiade in Siegen die Partie gegen Bent Larsen.
1996 erhielt er die Auszeichnung Verdienter Meister des Sports. 1999 trug sich sein Name anlässlich der 75-Jahr-Feier der FIDE ins Goldene Buch des Weltschachs ein, und 2020 bekam er als verdienter Spieler ein Stipendium des Weltschachbunds. Der Geologische Dienst hält fest, dass er sein Wissen jungen Geologen weitergab und Jugendlichen das Schachspielen beibrachte.
