Die Schachprinzen: Bronze begann vor 17 Jahren in Thüringen
Drei der fünf Bronzegewinner von Samarkand saßen schon als Neun- und Zehnjährige in derselben Fördergruppe. Axel Eger erzählt in der Thüringer Allgemeinen, wie Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler aus Apolda die „Schachprinzen“ erfand und was die Medaille dem deutschen Schach an Fördergeld bringen könnte.
Ein paar Wochen vor der Olympiade sitzt Rasmus Svane beim Abendessen in der Landessportschule Bad Blankenburg. Die Nationalmannschaft bereitet sich dort vor, als Helfer ist Peter Svidler dabei, der früher Vladimir Kramnik sekundierte. Nach einem langen Trainingstag scherzt Svane, falls es in Usbekistan mit einer Medaille klappe, liege das bestimmt an der vorzüglichen Himbeerschorle des Hauses. Es hat geklappt, und aus dem Scherz ist ein Symbol geworden.
Ein Experiment beim Heimspiel in Dresden
Die eigentliche Geschichte beginnt früher und führt zu Bernd Vökler. Der Apoldaer ist seit 2003 Bundesnachwuchstrainer. Als Deutschland 2008 bei der Olympiade in Dresden als Gastgeber drei Mannschaften stellen durfte, besetzte er eine davon nicht mit erfahrenen Meistern, sondern mit Jugendlichen. Sie hielten gegen die internationale Konkurrenz erstaunlich gut mit. Ein Jahr später ging Vökler weiter. Üblich war damals, mit intensiver Förderung erst bei 14- oder 15-Jährigen zu beginnen. Er holte Neun- und Zehnjährige in ein Programm, das auf fünf Jahre angelegt war. Die Gruppe der Schachprinzen war geboren.
Matthias Blübaum, Alexander Donchenko und Rasmus Svane gehörten dazu. 17 Jahre später standen die drei in Samarkand im Bronze-Team, zusammen mit den sechs Jahre jüngeren Vincent Keymer und Frederik Svane. Dazu kam das „Schachjahr“, in dem Spitzentalente zwischen Schule und Studium ein Jahr lang Schach wie Profis betreiben können. Blübaum war einer der Ersten, die es ausprobiert haben. Während die Großen in Usbekistan spielten, trainierte Vökler in Bad Blankenburg schon wieder mit dem nächsten Nachwuchskader und schickte nach der Medaille ein Gruppenfoto der Jugendlichen nach Samarkand.
Was Bronze in Euro wert sein könnte
Die Medaille war die erste einer deutschen Männermannschaft bei einer Olympiade seit 26 Jahren. Damals, beim Silber von Istanbul im Jahr 2000, saß der gebürtige Erfurter Thomas Luther mit am Brett. In Samarkand war er wieder dabei, diesmal als Leiter der Para-Schacholympiade, die erstmals parallel zum großen Turnier lief. Wirken könnte der Erfolg auch finanziell. Die Olympiade zählt bei der Bundesförderung als Zielwettkampf, und der Sprung unter die besten drei der Welt könnte dem Schach rund 120.000 Euro mehr im Jahr bringen.
Der nächste Jahrgang sitzt längst am Brett. Zu den größten Talenten zählt der 14-jährige Christian Glöckler, den der Erfurter Großmeister Thomas Pähtz entdeckt und an die Spitze geführt hat. Vökler treibt außerdem die deutsche Bewerbung um die Junioren-Weltmeisterschaft 2028 in Bad Blankenburg voran. Bekäme sie den Zuschlag, hätten Talente wie Glöckler eine große Bühne vor eigenem Publikum.
