Der Bullet-Opa nimmt Dubov den Bonus
Ein Unternehmer aus Arizona, eine Minute Bedenkzeit und ein Supergroßmeister, der jede Partie gewinnen musste: Josh Smith, im Netz als „Bullet Grandpa“ bekannt, schaffte es in Partie 28, Daniil Dubov einen Punkt abzunehmen. Dubov siegte 99:1, der Bonus ist trotzdem weg.
In Partie 28 stellte Josh Smith seine Dame ein. Daniil Dubov sah es nicht und stellte im Gegenzug einen Läufer ein. Smith war danach im Vorteil und brachte die Partie in der Zeitnot nach Hause. Er rief, Dubov sei auch nur ein Mensch und blute wie jeder andere. Das 100:0 war damit vom Tisch, und die 10.000 Dollar Bonus für Dubov gleich mit.
Hundert Partien, eine Minute, ein Bonus
Das „100-0 Project“ haben Smith und der Podcaster Greg Mustreader ausgedacht. Smith ist 49 Jahre alt, Unternehmer aus Arizona, hat eine US-Chess-Wertung in den 1800ern und schätzt, in 30 Jahren mehr als 250.000 Bullet-Partien gespielt zu haben. Dubov ist ehemaliger Weltmeister im Schnellschach und gehört in der Blitzwertung zu den fünf Besten der Welt. Gespielt wurde am 7. November auf Chess.com, 100 Partien mit einer Minute pro Spieler und ohne Zeitzuschlag.
Über Vorgaben bei der Bedenkzeit hatten die beiden gesprochen. Smith wollte aber gleiche Steine und gleiche Zeit für beide, den Ausgleich lieferte die Gewinnbedingung: 10.000 Dollar waren Dubov garantiert, weitere 10.000 gab es nur bei einem perfekten 100:0. Ein einziges Remis hätte den Bonus gekostet, auch ein 99,5:0,5.
Dubov sah die Sache nüchtern. Mit Mausrutschern und Verbindungsproblemen gebe es genug Wege für Smith, dem Sweep zu entgehen, und er brauche nur einen halben Punkt. Smiths Spielstärke schätzte er auf das Niveau eines Kandidatenmeisters, räumte aber ein, dass der Gegner weit mehr Bullet-Partien gespielt habe als er selbst.
Es braucht viel Talent, 100 Partien in Folge zu verlierenDaniil Dubov · übersetzt nach Chess.com
Smith gab sich vor dem Match keine großen Hoffnungen. Er wolle solide Stellungen bauen, schnell entscheiden und Dubov Sekunden kosten, eine Art Bunker, in den sich innerhalb einer Minute schwer einbrechen lässt, dazu Patt-Tricks und Zeitgewinn auch bei Materialnachteil. Gegen seinen Trainer, den Großmeister Kayden Troff, stand seine Bilanz auf Chess.com bei sechs Siegen, drei Remis und 151 Niederlagen. Zur Vorbereitung spielte er im September und Oktober 50-Partien-Matches gegen Streamer und Meister und wurde in keinem davon abgeräumt, auch nicht von den Großmeistern Arturs Neiksans und Vasif Durarbayli.
Vielleicht kann ein Opa einen Großmeister schlagenJosh Smith · übersetzt nach Chess.com
Siebenundzwanzig Partien nach Plan
Smith startete mit einer Bullet-Wertung von 2424 in das Match. Seinen Rekord von 2579 hatte er am 6. Oktober aufgestellt. Die ersten 27 Partien gehörten trotzdem Dubov. Er opferte, griff an und verwertete selbst zweifelhafte Eröffnungen in einer Minute mit Präzision. Partie 6 gewann er mit Schwarz in nur 16 Zügen. In Partie 14 gab es den ersten Mausrutscher, aber nicht bei Dubov, wie Smiths Trainer Troff in der Übertragung bemerkte. In Partie 24 überspielte Smith ihn kurz, verlor dann aber im Turmendspiel mit Läufern ungleicher Farbe die Kontrolle, und Dubov gewann mit einem Königszug zum Matt.
Nach jeweils 25 Partien gab es eine Pause. Drei Partien nach der ersten war der Sweep erledigt.
Ein Match ohne Druck, ein 99:1
Gespielt wurde trotzdem zu Ende. Dubov sagte danach, mit dem niedrigeren Einsatz habe er sich gelockert und sei vom 99:1 selbst überrascht gewesen, er habe mit 97:3 oder 95:5 gerechnet. In zwei, drei Partien habe er Glück gehabt, etwa wo er auf Zeit davonkam, statt sich mit Zügen zu retten. Einmal fehlte Smith nicht viel zu einem zweiten Sieg.
Smith zeigte sich beeindruckt. Gegen einen Spieler von Dubovs Kaliber habe er noch nie gespielt, ihm seien die Ideen und die Züge ausgegangen, und es habe sich hoffnungslos angefühlt. Man stelle einen solchen Gegner leicht auf einen Sockel und halte ihn für einen Roboter. Dubov winkte ab: Man müsse auf den Fehler warten, und der komme sicher, in etwa fünf Partien oder mehr bekomme man eine Chance.
Dazu gab Dubov einen Rat mit auf den Weg. Er hatte einige Trainingsmatches von Smith angesehen und bemerkt, dass dieser mit Weiß fast immer denselben Aufbau wählt, mit Springer auf f3, Läufern auf b2 und g2 und Bauern auf d4, b3 und g3, in jeder Zugfolge. Der Aufbau lasse sich bequem vorziehen, und Dubov rechnete jedes Mal mit einer guten Stellung. Beim nächsten Mal solle Smith ihn lieber geheim halten, Dubov hatte sich schon darauf vorbereitet, mit Schwarz dagegen zu bestehen.
Eine zweite Staffel steht schon fest. Danny Rensch hat Season 2 für die Zeit von Dezember 2026 bis März 2027 angekündigt, am Ende soll ein Match gegen Levon Aronian als letzten Gegner stehen.
