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Rainer Albrecht, Kreuzberger Jugendmeister und Fernschach-IM, ist tot

Rainer Albrecht ist tot. Der Berliner starb am 2. November 2026 mit 74 Jahren nach einer Herzoperation. Er spielte über Jahrzehnte für den Schach-Club Kreuzberg, wurde Fernschach-IM und übersetzte Schachbücher, darunter Aljechins Turnierbuch von Nottingham 1936.

7. November 20262 Minuten LesezeitMatt am Samstag

Rainer Albrecht wurde am 4. Mai 1952 geboren und starb am 2. November 2026 im Alter von 74 Jahren nach einer Herzoperation in der Charité. Der Schach-Club Kreuzberg hat am 6. November einen Nachruf veröffentlicht, den Andreas Bachmann unterschrieben hat. Der Tod sei überraschend gekommen, auch wenn Albrecht in den letzten Wochen und Monaten nicht mehr die Vitalität früherer Jahre ausgestrahlt habe.

Von der Jugendgruppe in die erste Mannschaft

1971 wurde Albrecht Berliner Jugendmeister und schloss sich danach dem Schach-Club Kreuzberg an. Dort gehörte er zur legendären Jugendgruppe unter Horst Metzing. Bald spielte er in der ersten Mannschaft, unter anderem an der Seite von Ludek Pachman, und kam über die Jahre in der 1. und 2. Bundesliga sowie in Ober- und Regionalliga zum Einsatz.

Auch im Blitzen war er erfolgreich: Berliner Jugendmeister, später zweimal Berliner Vize-Blitzmeister der Herren. 2003 gewann er im fortgeschrittenen Alter noch den Berliner Pokal. Seine höchste Elozahl war 2285. Neben Wolfgang Uhlmann war er im Verein der Experte für die Französische Verteidigung. Zu seinen überragenden Eröffnungskenntnissen kam, was Bachmann als sein Markenzeichen beschreibt:

sein besonderes Gefühl für den natürlichen ZugAndreas Bachmann, Nachruf des SC Kreuzberg

Taxifahrer, Reisender, Übersetzer

Albrecht hatte sein Lehramtsstudium für Englisch und Erdkunde abgeschlossen, übte den Beruf aber nie aus. Er zog das ungebundene Leben eines Taxifahrers vor. Mit Freunden reiste er zum Schach nach England, Frankreich, Holland, Ungarn, Prag, Biel und Lugano. In den 70er und 80er Jahren berichtete er davon regelmäßig in der Vereinszeitschrift Kreuzqualle. Er sei ein wortgewandter Autor und guter Kommentator gewesen, dessen Texte sich durch seinen Wortwitz leicht und locker lasen.

Außerdem übersetzte er Schachbücher aus dem Englischen. Dazu gehören das Turnierbuch von Nottingham 1936 von Aljechin, die zweite Auflage von Schach für Tiger und einige Bücher aus dem de Gruyter Verlag.

Fernschach mit Safer Sacs Berlin

Später verlegte sich Albrecht auf das Fernschach. Noch in der Zeit vor den Computern wurde er Internationaler Meister im Fernschach. Mit der Kreuzberger Mannschaft gewann er die Deutsche Meisterschaft und den Pokal. Danach holte er zusammen mit Arno Nickel, Heinrich Burger und Ralf Axel Simon auch die Fernschach-Champions-Meisterschaft. Die Mannschaft hieß Safer Sacs Berlin.

Die gemeinsamen Analyseabende der vier im Vereinsheim sind im Club legendär: Eine kleine Gruppe saß, mit ein oder zwei Gästen, in irgendeiner Ecke und analysierte hochkonzentriert.

Abseits des Bretts war Albrecht für Skat, Doppelkopf oder Escalero jederzeit zu haben. Er spielte Fußball im Tiergarten und später in einer Halle, die er selbst organisierte. Dort frönte er auch seiner noch größeren sportlichen Leidenschaft, dem Tischtennis. Bachmann beschreibt ihn als ruhig und ausgleichend, mit trockenem Humor. Mit einigen seiner 68er-Ansichten sei er ein wenig aus der Zeit gefallen, was ihn nur umso liebenswerter gemacht habe. Vor allem aber habe man sich immer auf ihn verlassen können.

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