Glöckler führt in Fagernes: drei Siege und ein Marathon
Drei Partien, drei Siege, dann ein Remis über 84 Züge gegen die Nummer zwei der Setzliste: Christian Glöckler führt im norwegischen Fagernes nach vier Runden gemeinsam mit zwei Großmeistern. Seine Gewinnpartie vom Montag zeigt, wie viel Geduld der 14-Jährige inzwischen mitbringt, und dass er eine zweite Chance nicht auslässt.
Im 62. Zug stellt Mads Vestby-Ellingsen seinen Turm nach d8, und die Mühe von über sechzig Zügen ist dahin. Der Norweger hatte ein unangenehmes Endspiel lange zusammengehalten, Christian Glöckler hatte gedrückt, einmal danebengegriffen und weitergedrückt. Zwei Züge später hängen Turm und Springer zugleich. Weiß gibt auf, und der 14-jährige Deutsche steht am Montag als einziger Spieler des Feldes bei drei Punkten aus drei Partien.
Ein Läufer, ein König und viel Geduld
Entstanden war das Endspiel aus einer Nimzoindischen Verteidigung. Glöckler gab mit Schwarz im 20. Zug einen Bauern, tauschte die Damen und holte sich den Bauern auf c3 zurück. Übrig blieben Turm und Läufer gegen Turm und Springer, später bei je drei Bauern. Schwarz stand eine Spur angenehmer, mehr war es lange nicht. Ungemütlich wurde es für Weiß erst, als der schwarze König im 58. Zug nach e4 marschierte.
Ausgerechnet dort ließ Glöckler den Gegner noch einmal vom Haken. Nach 59.Td2 hätte 59...Ta2 den Turmtausch erzwungen, und das Endspiel Läufer gegen Springer mit dem König auf e4 sieht Stockfish für Schwarz auf Gewinn. Er zog stattdessen den Läufer nach c4, und Schwarz stand wieder nur leicht besser.
Drei Züge später kam die zweite Gelegenheit. Mit 62.Td1 hätte Weiß sich weiter wehren können. Schwarz stünde dann klar besser, gewonnen wäre noch nichts. Nach 62.Td8 Th6 aber ist der Springer auf h5 angegriffen und findet kein Feld mehr. Auf f4 schlägt der e-Bauer, auf f6 der Turm, und auf g7 setzt Schwarz nach dem Turmzug nach h1 in drei Zügen matt. Vestby-Ellingsen versuchte noch 63.Tc8 Le6 64.Tc6, nach 64...Kd5 war es vorbei.
84 Züge gegen die Nummer zwei
In einem Turnier nach Schweizer System werden die Gegner mit jedem Sieg stärker. In den ersten beiden Runden hatte Glöckler die Inder Saurabh Anand und Senthil Maran geschlagen, am Dienstagvormittag wartete mit Rinat Jumabayev aus Kasachstan die Nummer zwei der Setzliste. Es wurde die längste Partie seines Turniers, eine Spanische Partie über 84 Züge, die remis endete. Weil Frode Urkedal und Tiger Hillarp Persson ihre Partien gewannen, teilt sich Glöckler die Führung nach vier Runden mit dem Norweger und dem Schweden. Am selben Tag stand noch die zweite Partie des einzigen Doppelrundentags an, mit Weiß gegen Urkedal.
Auch die beiden anderen Deutschen im Feld mischen mit. Keyvan Farokhi verlor zum Auftakt und gewann danach dreimal, mit drei Punkten liegt der FIDE-Meister in der Verfolgergruppe. Bennet Hagner steht nach einer Niederlage gegen den Inder Apaar Saxena bei zwei Punkten.
Zehn Runden für die Normenjäger
Das Herbstturnier in Fagernes, knapp 190 Kilometer nördlich von Oslo, läuft bis Sonntag im Hotel Scandic Valdres. 62 Spielerinnen und Spieler bestreiten die Großmeistergruppe, zehn Runden in neun Tagen. Die zehnte Runde hat einen Grund. Wer eine Titelnorm jagt, kann sie so über verschiedene Abschnitte von neun Partien erfüllen. Organisator Hans Olav Lahlum richtet seit 2014 Turniere in dem Ort aus, der erste Preis beträgt 3.000 Euro. An der Spitze der Setzliste steht der norwegische Meister Elham Amar mit 2567 Elo, Glöckler ging mit 2515 ins Turnier.
Für den Internationalen Meister, der Anfang November 15 wird, setzt sich damit ein starkes Jahr fort. Im Februar gewann er die Qualifiers in Wijk mit 8,5 Punkten aus 9 Partien und sicherte sich den Platz im Challengers 2027. Im Juli holte er beim Schachfestival in Biel den Turniersieg im Masters Open und seine erste Großmeisternorm.
