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OIBM: Svane schlägt Gopal, neun an der Spitze

Bei der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft am Tegernsee liegen nach acht Runden neun Spieler mit 6½ Punkten vorn, fünf davon Deutsche. Frederik Svane, Alexander Donchenko und Leonardo Costa gewannen am Samstag jeweils gegen einen Inder, G.N. Gopal fiel hinter die Spitze zurück.

7. November 20265 Minuten LesezeitMatt am Sonntag

Nach seinem 24. Zug standen auf G.N. Gopals Uhr noch neun Minuten, und bis zur Zeitkontrolle fehlten ihm 16 Züge. Frederik Svane hatte da noch 39 Minuten. In der achten Runde der OIBM hatte der Inder mit Schwarz einen Najdorf-Sizilianer gewählt, und nach gut 20 Zügen stand die Partie ausgeglichen. Im 40. Zug gab Gopal auf, der nach der sechsten Runde noch allein geführt hatte. Mit 6 Punkten liegt er jetzt einen halben Punkt hinter der Spitze.

Der Turm wandert nach d7

Im 27. Zug zog Gopal den Turm von d8 nach d7. Weiß schlug mit 28.Sxd6 den Bauern auf d6, und der schwarze König kam nicht mehr zur Ruhe. Mit 27...Te8 wäre die Stellung noch zu halten gewesen, nach dem Turmzug stand Weiß auf Gewinn.

Svane – Gopal, Runde 8Schwarz am Zug: 27...Td7? Mit 27...Te8 war die Stellung noch zu halten, nach 28.Sxd6 steht Weiß auf Gewinn

Danach ging es für Svane nur noch ums Verwerten. Im 34. Zug kam 34.Df8+, auf 34...Kh7 folgte 35.Sxf6+ gxf6 36.Dxb4. Weiß hatte nun zwei Bauern mehr, einen gedeckten Freibauern auf d5 und den sichereren König, dazu mehr Bedenkzeit. Gopal spielte bis zur Zeitkontrolle weiter und gab dann auf.

Svane – Gopal, Runde 8Weiß am Zug: 34.Df8+. Nach 34...Kh7 35.Sxf6+ gxf6 36.Dxb4 hat Weiß zwei Bauern mehr und steht auf Gewinn

Svane war als Nummer eins der Setzliste angetreten und hat mit 6½ aus 8 wieder Anschluss an die Spitze. Krishnan Sasikiran, der gemeinsam mit Gopal geführt hatte, gewann nicht. Gegen Jaime Santos Latasa, den Zweiten der Setzliste und OIBM-Sieger von 2021, trieb er seinen Freibauern bis auf c7, doch Santos Latasa rettete sich mit Dauerschach. Remis nach 43 Zügen. Sasikiran hat trotzdem die beste Feinwertung der Spitzengruppe.

Drei Deutsche gegen drei Inder

Sechs Wochen nach der Olympiade hatte Deutschland gegen Indien noch eine Rechnung offen. In der neunten Runde im September verlor die Nationalmannschaft 1,5:2,5, in einem Wettkampf, der lange nach einem deutschen Sieg aussah. Svane ließ gegen Nihal Sarin einen klaren Vorteil liegen und kam nicht über ein Remis hinaus. Alexander Donchenko stand gegen Weltmeister Gukesh Dommaraju auf Gewinn und verlor die Partie. Am Samstag am Tegernsee saßen die beiden wieder Indern gegenüber, und diesmal blieb nichts liegen.

Donchenko, Nummer drei der Setzliste und von der OSG Baden-Baden, schlug mit Schwarz Suresh Harsh. Er machte früh klar, dass ihm ein Remis nicht reicht, opferte am Damenflügel einen Bauern und warf seine Kräfte gegen den weißen König. Harsh baute eine Auffangstellung auf, bevor er sie brauchte, und die Bedenkzeit schmolz. Nach 44 Zügen war die Partie vorbei.

Leonardo Costa, der amtierende Deutsche Meister und Nummer sechs der Setzliste, hatte gegen den IM Srihari L aus Puducherry mit Schwarz zunächst eine unerfreuliche Bauernstruktur mit einem vereinzelten Doppelbauern auf der c-Linie, dafür aber das Läuferpaar. Er spielte dynamisch, der weiße König geriet in die Klemme, und im Endspiel lief sein Freibauer bis auf die zweite Reihe. Turnierdirektor Sebastian Siebrecht sah darin eine sehr instruktive Gewinnführung. Nach 62 Zügen hatte Costa gewonnen. Sriharis Name hatte am Freitag kurz für Verwirrung gesorgt: Siebrecht entdeckte beim online gespielten Freestyle Friday einen Srihari L in der Teilnehmerliste und wunderte sich, wie der zugleich am Tegernsee sitzen konnte. Es gibt zwei, einen Großmeister aus Chennai und den IM aus Puducherry.

Zwei weitere Deutsche mit 6½

Adrian Gschnitzer vom SV Walldorf, an 22 gesetzt, schlug mit Schwarz im Drachen den Polen Kacper Piorun, der zunächst gute Angriffschancen hatte. Dann griff Piorun nach einem Bauern, verlor danach Material und gab nach 39 Zügen auf. Roven Vogel, Nummer 15 der Setzliste, Weltmeister der U16 von 2015 und für den USV TU Dresden am Brett, gewann gegen Ashot Parvanyan nach 31 Zügen. Der 26-jährige Gschnitzer ist kein Profi, aber Schach prägt sein Leben: Sein Vater Oswald ist IM, der Sohn auch. Für eine GM-Norm reicht es trotz des Laufs nicht, der Gegnerschnitt war bisher zu niedrig.

In der letzten Runde bräuchte er einen Gegner mit 2950 Elo. Und so einen haben wir gerade nicht zur Hand.Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor, augenzwinkernd über Gschnitzers Normchancen

Besou hat noch anderthalb Minuten

Im Duell zweier deutscher Nationalspieler spielte IM Hussain Besou mit Schwarz gegen WGM Kateryna Dolzhykova vom SV Oberursel. Vor dem 40. Zug stand Schwarz auf Gewinn, aber Besou hatte nur noch anderthalb Minuten auf der Uhr. Er zog 40...Tf8, Dolzhykova schlug mit 41.Txe6 den Springer, und die Partie war gekippt. Mit 40...Sg7 wäre der Vorteil geblieben.

Dolzhykova – Besou, Runde 8Schwarz am Zug: 40...Tf8? Mit 40...Sg7 blieb der Gewinn in der Hand, nach 41.Txe6 ist der Springer weg

Dolzhykova gewann nach 44 Zügen und hat 6 Punkte. Allein führt sie die Frauenwertung nicht an: WFM Maria Tsakona vom Münchener SC gewann spät am Abend gegen Daksh Jagesia und zog gleich. Einen halben Punkt dahinter folgen IM Klaudia Kulon, WIM Guijue Zhou und WFM Svenja Butenandt. Butenandt, Physikstudentin an der TU München, schlug FM Oliver Stork und hat mindestens eine WIM-Norm sicher. Gewinnt sie in der Schlussrunde gegen GM Mathias Womacka, wäre es eine WGM-Norm.

Freitag: Sasikiran zieht an Gopal vorbei

Wie die Spitze zustande kam, entschied sich schon in der siebten Runde am Freitag, 6. November. An den ersten fünf Brettern endeten die Partien remis: Elham Amar gegen Gopal, Gschnitzer gegen Svane, Costa gegen Vogel, Parvanyan gegen Piorun und Emre Can gegen Evan Park. Sasikiran schlug an Brett 6 seinen Landsmann Rithvik Raja nach 61 Zügen und zog mit Gopal gleich, beide hatten 6 Punkte aus 7. Zugleich hatten die beiden den höchsten Gegnerschnitt des Feldes, 2413 und 2411. Donchenko schlug Moritz Weishäutel vom Erfurter SK nach 26 Zügen und kam auf 5½.

Gschnitzer hatte gegen Svane lange den besseren Stand. Im Endspiel schlug er mit Schach einen Bauern, und genau dieser Zug gab Svane die Chance, seine beiden Türme ins Spiel zu bringen. Svane hatte zwei Türme und drei Bauern gegen Turm, Läufer und fünf Bauern, gewann oder tauschte fast alle weißen Bauern und hielt nach 56 Zügen das Remis. Nach der Runde lagen 21 Spieler bei 5½.

Die Auslosung der Schlussrunde bringt deutsche Beteiligung an vier der ersten fünf Bretter. An Brett 1 trifft Eray Kilic, IM aus der Türkei, auf Svane, an Brett 2 spielen Donchenko und Vogel gegeneinander. Costa hat an Brett 3 FM Arun Daakshin als Gegner, den einzigen FM in der Spitzengruppe, Gschnitzer an Brett 4 Sasikiran. An Brett 5 spielt Gopal gegen den US-Amerikaner Evan Park.

Die neunte Runde beginnt am Sonntag, 8. November, um 10 Uhr deutscher Zeit, die Siegerehrung ist für 17 Uhr im Zelt auf Gut Kaltenbrunn angesetzt. Die Partien der Spitzenbretter überträgt Lichess mit 15 Minuten Verzögerung, dazu gibt es die Live-Seite der OIBM.

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