Bundesliga vor dem Start: Alle jagen Viernheim
Am Freitag, 9. Oktober, startet die Schachbundesliga in ihre neue Saison, und zwar mit einem neuen Fahrplan: fünf Wochenenden statt sieben, immer drei Runden am Stück, das Finale zentral in Heimbach-Weis-Neuwied. Titelverteidiger ist der SC Viernheim, als Favorit gilt aber die OSG Baden-Baden, die sich zwei deutsche Nationalspieler geholt hat. Zwei Mannschaften aus der Spitzengruppe haben sich zurückgezogen.
Fünfzehn Kämpfe, fünfzehn Siege, 30:0 Punkte. So stand der SC Viernheim im Frühjahr in der Abschlusstabelle, sieben Punkte vor dem Rekordmeister aus Baden-Baden. Es war nach 2024 der zweite Titel für die Südhessen, dazwischen hatte sich 2025 der Düsseldorfer SK geschoben. Für Baden-Baden, 16 Mal Meister und zwischen 2006 und 2023 nur einmal von Solingen gestoppt, sind das drei Jahre ohne Titel. Ab Freitag wird wieder gezählt, und die Liga hat dafür einiges umgebaut.
Fünf Wochenenden statt sieben
Es bleibt bei 16 Mannschaften und acht Brettern, aber der Kalender schrumpft. Gespielt wird nur noch an fünf Wochenenden, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag. An den ersten vier Terminen treffen sich immer vier Mannschaften an einem Ort und spielen jeder gegen jeden, die alten Reisepartnerschaften gibt es nicht mehr. Die letzten drei Runden laufen vom 2. bis 4. April zentral in Heimbach-Weis-Neuwied. Die Liga begründet das mit den Terminüberschneidungen und langen Reisen, die viele Spitzenspieler bisher von ihren Vereinen ferngehalten haben.
Weniger Wochenenden bedeuten geringeren organisatorischen Aufwand, niedrigere Kosten und bessere Verfügbarkeit der Topspieler.Stefan Liebig, schachbundesliga.de
Die Vierergruppen sind bewusst gemischt. Kein Verein soll seine Stars aus Kostengründen zu Hause lassen, weil an einem Wochenende nur übermächtige oder nur schwache Gegner warten. Viernheim gegen Baden-Baden steht erst in der 14. Runde an, am Samstag der Endrunde.
Baden-Baden streicht drei Stars und bleibt Favorit
Die Liga selbst nennt Baden-Baden den Titelkandidaten Nummer eins, mit einer Bedingung: Die Mannschaft muss auch antreten. Vergangene Saison blieb zweimal ein Brett leer, gegen den FC Bayern kostete das einen Mannschaftspunkt, und die acht Topspieler kamen zusammen auf ganze 18 Partien. Die Konsequenz ist bemerkenswert. Alireza Firouzja, Anish Giri und Levon Aronian, alle drei ohne einen einzigen Einsatz, stehen nicht mehr im Kader, Richard Rapport ist zum FC St. Pauli gewechselt. Der Elo-Schnitt der ersten zehn liegt mit 2718,5 um 19 Punkte unter dem Vorjahr und ist immer noch der höchste der Liga.
Dafür kommen Leute, die spielen. Matthias Blübaum und Dmitrij Kollars saßen für Deizisau in 13 und 15 von 15 Runden am Brett und haben auch in Baden-Baden verlässliche Einsätze zugesagt. Gemeldet sind sie an Brett sieben und 13. Vincent Keymer steht an drei, hinter Fabiano Caruana und Javokhir Sindarov, Viswanathan Anand an vier, Alexander Donchenko an zwölf. Frederik und Rasmus Svane führen den Hamburger SK an den ersten beiden Brettern an.
Viernheim hält mit 2692,6 dagegen und hat fast alles beisammen gelassen. Nodirbek Abdusattorov bleibt am Spitzenbrett gemeldet, auch wenn er in der Meistersaison keine Partie gespielt hat, dahinter folgen Jan-Krzysztof Duda, Jorden van Foreest und Shakhriyar Mamedyarov. Für Yagiz Kaan Erdogmus kam Aydin Suleymanli. Der FC St. Pauli führt mit 2644,6 die Verfolger an, mit Magnus Carlsen an eins, der allerdings kaum oder gar nicht spielen dürfte. Der FC Bayern hat Nodirbek Yakubboev für das zweite Brett geholt und liegt jetzt bei 2610,3.
Zwei Rückzüge retten Berlin und München
Unten sieht die Tabelle anders aus, als sie sportlich aussehen müsste. Die Schachfreunde Wolfhagen wurden als Aufsteiger mit zehn Siegen Dritter und ziehen trotzdem zurück. Deizisau, seit 2017 in der Liga und einmal Vizemeister, geht als Fünfter. Deshalb bleiben die Schachfreunde Berlin und die Münchener Schachakademie Zugzwang drin, obwohl sie auf den Plätzen 14 und 15 gelandet waren. Abgestiegen ist nur der Letzte, der USV TU Dresden. Neu sind der SC Remagen Sinzig, der SV Erkenschwick und die Schachfreunde Bad Mergentheim. Es sind nicht die ersten Rückzüge der letzten Jahre, die Reihe reicht von Trier 2017 bis Kiel vor der Saison 2024/25, und für die Liga ist das eine schwierige Gemengelage.
Für Glanz sorgen zwei Neue. Werder Bremen hat Faustino Oro für Brett sechs gemeldet, den zweitjüngsten Großmeister der Geschichte. Aufsteiger Remagen Sinzig bietet am Spitzenbrett Vassily Ivanchuk auf. Und Bundestrainer Jan Gustafsson hat den Hamburger SK verlassen und spielt künftig Brett eins beim Zweitliga-Neuling SV Lübeck.
Der Meister beginnt gegen den Außenseiter
Am Freitag um 16 Uhr geht es an vier Orten los. Beim Ausrichter Zugzwang spielt der FC Bayern gegen den Hamburger SK und der Gastgeber gegen St. Pauli. Beim Aufsteiger Remagen Sinzig trifft Baden-Baden auf Solingen und der Gastgeber auf Deggendorf. Kirchweyhe empfängt Berlin, Düsseldorf spielt dort gegen Bad Mergentheim. Beim SC Heimbach-Weis-Neuwied beginnt Viernheim gegen Erkenschwick, die Mannschaft mit dem niedrigsten Schnitt der Liga, und Bremen gegen den Gastgeber. Am Sonntag folgt dort Viernheim gegen Bremen. Ob dann wirklich Oro am Brett sitzt, weiß vorher niemand: Die Aufstellungen sind schwer vorherzusagen.
