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Stanley Kubrick und das Schach im Park

Als junger Mann besserte Stanley Kubrick sein Einkommen auf, indem er im New Yorker Washington Square Park Schach um Vierteldollar spielte. Dort soll er den Produzenten James B. Harris getroffen haben, mit dem er 1955 eine Firma gründete und „The Killing“ drehte. Eine zweite Version der ersten Begegnung kommt ohne Schach aus.

7. November 20263 Minuten LesezeitMatt am Sonntag

Stanley Kubrick war noch kein Regisseur, als er im Washington Square Park in New York am Schachbrett saß und um Vierteldollar spielte. Das Geld kam gelegen: Er arbeitete damals als Fotograf für das Magazin Look, und das Schach brachte etwas dazu. Gespielt hat er im Park und in Schachclubs der Stadt. Das Spiel hatte ihm sein Vater beigebracht, da war Stanley zwölf. Später trat er dem amerikanischen Schachverband bei und sagte, Schach habe ihm Geduld und Disziplin beigebracht.

Dass er im Park um Geld spielte, erzählte er noch 1965 selbst. Jeremy Bernstein, der damals für den New Yorker über Arthur C. Clarke schrieb, besuchte ihn in seiner Wohnung an der Central Park West. Als Bernstein gehen wollte, weil er im Washington Square Park mit einem Schachhai um Geld verabredet war, wollte Kubrick den Namen wissen. Bernstein nannte Fred Duval. Kubricks Antwort:

Duval ist ein PatzerStanley Kubrick, nach Jeremy Bernstein · übersetzt nach Chess.com

Duval sei so schwach, erklärte Kubrick, dass es sich kaum lohne, gegen ihn zu spielen. Bernstein, der gegen Duval ungefähr ausgeglichen stand, fragte sich, was das dann über ihn selbst sagte.

Ein Produzent sucht Nachwuchs

Im selben Park traf Kubrick der Überlieferung nach den Produzenten James B. Harris. Harris hatte seine Filmvertriebsfirma verkauft und suchte einen neuen, jungen Regisseur. Von Kubrick war er schnell überzeugt:

Der intelligenteste, kreativste Mensch, mit dem ich je in Berührung gekommen binJames B. Harris über Kubrick · übersetzt nach Wikipedia

1955 gründeten die beiden die Harris-Kubrick Pictures Corporation. Harris kaufte für 10.000 Dollar die Rechte an Lionel Whites Roman „Clean Break“ und stach damit United Artists aus, die das Buch für Frank Sinatra wollten. Auf Kubricks Vorschlag schrieb der Kriminalautor Jim Thompson die Dialoge. United Artists wollte sich an der Finanzierung beteiligen, wenn ein bekannter Schauspieler die Hauptrolle übernahm. Sterling Hayden sagte für 40.000 Dollar zu, war den Geldgebern aber nicht groß genug, und so gab United Artists nur 200.000 Dollar. Den Rest schoss Harris vor, 80.000 Dollar aus eigener Tasche und 50.000 Dollar als Darlehen seines Vaters.

Der Film hieß am Ende „The Killing“, ein Überfall auf eine Pferderennbahn. Kubrick und Harris zogen dafür von New York nach Los Angeles. Es war Kubricks erster Langfilm mit professioneller Besetzung und Crew. An der Kinokasse lief er schlecht, weil er nie richtig in die Kinos kam und nur als Beiprogramm zu einem Western startete. Die Kritiker mochten ihn trotzdem, und Dore Schary von MGM bot den beiden 75.000 Dollar an, um einen weiteren Film zu schreiben, zu inszenieren und zu produzieren. Daraus wurde „Wege zum Ruhm“. Heute stehen bei Rotten Tomatoes 96 Prozent von 75 Kritiken auf der positiven Seite, und Quentin Tarantino sagte, „Reservoir Dogs“ sei sein „Killing“.

Eine zweite Version

Die Biografie von Harris auf Wikipedia erzählt die erste Begegnung anders, und von Schach steht dort nichts. Danach lernte Harris bei der Army Alexander Singer kennen, Kubricks früheren Mitschüler an der Taft High School. Singer erzählte von Kubrick und lud ihn zu einem Dreh in Harris' Manhattaner Wohnung ein, einem 15-minütigen Detektivfilm. 1954, nach seiner Entlassung, sprach Harris Kubrick vor dem Haus am Broadway 1600 wieder an. Kurz darauf schlug er ihm vor, gemeinsam Filme zu machen.

Schach im Film

Schach blieb in Kubricks Filmen. Für „The Killing“ besetzte er Kola Kwariani, einen früheren Berufsringer und alten Schachfreund, als alternden Ringer, der Schach spielt.

Berühmter ist die Szene in „2001: Odyssee im Weltraum“ von 1968. Der Astronaut Frank Poole spielt auf einem Bildschirm gegen den Bordcomputer HAL 9000. Die Stellungen und Züge stimmen mit dem Schluss einer echten Partie überein: Roesch gegen Willi Schlage, Hamburg 1910, abgedruckt 1955 in Irving Chernevs Sammlung kurzer Partien. Poole gibt auf, als HAL ein Mattbild ankündigt, dabei hätte er das Matt noch hinauszögern können. Arthur C. Clarke, der Autor der Vorlage, interessierte sich nicht für Schach. Kubrick drehte zunächst eine Szene mit Pentominos, entschied sich dann aber für Schach, weil es dem Publikum vertrauter sei.

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