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Svane holt als erster Deutscher zweimal Brettgold

Zwei Olympiaden, zwei Goldmedaillen für die beste Leistung am eigenen Brett: Das hat vor Frederik Svane noch kein deutscher Spieler geschafft. Der 22-Jährige blieb in 20 Partien ungeschlagen und holte 16,5 Punkte. In Samarkand kam zur Einzelmedaille noch Bronze mit der Mannschaft.

7. Oktober 20264 Minuten LesezeitMatt am Donnerstag

Am 24. September, in der achten Runde der Olympiade, öffnete Frederik Svane das Zentrum, als der König seines Gegners noch in der Brettmitte stand. Nodirbek Yakubboev, mit 2685 Elo-Punkten höher gewertet als Svane mit 2655, hatte in den ersten sieben Runden in großer Form gespielt. Gegen ihn kam in der Moskauer Variante des Sizilianers auf Svanes Seite ein Läuferopfer aufs Brett, das die Partie entschied.

Im 22. Zug nahm Weiß mit 22.Lxd5 auf d5 und gab damit eine Leichtfigur her. Nach 22...Sxd5 folgte 23.Txf7, und Schwarz nahm den Turm nicht zurück, sondern spielte 23...Le6. Es ging weiter mit 24.Txe7+ Dxe7 25.Df3 0-0-0. Auch auf c8 war der schwarze König ohne Bauern davor nicht sicher. Die Engine sieht Weiß nach 25...0-0-0 bei +5,8, das ist klar auf Gewinn, obwohl Weiß nur zwei Bauern mehr hat. Nach 29.Sc4 war die Partie zu Ende.

Svane – Yakubboev, Runde 8Weiß am Zug: 22.Lxd5

Der Sieg war einer von zwei entscheidenden: An den hinteren Brettern gewannen Frederik und sein älterer Bruder Rasmus Svane ihre Partien, Deutschland schlug die bis dahin makellosen Gastgeber mit 2½:1½ und teilte sich nach acht Runden mit Usbekistan die Tabellenführung, beide mit 14 von 16 möglichen Mannschaftspunkten. Am Ende stand für die Mannschaft Bronze, für Svane persönlich ein Rekord.

Zwanzig Partien, keine Niederlage

Svanes Olympiabilanz lässt sich in einem Satz sagen: zwei Olympiaden, 13 Siege, 7 Remis, keine Niederlage. Das sind 16,5 Punkte aus 20 Partien. Bei seiner Premiere 2024 in Budapest spielte er an Brett fünf und holte 8 Punkte aus 9 Partien, also sieben Siege und zwei Remis. Damit gewann er Gold für das beste Ergebnis an seinem Brett. In Samarkand rückte er ans dritte Brett und kam auf 8,5 aus 11, mit einer Turnierleistung von 2796. Auch das reichte für Brettgold, diesmal am dritten Brett.

In Samarkand gewann er sechs Partien und remisierte fünf. Siege gab es gegen John Rodgaard von den Färöern, Bakhrom Bakhrillaev aus der dritten Mannschaft Usbekistans, Hans Niemann aus den USA, Isik Can aus der Türkei, Yakubboev und Maxime Lagarde aus Frankreich. Remis spielte er gegen Mukhammadzokhid Suyarov, Jan Malek aus Polen, Yu Yangyi aus China, Nihal Sarin aus Indien und Loek Van Wely aus den Niederlanden. Der Elo-Schnitt seiner elf Gegner lag bei rund 2585. Mit 2725 Punkten war Niemann der am höchsten gewertete von ihnen. Svanes Sieg gegen ihn in der fünften Runde entschied den Wettkampf gegen die topgesetzten USA, den Deutschland mit 2½:1½ gewann.

Wer vor ihm Gold holte

Vor Svane hat überhaupt nur ein deutscher Spieler zwei Goldmedaillen bei Olympiaden gewonnen: Robert Hübner. 1972 in Skopje erzielte er am ersten Brett 15 Punkte aus 18 Partien, 83,3 Prozent, und holte Gold. 1990 in Novi Sad gewann er erneut Gold, doch das war nicht dasselbe. Hübner kam am ersten Brett mit 7 Punkten aus 10 Partien nur auf Platz fünf der Brettwertung, hatte aber mit 2734 die beste Leistung aller Teilnehmer, und dafür gab es damals eine eigene Medaille. Von 1984 bis 2006 wurden solche Zusatzmedaillen für die besten Elo-Leistungen des gesamten Turniers vergeben, 2008 wurden sie abgeschafft. Seitdem zählt nur noch die beste Leistung an jedem einzelnen Brett.

Zweimal Gold für die beste Leistung am eigenen Brett ist also neu im deutschen Schach. Den deutschen Rekord an Brettpreisen hält trotzdem jemand anderes. Lothar Schmid, der Karl-May-Verleger und Schiedsrichter, gewann viermal Silber am zweiten Brett: 1950 in Dubrovnik, 1952 in Helsinki, 1968 in Lugano und 1970 in Siegen. Berücksichtigt sind dabei alle Spieler, die seit der ersten offiziellen Olympiade 1927 für Deutschland gespielt haben. Svane ist erst 22, auch diese Marke kann also noch fallen. Die nächste Olympiade findet 2028 in Abu Dhabi statt.

Vom Jugendtitel zum Weltcup-Sieg über Gukesh

Frederik Svane wurde am 21. Januar 2004 in Lübeck geboren. Mit vier Jahren trat er einem Schachverein bei und lernte das Spiel gegen seinen Bruder Rasmus, der heute ebenfalls Großmeister ist. Im Dezember 2020 gewann er die Online-Weltmeisterschaft der U16. Im April 2021 schlug er als FIDE-Meister den damals bestplatzierten deutschen Spieler Matthias Blübaum bei der Kader Challenge. Im Mai 2022 holte er zwei Großmeisternormen in weniger als einem Tag, der Titel folgte 2022.

2024 stand Svane nach seinem Olympiadebüt in Budapest auch bei der Europameisterschaft auf dem Podium und wurde Dritter. 2025 warf er beim Weltcup in Goa in der dritten Runde den amtierenden Weltmeister Gukesh Dommaraju aus dem Turnier und schlug danach Shant Sargsyan, ehe er in der fünften Runde an Javokhir Sindarov scheiterte. Im Oktober 2026 steht er mit 2662 Elo-Punkten auf Rang 51 der Weltrangliste, sein bisher bester Wert liegt bei 2671 aus dem Mai 2025.

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