Oktoberliste: Samarkand sortiert die Weltspitze neu
Die FIDE-Rangliste vom Oktober ist fast eine zweite Ergebnisliste der Olympiade. Nodirbek Abdusattorov klettert mit 18 Punkten Gewinn auf Platz fünf, Nodirbek Yakubboev steht zum ersten Mal über 2700. Yagiz Kaan Erdogmus ist mit 15 Jahren die Nummer 17 der Welt und hängt Weltmeister Gukesh bei den Junioren weiter ab. Bei den Frauen ist Zhu Jiner wieder Zweite, und Alice Lee führt die Juniorinnen an.
Ein einziger verpasster Gewinn entscheidet, wer in Usbekistan die Nummer eins ist. Nodirbek Abdusattorov hat in Samarkand 18 Elo-Punkte geholt, Einzelgold am ersten Brett gewonnen und seine Bestmarke von 2780 wieder erreicht. In der letzten Runde ließ er einen Sieg liegen. Genau deshalb steht Javokhir Sindarov mit 2782 weiter zwei Punkte vor ihm. Der eine führt die Mannschaft zum Olympiasieg, der andere bleibt trotzdem vorn. Über so ein Luxusproblem würden sich die meisten Verbände freuen.
Wer nicht spielt, verliert auch nichts
Ganz oben hat sich nichts getan. Magnus Carlsen führt mit 2823 vor Hikaru Nakamura mit 2792. Beide haben die Olympiade ausgelassen, und wer nicht spielt, verliert auch keine Punkte. Dasselbe gilt für Alireza Firouzja, der mit unveränderten 2757 sogar zurück in die Top 10 rutscht, weil andere Federn gelassen haben. Fabiano Caruana bleibt Dritter, hat aber fünf Punkte abgegeben. Sindarov, der Herausforderer im kommenden WM-Kampf, hat vier gewonnen und ist auf zwei Punkte an ihm dran.
Abdusattorov ist nach drei Monaten zurück unter den ersten fünf. Auf seiner Liste aus Samarkand stehen Siege gegen Richard Rapport, Ding Liren und Caruana. Die drei haben im September 15, 10 und 5 Punkte verloren. Wei Yi verbessert sich mit sechs Punkten Gewinn von Platz 12 auf 9. Herausgefallen aus den Top 10 sind Anish Giri und Arjun Erigaisi. Der Inder hat 13 Punkte eingebüßt. Angefangen hatte es mit einer unglücklichen Niederlage in der ersten Runde gegen den wenig bekannten Thailänder Prin Laohawirapap. Danach spielte er meistens remis.
Yakubboev nimmt die 2700 im Sprung
Den größten Satz unter den ersten Hundert macht Nodirbek Yakubboev. Der 24-Jährige gewinnt 27 Punkte und steht mit 2712 zum ersten Mal über 2700, auf Platz 26. Davon stammen 14,4 Punkte von der Olympiade, wo er Einzelsilber holte. Die übrigen 12,8 kommen aus einem Wettkampf gegen Amin Tabatabaei, den er zum usbekischen Unabhängigkeitstag 3:1 gewann. Usbekistan hat damit drei Spieler über 2700 und zwei in den Top 5.
Vincent Keymer verliert am Spitzenbrett der Bronzemannschaft nur drei Punkte und rutscht trotzdem von Platz 6 auf 8, weil Abdusattorov und Praggnanandhaa vorbeiziehen. Matthias Blübaum (46.) und Frederik Svane (52.) haben sich leicht verbessert, bei den Frauen stehen Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner als einzige Deutsche in den Top 100.
Mit 15 schon die Nummer 17 der Welt
Die auffälligste Zahl der Liste gehört Yagiz Kaan Erdogmus. Der Türke ist im Juni 15 geworden und steht jetzt bei 2731. Das sind 15 Punkte mehr als im Vormonat und Platz 17 statt 26, sein erster Auftritt unter den besten zwanzig. Damit hat er den Rekord von Wei Yi für 15-Jährige gebrochen, der bei 2721 lag. Zum Rekord für 16-Jährige fehlen ihm sechs Punkte, und dafür hat er noch reichlich Zeit. In Samarkand hielt er mit Schwarz Abdusattorov, Keymer und Caruana remis und holte Silber am ersten Brett.
In der Juniorenliste wächst sein Vorsprung. Weltmeister Gukesh hat in Samarkand zwar sieben Punkte gewonnen und steht bei 2710, aber Erdogmus hat eben mehr als doppelt so viele geholt. Zwischendurch war der Weltmeister in der Live-Liste nach einem Remis in Runde zwei kurz unter 2700 gefallen, danach holte er 7 aus 8. Eine Niederlage in der Schlussrunde gegen Gleb Dudin kostete Gukesh das Einzelgold. Dahinter folgen Pranav Venkatesh, Pranesh M und Volodar Murzin, die alle drei nicht gespielt haben. Neu unter den besten 25 Junioren ist der zwölfjährige Faustino Oro mit 2560.
Zhu Jiner wieder Zweite, Alice Lee beste Juniorin
Bei den Frauen bleibt Hou Yifan mit 2596 vorn. Dahinter hat Zhu Jiner neun Punkte gewonnen und sich mit 2559 den zweiten Platz zurückgeholt. Sie gewann in Samarkand Gold mit der Mannschaft und am ersten Brett. Bemerkenswert ist, wer alles fehlte: Sieben der zehn besten Spielerinnen der Welt waren nicht bei der Olympiade. China schickte von seiner ersten Garde nur Zhu Jiner und gewann trotzdem. Koneru Humpy legt ebenfalls neun Punkte zu, Bibisara Assaubayeva verliert vier und einen Platz.
Knapp hinter den Top 10 rücken zwei US-Amerikanerinnen auf. Carissa Yip gewinnt 16 Punkte und ist mit 2484 Dreizehnte. Alice Lee holt 14 Punkte, steht mit 2467 auf Platz 17 und löst die Ukrainerin Anastasiia Hnatyshyn als beste Juniorin der Welt ab. Für Vaishali Rameshbabu lief es schlecht. Die Herausforderin im WM-Kampf der Frauen verliert 17 Punkte und fällt auf Platz 24.
Den größten Gewinn des Monats teilen sich zwei Spielerinnen mit je 47 Punkten. Mariam Mkrtchyan aus Armenien holte ihre in Samarkand und steht jetzt bei 2421. Die Iranerin Mobina Alinasab sammelte ihre bei einem Festival im französischen Nîmes. Über 2400 kommen auch Lu Miaoyi und Savitha Shri. Und dann ist da noch Bodhana Sivanandan. Die Engländerin ist elf Jahre alt, hat 28 Punkte gewonnen und ist die jüngste Frauen-Großmeisterin der Geschichte. In der Weltrangliste der Frauen steht sie auf Platz 64. Wer die ganze Liste durchsehen will, findet sie in der Rangliste der App.
