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Noch sieben Wochen: Gukesh gegen Sindarov in Genf

Der nächste große Termin im Kalender ist die Weltmeisterschaft. Gukesh verteidigt seinen Titel ab dem 24. November in einer Bibliothek über dem Genfer See gegen Javokhir Sindarov, es geht über 14 Partien und um 2,5 Millionen Dollar. Aus Samarkand bringt der Herausforderer Gold mit und der Weltmeister immerhin wieder Selbstvertrauen.

3. Oktober 20264 Minuten LesezeitAusgabe 1

Am 8. Dezember wird Javokhir Sindarov 21 Jahre alt. Wenn der Zeitplan hält und der Kampf bis dahin nicht entschieden ist, verbringt er den Geburtstag in einer Bibliothek über dem Genfer See und spielt die zwölfte Partie um die Weltmeisterschaft. Auf der anderen Seite des Bretts sitzt dann Gukesh Dommaraju, der Titelverteidiger, ein knappes halbes Jahr jünger als er. Zum Auftakt sind beide 20. Einen jüngeren WM-Kampf hat es noch nie gegeben.

Vierzehn Partien zwischen Papyri und Handschriften

Das Programm beginnt am 22. November mit einem Medientag und der Eröffnungsfeier im Palais des Nations. Die erste Partie folgt am 24. November um 15 Uhr. Nach jeweils drei Partien gibt es einen Ruhetag, die vierzehnte ist für den 11. Dezember angesetzt, ein möglicher Stichkampf für den 12. Dezember. Gespielt wird in der Fondation Martin Bodmer in Cologny, einem Museum mit rund 150.000 Dokumenten, dessen unterirdischen Bau der Architekt Mario Botta entworfen hat. Die Schweiz hatte zuletzt 2004 einen WM-Kampf, damals spielten Vladimir Kramnik und Peter Leko in Brissago. Die Termine haben sich verschoben: Bei der Vergabe im Juli nannte die FIDE den 25. November bis 15. Dezember. Mit dem Reglement vom August ist alles ein paar Tage nach vorn gerückt.

Ein WM-Kampf ist mit nichts anderem in unserem Sport zu vergleichen. Man sitzt drei Wochen lang demselben Gegner gegenüber, und die Welt schaut zu.Viswanathan Anand, im September Interimspräsident der FIDE · übersetzt nach FIDE

Der Modus ist der bekannte. Es gibt höchstens 14 klassische Partien, und wer zuerst 7,5 Punkte hat, ist Weltmeister. Jeder Spieler bekommt 120 Minuten für 40 Züge und danach 30 Minuten für den Rest, ab dem 41. Zug kommen 30 Sekunden je Zug dazu. Remis anbieten darf man erst nach dem 40. Zug von Schwarz. Steht es am Ende 7:7, wird am 12. Dezember schneller gespielt. Zuerst kommen vier Partien mit 15 Minuten und 10 Sekunden Zugabe, dann zwei mit 10 Minuten und 5 Sekunden, dann zwei Blitzpartien mit 3 Minuten und 2 Sekunden. Reicht auch das nicht, wird einzeln weitergeblitzt, bis einer gewinnt.

Im Topf liegen 2,5 Millionen Dollar. Für jede gewonnene Partie gibt es 200.000 Dollar, den Rest teilen sich die beiden. Fällt die Entscheidung erst im Stichkampf, bekommt der Sieger 1,3 Millionen und der Verlierer 1,2 Millionen. Ein Remis bringt also keinen Cent extra. Titelsponsor ist Salesforce, Generalpartner die Freedom Holding. Deren Gründer Timur Turlov ist seit dem 26. September auch Präsident der FIDE.

Der eine kam über Singapur, der andere über Zypern

Gukesh holte sich den Titel im Dezember 2024 in Singapur. Er schlug Ding Liren mit 7,5:6,5 und gewann dabei die vierzehnte und letzte Partie. Mit 18 Jahren war er der jüngste unumstrittene Weltmeister der Geschichte. Genf ist seine erste Titelverteidigung.

Sindarov hat sich den Platz am Brett in zwei Schritten erspielt. Erst gewann er in Goa den Weltpokal 2025, als jüngster Sieger überhaupt. Keine fünf Monate später folgte das Kandidatenturnier auf Zypern mit 10 Punkten aus 14 Partien, sechs Siegen und keiner Niederlage. Der Turniersieg stand schon eine Runde vor Schluss fest, Anish Giri kam mit 8,5 Punkten als Zweiter ins Ziel. Sindarov ist der erste Usbeke, der um den unumstrittenen Titel spielt. Sollte einer der beiden ausfallen, rückt Giri nach, dahinter steht Fabiano Caruana auf der Liste.

Was Samarkand über die Form verrät

Das Neueste kommt von der Olympiade, und für Sindarov ist es nur Gutes. Er gewann mit Usbekistan Gold, holte am zweiten Brett fünf Siege bei einer Niederlage und nahm dafür Brettbronze mit. In der Oktoberliste steht er mit 2782 Punkten auf Platz 4 der Welt. Zwei Olympiasiege vor dem 21. Geburtstag hat er damit beisammen. Er ließ trotzdem wissen, dass ihm das eine Turnier im November mehr bedeutet als alles Bisherige zusammen.

Bei Gukesh ist die Lage verwickelter. Indiens Kapitän Srinath Narayanan setzte den Weltmeister nach der Elo-Zahl ans vierte Brett, mit Zustimmung der Mannschaft. In Runde zwei spielte Gukesh remis gegen den Indonesier Satria Duta Cahaya und rutschte in der Live-Liste unter 2700, zum ersten Mal seit vier Jahren. Danach legte er richtig los und stand vor der Schlussrunde bei 8,5 aus 10. Dann verlor er gegen den Ungarn Gleb Dudin. Das kostete 6,9 Elo-Punkte und das Brettgold, es blieb Silber. Unter dem Strich hat er trotzdem sieben Punkte gewonnen und steht jetzt mit 2710 auf Platz 28. Zwischen Weltmeister und Herausforderer liegen damit 72 Punkte und 24 Plätze.

Eine Generalprobe gab es in Samarkand nicht, die beiden saßen an verschiedenen Brettern. Bisher haben sie drei klassische Partien gegeneinander gespielt. Sindarov gewann 2022 beim Sharjah Masters, die beiden anderen endeten remis, zuletzt im Januar 2026 beim Tata-Steel-Turnier.

Wer ist also Favorit? Magnus Carlsen legt sich fest. Er sagte im September, es sei „keine Frage“, dass Sindarov nach jetzigem Stand vorn liege. Er schob aber nach, dass die Psychologie eines WM-Kampfs das Bild sehr schnell drehen könne. Caruana warnt davor, zu viel in Gukeshs Ergebnisse hineinzulesen, denn dessen Können verschwinde nicht über Nacht. Für Gukesh spricht außerdem, dass er so einen Kampf schon einmal gespielt und gewonnen hat. Sindarov selbst bereitet sich nach eigener Aussage auf den besten Gukesh vor. An seiner Seite arbeitet sein langjähriger Trainer Roman Vidonyak.

Er ist sehr stark. Ich habe ein paar Mal gegen ihn gespielt und spüre wirklich, dass er ein sehr starker Spieler ist.Javokhir Sindarov über Gukesh · übersetzt nach Reuters, zitiert bei Wikipedia

Offen ist noch, wo der Kampf übertragen wird und wie man an Karten kommt. Beides will die FIDE nachreichen. Bis dahin gehen die zwei getrennte Wege. Das Pilotturnier der Total-Chess-Tour in Budapest lassen beide aus, weil es erst am 20. November endet und sie an genau diesem Tag in Genf erwartet werden. Sindarov spielt vorher noch Schnellschach. Vom 27. bis 29. Oktober tritt er beim Clutch Chess in Saint Louis gegen Hikaru Nakamura, Caruana und Praggnanandhaa an.

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