Awatramani holt zweiten Crazyhouse-Titel
Der kanadische National Master Janak Awatramani hat das große Finale der Crazyhouse Championship von Chess.com gegen den paraguayischen Großmeister Guillermo Vazquez mit 3:0 gewonnen. Es ist sein zweiter Titel in dieser Variante nach 2024. Vazquez war der einzige Großmeister im Finalfeld.
Isaac Chiu hatte ein Matt in fünf auf dem Brett. Aber gegen die eine Sekunde, die Guillermo Vazquez noch auf der Uhr stand, reichten ihm 0,9 Sekunden nicht für einen einzigen Zug. Es war die zweite Führung von Vazquez in diesem Match der Verliererrunde. Beide Male schlug Chiu zurück, und erst eine Bullet-Partie entschied. Vazquez gewann sie und stand damit im großen Finale gegen Janak Awatramani.
Das war am Freitag, 6. November, schnell erzählt. In der ersten Partie fegte Awatramani seinen Gegner nach 19 Zügen vom Brett. In der zweiten stand er fast die ganze Zeit besser und setzte am Ende in vier Zügen matt. In der dritten, die Vazquez gewinnen musste, schlug die Stellung mehrmals um, doch Awatramani hatte meist die Vorteile auf seiner Seite und führte sie sauber zu Ende. Material auf dem Brett kann in Crazyhouse ziemlich täuschen, und diese Partie war dafür ein gutes Beispiel. Awatramani bekam 750 Dollar Siegprämie.
Schach mit Nachschub
Bei Crazyhouse wandert eine geschlagene Figur in den Vorrat des Schlagenden. Der darf sie in einem späteren Zug, statt eine andere Figur zu ziehen, auf ein freies Feld setzen, auch mit Schach oder Matt. Nur Bauern dürfen nicht auf die erste und achte Reihe. Wer die Initiative hat, füttert seinen Angriff selbst mit neuen Figuren, Endspiele gibt es kaum, und Remis sind selten. Kommentator Yasser Seirawan nennt die Variante „Bughouse for one player“. Bughouse wird zu viert an zwei Brettern gespielt, und geschlagene Figuren gehen an den Partner. Beim Crazyhouse setzt man sie selbst wieder ein.
Das passt zu Awatramanis Lauf. Die beiden letzten Bughouse-Meisterschaften von Chess.com gewann er zusammen mit Chiu, zuletzt im August gegen die Großmeister Jeffery Xiong und Awonder Liang. Chiu war in der Crazyhouse-Variante der Titelverteidiger, er hatte 2025 im Finale IM Mark Plotkin geschlagen. Diesmal verlor Chiu das Gewinnerfinale gegen seinen Bughouse-Partner mit 1:3. Im Bughouse-Turnier hatte Vazquez übrigens mit FM Roee Aroesti als Partner gespielt.
Acht Arenen und ein Ersatzmann
Am Donnerstag, 5. November, liefen acht Qualifikationsarenen, jede 75 Minuten lang bei 3+0 Bedenkzeit. Der Sieger jeder Arena kam ins Finale am Freitag. Das beste Ergebnis holte IM Mark Plotkin mit 123 Punkten, er hatte zwischendurch 19 Partien in Folge gewonnen. Am wenigsten Punkte hatte mit 60 Justin Tan, aber seine Qualifikation wurde besonders begrüßt: „JannLee“ ist eine Crazyhouse-Legende, hat frühere Chess.com-Meisterschaften gewonnen und gilt vielen als erster Weltmeister der Variante.
Nicht durch kam GM Jeffery Xiong, der in der ersten Arena hinter Chiu Zweiter wurde. Auch Seirawan schaffte es nicht, er wurde zweimal Fünfter und kommentierte deshalb das Finale zusammen mit GM Benjamin Bok. GM Awonder Liang, Sieger der vorherigen Seirawan Chess Championship, gewann die vierte Arena, konnte im Finale aber nicht spielen. Sein Platz wäre an den Zweiten Vazquez gegangen. Da der Paraguayer aber die nächste Arena gewann, rückte der Drittplatzierte Brendan Cater nach.
Durch den Doppel-K.-o.-Baum
Das Finalturnier war eine Doppel-K.-o.-Runde mit acht Spielern, die Matches gingen über vier Partien bei 3+0, bei 2:2 entschied eine Bullet-Partie. Im Viertelfinale führte Tan gegen Chiu schon 2:0. Der Titelverteidiger glich aus, in der vierten Partie mit viel Zeit auf der Uhr und einem Matt, nachdem ein Bauer auf h2 gesetzt worden war. Dagegen gab es nur eine gute Antwort, und Tan fand sie nicht. Die Bullet-Partie gewann Chiu klar. Tan schlug danach Cater mit 3:0 und scheiterte erst an Aroesti, mit 2:3. Dort hatte er in der entscheidenden Partie bei unter zwei Sekunden ein Matt in zwei auf dem Brett und ging doch am Ziel vorbei.
Aroesti gab dem späteren Sieger auch das härteste Match. Im Halbfinale der Gewinnerseite verlor Awatramani die erste Partie aus gewonnener Stellung. Er hätte eine Figur auf f3 einsetzen müssen, um dem Gegner dasselbe Feld zu nehmen, schlug stattdessen einen Turm auf c8, und danach kippte alles. Er gewann die nächsten beiden Partien, verlor wieder und holte sich die Bullet-Entscheidung mit Weiß. Das Gewinnerfinale gegen Chiu endete 3:1. Die auffälligste Partie des Matches gewann Chiu: Schwarz hatte vier Türme auf dem Brett, machte einen Fehler, und es folgte ein ersticktes Matt.
Das Preisgeld lag bei 2.500 Dollar. Die ersten drei bekamen zusätzlich einen 3D-gedruckten Crazyhouse-Satz von NM Sam Copeland, dem Leiter der Chess.com-Community, dessen Figuren beim Umdrehen die Farbe wechseln. Es war das elfte Event der Chess.com Community Championships 2026.
