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OIBM: Fünfzig ohne Punktverlust

In der zweiten Runde der 29. OIBM in Gmund am Tegernsee gewannen Frederik Svane und Alexander Donchenko, während Jaime Santos Latasa und Peter Acs gegen deutlich schwächer gewertete Gegner remis spielten. 50 Spieler haben die volle Punktzahl, angeführt von vier Spielern unter 2200 Elo.

1. November 20265 Minuten LesezeitMatt am Montag

Der zweite Spieltag am Tegernsee begann für einige Favoriten mit einem Spaziergang, und zwar mit einem ungeplanten. Frederik Svane, Alexander Donchenko, Nijat Abasov und einige andere waren mit dem Bus zum Gut Kaltenbrunn gefahren, hatten aber alle den Halteknopf verpasst. Sie fuhren eine Haltestelle zu weit, mussten zurücklaufen und begannen ihre Partien am Sonntag, 1. November, mit sieben Minuten weniger auf der Uhr.

Frederik nahm es locker. Selbst schuld, meinte er.Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor

Den Rückstand steckte Svane weg. Nach zwei Runden der 29. Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft (OIBM) haben 50 der 548 Teilnehmern die volle Punktzahl, darunter die gesetzten Svane, Donchenko, Abasov, Amar, Kazakouski, Piorun und Gopal. Von den zehn bestgesetzten Spielern gewannen acht auch ihre zweite Partie. Nur Jaime Santos Latasa und Peter Acs mussten sich gegen deutlich schwächer gewertete Gegner mit einem Remis begnügen. Leonardo Costa hatte seinen halben Punkt schon am Samstag gegen den 15-jährigen Nicola Salsa abgegeben, gewann am Sonntag gegen Anirudh R und liegt bei 1½ Punkten.

Ein Bauernsturm gegen den König

Am ersten Brett saß Svane (Elo 2662) der Nationalspielerin Kateryna Dolzhykova (2278) gegenüber. Sie wurde 1988 in Kiew geboren, war 2011 ukrainische Meisterin, spielt seit 2023 für Deutschland und gewann im selben Jahr die Deutsche Frauenmeisterschaft. Svane wählte das London-System, und Schwarz antwortete mit einem Aufbau, der an Königsindisch erinnerte. Dolzhykova schob die Bauern auf breiter Front gegen den weißen König, während Svane am anderen Flügel Raum gewann.

Wie weit der schwarze Angriff gekommen war, zeigt die Stellung nach 19.dxc5. Die Bauern standen auf e4, f4 und g5, doch Weiß stand bereits auf Gewinn, und der Springer auf b6 war vom Bauern c5 angegriffen. Mit 19...f3 trieb Schwarz den Angriff noch einmal voran. Nach 20.gxf3 exf3 21.Lxf3 Lxf3 22.cxb6 hatte Weiß allerdings einen Springer gewonnen, und der Angriff war verpufft.

Svane – Dolzhykova, Runde 2Schwarz am Zug: 19...f3 (besser war 19...S6d7). Weiß steht mit +2,3 auf Gewinn, nach 19...f3 mit +4,0

Schwarz machte mit 22...g4 weiter, aber nach 23.bxc7 Dc8 24.Ta4 Sc6 25.Sxf3 gxf3 26.Th4 Df5 holte sich Weiß mit 27.Dxc6 auch noch den Springer auf c6. Dolzhykova gab die Partie auf.

Svane – Dolzhykova, Runde 2Schwarz am Zug: 22...g4. Weiß steht mit +5,7 auf Gewinn, nach 27.Dxc6 mit +8,9

Donchenko überstand gegen den 2013 geborenen FM Darshan G eine wilde Zeitnot und gewann ebenso wie Abasov, der sich im einzigen Vereinsduell des Tages gegen seinen Klubkollegen vom FC Bayern München, Richard Litzka, durchsetzte. Elham Amar, Nummer fünf der Setzliste, besiegte FM Gunter Sandner in der Rossolimo-Variante des Sizilianers mit einem Finale, das mit 26.Se4 begann. Mit den Schlägen auf g6 und f6 riss Weiß die schwarze Königsstellung auf, und nach 30.Tg8+ stand das Matt unmittelbar bevor.

Amar – Sandner, Runde 2Weiß am Zug: 26.Se4. Weiß steht mit +6,2 auf Gewinn; nach 28.Sxf6+ hat er Matt in vier

Vier Namen vor den Großmeistern

Die Tabelle nach Feinwertung führen vier Spieler an, deren Elo-Zahlen zwischen 2007 und 2181 liegen: Gerald Loew, Felix Brychcy, Ingo Meirick und Friedrich Grunert. Loew, 63 Jahre alt, FM aus Bindlach und Stammgast, bezwang in 24 Zügen den 40 Jahre jüngeren FM Oliver Stork (2409). Brychcy, der schon 2001 mitspielte, schlug nach dem Sieg über Serdar Murat Yildiz am Samstag nun FM Tamas Gunes Ongut. Meirick besiegte Daksh Jagesia (2323), und der 22-jährige Grunert bezwang IM Arno Zude (2291). In der dritten Runde bekommen es alle vier mit Titelträgern zu tun: Loew mit IM Sohum Lohia, Meirick mit IM Klaudia Kulon, Brychcy mit IM Yevhenii Yelisieiev und Grunert mit FM Neil Albrecht.

Bei den Favoriten bremsten zwei Remis die Spitzengruppe. Santos Latasa, Sieger der OIBM 2021, teilte den Punkt mit dem 20-jährigen Mainzer FM Cedric Chassard (2276), der als Nummer 68 der Setzliste gestartet war. Peter Acs, Juniorenweltmeister von 2001, kam gegen den 67-jährigen IM Christian Maier nicht über ein Remis hinaus. Maier, Jahrgang 1959, spielte schon Anfang der 1980er-Jahre in der Bundesliga und besiegte 1987 bei der Deutschen Meisterschaft Vlastimil Hort. Unter den 50 mit voller Punktzahl sind zwei Frauen, IM Klaudia Kulon und Zuzanna Sobczak vom SC Garching. Der elfjährige Vitus Kinateder vom SK Gräfelfing hielt mit Elo 1561 den fast 400 Punkte stärkeren Bernhard Lenz remis.

Eine Fußnote zu Runde 1: Julian und Hans Wagner, die gegen Svane und Donchenko verloren, teilen den Nachnamen mit Dennis und Dinara Wagner, die in Gmund allerdings nicht am Start sind. Der dritte Wagner im Feld, Lukas, verlor am Sonntag gegen den U14-Spieler Felix Bach.

Hörgeräte melden statt verbieten

Neben den Ergebnissen sorgte eine Regel für Aufmerksamkeit. Gut ein Drittel des Feldes, nämlich 185 der 548 Teilnehmern, startet in der Seniorenwertung, und wo viele Ältere am Brett sitzen, sind Hörgeräte keine Seltenheit. Im Schach stehen sie unter Verdacht, seit sie sich per Bluetooth mit einem Telefon koppeln lassen und theoretisch Computerzüge zuflüstern könnten.

Im Oktober war die Debatte neu aufgeflammt. Olaf Hoyer, seit seiner Geburt nahezu taub, musste im Mai 2024 bei der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft in Travemünde seine Hörgeräte abnehmen und hörte danach weder Remisangebote noch Durchsagen der Turnierleitung. Nach dem Bericht des Deutschen Schachbunds steuert die Schiedsrichterkommission auf ein grundsätzliches Verbot zu, Inklusionsreferent Gert Schulz will das verhindern. Der Schachbund erklärt auf Anfrage, es gehe um eine grundsätzliche Linie, nicht um ein ausnahmsloses Verbot.

Am Tegernsee haben die Schiedsrichter nun eine Antwort gegeben, die ohne Verbot auskommt. Wer ein Hörgerät trägt, meldet sich einmal bei den Schiedsrichtern. Andere medizinische Geräte, etwa zur Blutzuckermessung, sind nur mit Attest erlaubt. Wer sich nicht meldet, steht unter verschärfter Beobachtung, und bei Auffälligkeiten reicht die Palette der Sanktionen von der Verwarnung bis zum Partieverlust.

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie.Gerhard Bertagnolli, Hauptschiedsrichter

Bertagnolli hält die Regelung für einen vernünftigen Kompromiss zwischen Fair Play und den Bedürfnissen der meist älteren Betroffenen. Die Idee stamme von Ralph Alt, dem langjährigen Hauptschiedsrichter der OIBM, der in diesem Jahr wegen Kniebeschwerden fehlt. Mit fremden Federn wolle er sich nicht schmücken.

Runde 3: Jin und Mamatov gegen die Nummer 1 und 3

An Brett 1 spielt Svane mit Schwarz gegen den chinesischen IM Yueheng Jin (2355), an Brett 2 Donchenko ebenfalls mit Schwarz gegen den kirgisischen FM Melis Mamatov (2345). Abasov trifft an Brett 3 mit Weiß auf FM Martin Forchert (2332), Amar spielt mit Schwarz gegen IM Dieter Morawietz. Santos Latasa, Costa und Acs sitzen an den Brettern 31 bis 33 und haben jeweils 1½ Punkte.

Die dritte Runde beginnt am Montag, 2. November, um 16 Uhr. Die Partien der Spitzenbretter laufen mit 15 Minuten Verzögerung auf der Live-Seite der OIBM, die Übertragungen bei Chess.com, Lichess und ChessBase einbindet.

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