Fast keine Folge verpasst
Jugendwart, C-Trainer, Nationaler Schiedsrichter: Frank Große vom Meuselwitzer Schachverein 1921 hat viele Ämter und trotzdem fast jede Folge von WissenSchach Kompakt gesehen. Die DSB-Reihe wächst, zuletzt kamen 214 Teilnehmer zu einem Seminar mit Artur Jussupow.
Frank Große hat in Meuselwitz mehr Aufgaben, als ein Vereinsabend Stunden hat. Der 50-Jährige ist beim Meuselwitzer Schachverein 1921 in Thüringen Jugendwart, C-Trainer Leistungssport und Nationaler Schiedsrichter. Der Verein hat 55 Mitglieder, darunter 30 Kinder und Jugendliche. Große leitet außerdem Schulschach-AGs, organisiert Turniere und kümmert sich um einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit und der Fördermittelakquise. Wer so viel macht, kann sich eine Weiterbildung eigentlich kaum leisten, und doch sitzt er regelmäßig vor dem Bildschirm, wenn der Deutsche Schachbund zu WissenSchach Kompakt einlädt.
Ein Spätberufener mit Stammplatz
Dass ihn Wissen aus allen Richtungen interessiert, hat auch mit seinem eigenen Weg zu tun. Große lernte das Schach erst als Erwachsener, und dann ließ er das Brett für Jahre im Schrank.
Ich habe erst als Erwachsener die Regeln vom Schach gelernt und hatte zwischenzeitlich fast zehn Jahre lang gar keinen BezugFrank Große, Meuselwitzer SV 1921
Gerade deshalb schätzt er die Reihe. Man beschäftige sich zwangsläufig mit vielen Themen, sei aber längst nicht überall Experte, sagt er. Dazu komme, dass im laufenden Vereinsbetrieb oft die Zeit fehle, sich mit einzelnen Fragen länger zu befassen. Seit dem Start im Jahr 2025 hat er erst eine einzige Folge verpasst.
Monatlich, kostenlos, per Zoom
WissenSchach Kompakt ist eine kostenlose digitale Fortbildungsreihe, die einmal im Monat stattfindet, meist am frühen Abend, und per Zoom läuft. Sie richtet sich an alle, die im Schach aktiv sind, von Trainern über Schiedsrichter bis zu Vereinsfunktionären. Gedacht ist sie für praxisnahes Wissen, neue Impulse und den Austausch zwischen diesen Gruppen. Hinter ihr steht der Bereich Verbandsentwicklung des Deutschen Schachbundes, angestoßen von Vizepräsident Jannik Kiesel. Getragen wird sie von den Referaten Breitenschach, Öffentlichkeitsarbeit und Onlineschach.
Der Auftakt war am 14. Oktober 2025. Niklas Rickmann, früher Vorsitzender der Deutschen Schachjugend, sprach über Schachtraining mit Herz, Hirn und Hand, und mehr als 40 Teilnehmer waren dabei. Im November ging es um die perfekte Turnierorganisation, bei Sandra Schmidt und Frank Jäger waren es über 70. Weitere Folgen drehten sich um Onlineschach, Ausbildungen im Schachsport, Mitgliedergewinnung und Strategien, mehr Mädchen und Frauen fürs Schach zu gewinnen. Am 8. Oktober 2026 kam dann Artur Jussupow, der frühere Dritte der FIDE-Weltrangliste, mit einem Vortrag über effektives Schachtraining. Bei ihm waren es 214 Teilnehmer, mehr als bei jeder früheren Folge, zu der Zahlen vorliegen.
Ich glaube, die letzte Folge hat viele reingezogen, die das Projekt bisher vielleicht noch gar nicht kanntenJannik Kiesel, DSB-Vizepräsident Verbandsentwicklung
Was Meuselwitz ohnehin beschäftigt
Besonders angesprochen haben Große bisher die basisnahen Themen: Schachpädagogik, Turnierorganisation, Mitgliedergewinnung, Mädchen- und Frauenschach. Das alles komme in Meuselwitz konkret vor. Er schätzt die Mischung aus fachlichem Input und Erfahrungen aus der Praxis. Oft reiche schon eine Anregung oder eine andere Sichtweise, um im eigenen Verein etwas zu überdenken, und auch der Austausch mit den anderen Teilnehmern gefällt ihm. Dass die Termine zeitlich überschaubar, unkompliziert und kostenlos sind, erleichtere es, sich neben Beruf, Erziehung und Vereinsarbeit weiterzubilden.
Mädchen und Frauen sind in Meuselwitz tatsächlich ein Thema. Im Mai gewannen vier Schülerinnen des Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasiums erstmals den deutschen Schulschachtitel, nach sieben Runden gegen 18 Mannschaften und mit sechs Siegen. Große leitet das Schachprogramm an der Schule. Im August startete der Schachverein zudem eine eigene Mädchengruppe für Sechs- bis Vierzehnjährige, die sich dienstags ab 16 Uhr trifft. Anmeldungen laufen über Große.
Eine 20-Jährige und die Frauenfrage
Am Mittwoch, 4. November, um 19 Uhr steht darum genau ein Thema auf dem Programm, das ihn betrifft: Wieso spielen eigentlich so wenige Frauen Schach? Referentin ist Sara Marinovic aus Österreich, erst 20 Jahre alt. Sie ist Vorsitzende der Kommission für Frauenschach im Österreichischen Schachbund, dort Genderbeauftragte und Mitglied der Jugendschachkommission. Sie spielt seit ihrem zwölften Lebensjahr und wurde dreimal Österreichische Jugendmeisterin der U18. Beim Mädchen- und Frauenschachprojekt von DSB und Deutscher Schachjugend, dessen Ergebnisse im Sommer beim Schachgipfel vorgestellt wurden, wirkte sie mit.
Marinovic wollte weg von Bauchgefühl und Hörensagen. In ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit „Frauen und Mädchen im Schachsport – eine Genderanalyse“, die der Österreichische Schachbund auszeichnete, wertete sie eine Umfrage mit 423 Teilnehmern aus 26 Ländern aus, rund 100 davon aus Deutschland. In Österreich liegt der Frauenanteil bei acht Prozent, im DSB bei zehn Prozent. Der Vortrag soll klären, ob Frauen anders Schach spielen als Männer, und von der Geschichte des Sexismus im Schach über psychologische Phänomene bis zu biologischen Ursachen reichen. Manche Ergebnisse seien ziemlich überraschend, kündigt Marinovic an. Gemeldet sind bereits 130 Personen.
Die Reihe geht danach weiter. Am Donnerstag, 10. Dezember, spricht Nadja Jussupow, Referentin für Frauenschach im DSB, über Frauenschach in Deutschland. Am Montag, 11. Januar 2027, folgt Gert Schulz, Referent für Inklusion. Am Mittwoch, 17. Februar, geht es mit Marco Prillwitz um Ausdauersport, am Mittwoch, 10. März, mit der Großmeisterin und Psychologin Melanie Lubbe um mentale Stärke.
