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Eugenio Torre wird 75

Eugenio Torre kam am 4. November 1951 in Iloilo City zur Welt und wurde 1974 der erste Großmeister Asiens. Er spielte 23 Schacholympiaden, besiegte 1976 den Weltmeister Karpow und war mit Bobby Fischer eng befreundet.

4. November 20264 Minuten LesezeitMatt am Mittwoch

Die ersten Schachfiguren der Familie Torre in Iloilo City waren Marke Eigenbau. Die Kinder bastelten sie aus Lederresten, die ein Schuhmacher übrig hatte. Eugenio, das siebte von zehn Kindern, lernte das Spiel mit fünf oder sechs Jahren von seinem Vater, einem Rechtsanwalt. Schon der Großvater war ein begeisterter Spieler gewesen. Auch die älteren Brüder wurden stark, aber der Jüngere übertraf sie alle. Am 4. November 2026 wird er 75.

Ein Autodidakt aus Iloilo

1958 zog die Familie in den Großraum Manila. Mit neun Jahren spielte Torre bei Juniorenturnieren mit, bei denen die anderen meist viel älter waren, mit 16 war er philippinischer Jugendmeister. Einen Trainer hatte er nie. Er lernte aus ein paar Lehrbüchern und spielte Partien aus dem Schachinformator nach, weil Schachbücher schwer zu bekommen waren. 1969 gewann er bei der Juniorenweltmeisterschaft in Stockholm das B-Finale, 1971 wurde er Vierter. 1970 wurde er erstmals Landesmeister und spielte in Siegen seine erste Olympiade.

1972 gewann er die asiatische Zonenmeisterschaft und wurde Internationaler Meister. Im September trat er gegen Rodolfo Tan Cardoso an, um zu klären, wer in Skopje am ersten Brett der Olympiamannschaft sitzt. Nach fünf Partien stand es 3½:1½ für Torre, mit zwei Siegen und drei Remis, die sechste Partie fiel aus. 1972 und 1973 lebte er in Madrid, weil die Wege zu den Turnieren in Europa dort kürzer waren. Förderer, unter ihnen der spätere FIDE-Präsident Florencio Campomanes, zahlten ihm 250 US-Dollar im Monat. Nach der Olympiade 1974 in Nizza bekam er den Großmeistertitel, als erster Spieler Asiens.

Karpow verliert in Manila

Im Sommer 1976 kamen Karpow, Ljubojević und Browne nach Manila, um mit Torre ein Vierer-Turnier mit Hin- und Rückrunde zu spielen. Torre gewann es mit 4½ Punkten vor Karpow mit 3. Seit Karpow Weltmeister war, hatte noch niemand in einem Turnier vor ihm gelegen. Die Partie der zweiten Runde ging als Karpow – Torre in die philippinische Schachgeschichte ein: ein Sizilianer mit Richter-Rauzer-Angriff, in dem Torre mit Schwarz gewann.

Nach 22.Kb1 Lxd3 23.cxd3 stellte Torre mit 23...Dd4 die Dame in die Brettmitte, und Schwarz stand besser. Nach 24.Dd1 a5 25.Sh2 gab er mit 25...g4 einen Bauern her. Auf 26.Sxg4 griff er mit 26...Lg5 den Turm auf d2 an. Nach 48 Zügen gab Karpow auf.

Karpow – Torre, Manila 1976Schwarz am Zug: 23...Dd4. Die Dame geht in die Mitte, mit 25...g4 opfert Torre einen Bauern für das Läuferspiel

Als erster Asiate unter den Kandidaten

Auf der Weltmeisterschaftsleiter kam Torre weit. Beim Interzonenturnier in Toluca 1982 teilte er mit Lajos Portisch den ersten Platz und stand als erster Spieler Asiens bei den Kandidatenwettkämpfen. Dort schied er im Viertelfinale gegen Zoltán Ribli aus. Beim nächsten Interzonenturnier 1985 teilte er den vierten bis sechsten Platz, verlor aber das Stechen mit Nigel Short und John van der Wiel. 1984 gewann er beim Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt sein Match gegen Andrej Sokolow mit 2:1. Seine höchste Elo-Zahl erreichte er im Januar 1983 mit 2580, heute steht er bei 2423.

Dreiundzwanzig Olympiaden

Von 1970 bis 2016 gehörte Torre zum philippinischen Aufgebot, nur 2008 in Dresden fehlte er. 2010 zog er mit Portisch gleich, 2012 ging er an ihm vorbei. In 270 Partien holte er 165 Punkte, mit 103 Siegen, 124 Remis und 43 Niederlagen. Einzelbronze gab es 1980 in Valletta und 1986 in Dubai, jeweils am ersten Brett, und 2016 in Baku am dritten. In Baku war er 65, spielte alle elf Partien, gewann neun und remisierte zwei. Seine Elo-Zahl stieg dabei von 2447 auf 2494. 1988 führte er die Mannschaft in Thessaloniki als Kapitän auf Platz 7, das beste Ergebnis der Philippinen bis dahin.

Fischer in Manila und Baguio

Kennengelernt hatten sich Torre und Fischer 1970 bei der Olympiade in Siegen. Nach dem Weltmeistertitel 1972 zog sich Fischer aus der Öffentlichkeit zurück und hielt sich eine Zeit lang auf den Philippinen versteckt. Dabei entstand die enge Freundschaft. Fischer vertraute nur wenigen Spielern, Torre gehörte dazu. Bei der Revanche gegen Spasski 1992 war Torre sein Sekundant und spielte vorher einige Trainingspartien gegen ihn. Anfang der 2000er lebte Fischer in Baguio City in derselben Wohnanlage wie Torre, und später führte Torre im philippinischen Radio Interviews mit ihm.

Die philippinische Sportpresse wählte Torre 1974 und 1982 zum Sportler des Jahres und im Jahr 2000 zum Sportler des Jahrtausends. 2021 nahm ihn die World Chess Hall of Fame auf, als ersten männlichen Asiaten. 2017 gewann er die asiatische Seniorenmeisterschaft mit 9 aus 9. In Marikina City eröffnete er 2023 ein kleines Schachmuseum mit Erinnerungsstücken, Pokalen und Trophäen aus seiner 50-jährigen Laufbahn. Im selben Jahr wurde er philippinischer Nationaltrainer und begleitete die Mannschaft 2024 zur Olympiade nach Budapest.

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