Gukesh sucht seine beste Form
Gukesh Dommaraju wurde 2024 mit 18 Jahren der jüngste unumstrittene Weltmeister der Geschichte. Seit etwa Mitte 2025 schwanken seine Ergebnisse, in der Weltrangliste steht er auf Platz 26. Gegen den ebenfalls jungen Javokhir Sindarov muss er in Genf zeigen, dass er seine Form wiederfindet.
Gukesh Dommaraju kam am 29. Mai 2006 in Chennai zur Welt, in der Stadt von Viswanathan Anand. Die Regeln lernte er mit sieben Jahren, 2015 gewann er die Asiatischen Schulmeisterschaften und verließ danach bald die Schule, um nur noch Schach zu spielen. Er trainierte viel mit eigenem Denken und versuchte Stellungen zu verstehen, statt sich auf Engines zu verlassen. 2017 wurde er Internationaler Meister, im Januar 2019 Großmeister, mit 12 Jahren, 7 Monaten und 17 Tagen der zweitjüngste der Geschichte.
Vom Kandidatensieger zum Weltmeister
Bei der Olympiade 2022 in Chennai spielte er für Indiens zweite Mannschaft, die Bronze holte. Am ersten Brett kam er auf 9 Punkte aus 11 Partien und gewann die Einzelwertung. Danach ging es rasch weiter: Als jüngster Spieler überhaupt überschritt er 2750 Elo-Punkte, und im April 2024 gewann er als jüngster überhaupt das Kandidatenturnier der acht Besten. Im September folgte bei der Olympiade in Budapest Indiens erstes Gold, mit 9 Punkten aus 10 Partien am ersten Brett und einer Turnierleistung von 3056.
In Singapur spielte er im November und Dezember 2024 gegen Titelträger Ding Liren. Die erste Partie verlor er mit Weiß, der Kampf blieb danach ausgeglichen. Alles lief auf die 14. und letzte Partie hinaus: Im Endspiel nutzte Gukesh einen Fehler seines Gegners und gewann den Kampf mit 7½:6½. Mit 18 Jahren war er der jüngste unumstrittene Weltmeister und nahm Garry Kasparov einen Rekord ab, den dieser mehr als vier Jahrzehnte gehalten hatte. Nach Anand war er der zweite indische Weltmeister.
Seit 2025 läuft es unrund
Yannick Pelletier, der den Text für die FIDE geschrieben hat, spricht von einem ersten größeren Plateau in Gukeshs Laufbahn. Seit etwa Mitte 2025 seien die Ergebnisse zunehmend schwankend, mit mehreren enttäuschenden Auftritten. In der Weltrangliste steht er auf Platz 26 mit 2710 Elo-Punkten. Das wirft für Pelletier Fragen nach Selbstvertrauen, Form und Belastbarkeit auf.
Gukesh selbst hatte nach dem Titelgewinn gesagt, die WM sei nicht das Ziel, sondern eine weitere Etappe, und er habe noch viel zu lernen, bevor er sich als Stärkster etablieren könne. Zuletzt soll er sich Zeit zum Nachdenken genommen haben, Anfang November besuchte er den Tirumala-Tempel in Andhra Pradesh. Seine Stärken sieht Pelletier unverändert in der Vielseitigkeit bei der Eröffnungswahl, der Rechenstärke, der Standfestigkeit unter Druck und einem furchtlosen Umgang mit komplizierten Stellungen.
Ein Herausforderer mit Schwung
Javokhir Sindarov aus Usbekistan hat in den vergangenen zwölf Monaten einen steilen Aufstieg hinter sich. Er gewann 2025 den Weltpokal und dominierte im April 2026 das Kandidatenturnier, das ihm den Platz im Titelkampf brachte. Nach Pelletier gehen beide aus sehr unterschiedlichen Lagen in den Kampf: Sindarov will seine erste Chance auf den Titel nutzen, Gukesh muss beweisen, dass er seine Meisterform wiederfindet und dem besonderen Druck der Titelverteidigung standhält.
