Meyer-Dunker nach fünf Monaten: gleiches Preisgeld, große Zahlen
Fünf Monate nach seiner Wahl mit 116:114 Stimmen zieht DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker eine erste Bilanz. Er stellt gleiches Preisgeld für die Deutsche Meisterschaft der Frauen in Aussicht, erklärt die Vermarktung zur zentralen Baustelle und will von einer Opposition im Verband wenig spüren.
So wenig geschlafen habe er in seinem Leben selten, sagt Paul Meyer-Dunker, aber genau das habe er ja gewollt. Mitte Mai ist er mit 116:114 Stimmen zum Präsidenten des Deutschen Schachbunds gewählt worden. Jetzt hat ihn Conrad Schormann zum Gespräch gebeten, und weil der Stoff reichte, erscheint es in zwei Teilen. Der erste handelt von Samarkand, von Geld und von der Frage, wie viel Gegenwind ein Präsident spürt, der mit 51 Prozent gewählt wurde.
Bronze ja, Abgesang nein
Die Medaille der Nationalmannschaft nennt Meyer-Dunker einen großen Erfolg, auch für die Öffentlichkeitsarbeit. Der Verband war mit zwei Leuten für die Pressearbeit in Samarkand, die Bild berichtete am Ende fast täglich. Den vielzitierten Schachboom sieht er nicht abflauen, sondern anziehen. Zu Platz 29 der Frauen fällt sein Urteil milder aus als das Ergebnis. Die erste Turnierhälfte sei stark gewesen, hinten heraus sei die Puste ausgegangen, und Elisabeth Pähtz habe ein gutes Turnier gespielt. Einen Umbruch will er nicht ausrufen. Vor einem Jahr hätten die Frauen eine historische EM-Medaille geholt, und die Aufgabe sei jetzt, die heutigen Kaderspielerinnen besser zu machen.
Was wir jedenfalls nicht brauchen, ist ein Abgesang auf unsere Leute.Paul Meyer-Dunker, Präsident des Deutschen Schachbunds
Neu ist die Ansage zum Preisgeld. Die Deutsche Meisterschaft der Frauen soll künftig genauso bezahlt werden wie das offene Turnier, eine alte Forderung von Elisabeth Pähtz. Förmlich beschlossen ist das noch nicht, im Präsidium sei man sich aber einig. Den Einwand, das Frauenturnier sei 300 oder 400 Elo schwächer, lässt Meyer-Dunker gelten und zieht trotzdem den anderen Schluss. Keine der Spielerinnen habe dauerhaft einen festen Trainer, alle seien weit davon entfernt, Profis zu sein, und alles, was dabei helfe, vom Schach zu leben, sei ein guter Schritt.
Kann man machen, aber dann darf man sich nicht wundern, wenn es nicht vorwärts geht.Paul Meyer-Dunker über unterschiedliches Preisgeld
100.000 Mitglieder und andere Zahlen
Die Vermarktung steht seit über zwanzig Jahren im Leitbild des Verbands, ohne dass viel daraus geworden wäre. Das neue Präsidium hat sie zur Priorität erklärt und arbeitet dafür mit der Chess Media Group von Tobias Eismann zusammen, die ersten Partnerschaften sind gemeinsam verhandelt. Dazu kamen neue Leitungen für Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit und mit Sandra Schmidt eine Veranstaltungsmanagerin. Schormann hält dem Präsidenten vor, dass der Verband bei seinen Zahlen großzügig rundet. Er nennt die 100.000 Mitglieder, die eher 90.000 seien, die 500.000 Besucher der Internetseite im Monat und die 3,5 Millionen Deutschen, die jede Woche online spielen sollen. Meyer-Dunker verteidigt das. Gezählt werde nach den Regeln des DOSB, und wer mit Unternehmen rede, die Schach nicht kennen, müsse zeigen dürfen, wie groß der Sport ist.
Eine Opposition nimmt er nach eigener Aussage kaum wahr, eher Neugier und Unterstützung. Wichtige Beschlüsse im Präsidium fallen einstimmig, und vor Entscheidungen wie der Berufung von Wadim Rosenstein zum FIDE-Delegierten habe er sich in den Landesverbänden umgehört. Wie die Stimmung wirklich ist, zeigt sich beim Hauptausschuss im November und beim Kongress im Mai. Der zweite Teil des Gesprächs soll von der FIDE-Wahl in Samarkand handeln und vom Jubiläum im kommenden Jahr, wenn der Schachbund 150 Jahre alt wird.
