Frauenbundesliga: Ein Aufsteiger mischt die Spitze auf
Die Frauenbundesliga 2026/27 ist ohne ihren Meister gestartet, denn Schwäbisch Hall hat sich zurückgezogen. Nach dem Auftaktwochenende in Norderstedt, Dippoldiswalde und Bad Königshofen stehen die beiden Favoriten Baden-Baden und Bad Königshofen bei zwei Siegen. Zwischen ihnen sitzt in der Tabelle ein Aufsteiger aus Sachsen, bei dem die halbe Meldeliste Peglau heißt.
Sonntagvormittag in Dippoldiswalde, zweite Runde, zweites Brett. Hannah Kuckling vom FC Bayern München hat gegen Dora Peglau eine Qualität mehr, und ihre Gegnerin war schon im 27. Zug bei weniger als zwei Minuten Bedenkzeit angekommen. Dann zieht Weiß im 38. Zug die Dame nach d2, und plötzlich ist alles vorbei. Schwarz gibt mit 38...Lc5+ Schach, der König geht nach h1, und 39...Tf1 ist matt. Der Turm gibt Schach, und weil er die Diagonale freigemacht hat, gibt die Dame auf d5 gleich mit Schach. Gegen ein Doppelschach hilft nur ein Königszug, und den gibt es nicht mehr. Mit 38.Td2 hätte Weiß die Stellung wohl noch im Gleichgewicht gehalten.
Sieben von vierzehn heißen Peglau
Mit diesem Punkt gewann das SZ Seeblick Dippoldiswalde 4,5:1,5 gegen die Münchnerinnen, die genau wie die Gastgeberinnen gerade erst aufgestiegen sind. Schon am Samstag hatte der Neuling die Schachfreunde Deizisau mit 3,5:2,5 geschlagen. Auch da kam der entscheidende Punkt von Dora Peglau, die gegen Katarzyna Dwilewicz mit 36.Sf7+ die Qualität gewann und nach 37.Dxf7 die Aufgabe bekam. Ganze 38 Sekunden hatte sie da noch auf der Uhr. Zwei Partien, zwei Siege, beide in Zeitnot. Nervenschonend ist das nicht, aber es zählt.
Ihre Zwillingsschwester Charis führt die Mannschaft am ersten Brett an. Sie verlor am Samstag gegen die Nationalspielerin Hanna Marie Klek und hielt am Sonntag gegen Svenja Butenandt remis, die nach DWZ die Nummer eins der deutschen Juniorinnen ist. Im Kader der Dippoldiswalderinnen tragen sieben von vierzehn Spielerinnen den Namen Peglau. Dass der Aufsteiger nach zwei Runden Zweiter ist, gehört zu den beiden größten Überraschungen der Tabelle. Die andere steht weiter unten: Deizisau, in den vergangenen Jahren oft noch im Titelrennen, verlor auch gegen den dritten Aufsteiger Rotation Pankow mit 2,5:3,5 und hat null Punkte.
Der Meister fehlt, die Favoriten liefern
Wer sich fragt, wo eigentlich der Titelverteidiger bleibt: Den gibt es nicht mehr. Der SK Schwäbisch Hall, Meister 2017, 2023, 2024 und 2026, hat seine Mannschaft nach dem vierten Titel zurückgezogen. Für die neue Saison fanden sich nicht genug Sponsoren, um auf dem bisherigen Niveau zu spielen, und im Mittelfeld mitschwimmen wollte der Verein nicht. Davon profitiert der SV Hemer, der als Drittletzter eigentlich abgestiegen wäre und nun doch in der Liga bleibt. Abgestiegen sind der Chemnitzer SC Aufbau und der SC Kreuzberg.
Der Schachjournalist André Schulz erwartet deshalb einen Zweikampf um den Titel zwischen der OSG Baden-Baden, dem Zweiten der Vorsaison, und dem SC 1957 Bad Königshofen, dem Dritten. Dem Hamburger SK, zuletzt Vierter, traut er die Rolle des Spielverderbers zu. Baden-Baden wurde der Favoritenrolle am ersten Wochenende gerecht. In Norderstedt gab es ein 4:2 gegen den Hamburger SK und ein 5:1 gegen Gastgeber TuRa Harksheide, das macht neun von zwölf Brettpunkten und Platz eins.
Am Samstag saßen sich dabei Spielerinnen gegenüber, die eine Woche zuvor noch bei der Olympiade in Samarkand gespielt hatten. Ulviyya Fataliyeva gewann bei ihrem ersten Einsatz in der Liga gegen Monika Socko. Elisabeth Pähtz hatte Schwarz gegen Anna-Maja Kazarian, den Neuzugang der Hamburgerinnen aus den Niederlanden. Nach 22...e5 hing der weiße Läufer auf f4, und zugleich war dem Springer auf d6 die Deckung abgeschnitten. Schwarz gewann eine Leichtfigur und verwertete sie im Endspiel. Den Ehrenpunkt für Hamburg holte die Juniorin Lepu Coco Zhou gegen Josefine Safarli. Am Sonntag kam Pähtz gegen Miruna-Daria Lehaci nicht über ein Remis hinaus.
Sechs Bretter, sechs Remis
Bad Königshofen tat sich schwerer. Gegen die SG Solingen reichte es zu einem 3,5:2,5, gegen Hemer zu einem 4:2, bei dem Aleksandra Maltsevskaya am Spitzenbrett gegen Carmen Voicu-Jagodzinsky verlor. Vier Punkte sind es trotzdem. Die Rodewischer Schachmiezen führten nach dem 4,5:1,5 gegen Hemer am Samstag sogar die Tabelle an und ließen dann in der zweiten Runde gegen Solingen einen Punkt liegen. Dieses 3:3 kam auf die denkbar friedlichste Art zustande, denn alle sechs Partien endeten remis. Der Hamburger SK holte sich seine ersten Punkte mit einem 4,5:1,5 gegen den SK Freiburg-Zähringen.
Gespielt wird mit zwölf Mannschaften jeder gegen jeden, elf Runden an fünf Wochenenden, samstags ab 14 Uhr und sonntags ab 9 Uhr an jeweils drei Orten. Weiter geht es am 28. und 29. November in Hemer, Deizisau und Hamburg. Dippoldiswalde muss dann in Hamburg gegen Harksheide und den Hamburger SK zeigen, dass die vier Punkte mehr waren als ein Heimvorteil. Die Entscheidung fällt bei der zentralen Endrunde vom 16. bis 18. April 2027 in Bad Königshofen. Dort treffen am 17. April auch die beiden Favoriten aufeinander.
