Schachcoach
Schachnews
Farbe
Brett
Kontakt
Schachnews › Deutschland › Verband

Meyer-Dunker: schlankere Regeln, offenere Türen im DSB

DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker will die Ordnungswerke des Schachbunds verschlanken und Ehrenamtlichen den Einstieg leichter machen, auch befristet und für einzelne Projekte. Im zweiten Teil des Gesprächs geht es außerdem um das Präsidium, die Kontrolle durch den Kongress und das Jubiläum 2027.

7. Oktober 20264 Minuten LesezeitMatt am Donnerstag

Wer beim Deutschen Schachbund mitarbeiten will, soll dafür nicht erst ein Studium der Vorschriften brauchen. Das ist der Kern des zweiten Teils vom Gespräch, das Conrad Schormann von Perlen vom Bodensee mit Präsident Paul Meyer-Dunker geführt hat und das am 7. Oktober erschienen ist. Meyer-Dunker ist seit viereinhalb Monaten im Amt, und diesmal geht es darum, wie sich der Verband verändern soll.

Man sollte keinen Bachelor im Lesen von Ordnungswerken brauchen, um beim DSB mitzuarbeiten.Paul Meyer-Dunker, Präsident des Deutschen Schachbunds

Auf die Ordnungswerke hatte Schormann ihn angesprochen: Es gebe 20 davon, ob es die alle brauche. Meyer-Dunker sagt, er habe ein paar Ideen, was sich streichen lasse. Das gezielte Verschlanken sei in Arbeit und werde im Präsidium besprochen, verkünden könne er aber noch nichts. Mittelfristig müsse man an einige Ordnungswerke heran, weil sie den Stand der Dinge nicht mehr spiegeln und manches deutlich zu bürokratisch geregelt sei. Die veralteten Präsidialausschüsse könne man zwar streichen, als dringend empfinde er das aber nicht, weil es ja funktioniere, sie einfach nicht zu leben.

Mitmachen ohne Amt

Schormann hielt dagegen, der Schachbund müsse sich bei Engagierten bewerben und nicht umgekehrt, und erinnerte an Meyer-Dunkers frühere Forderung, Leute auch befristet andocken zu lassen. Der Präsident antwortet, beides sei wichtig. Ämter und Funktionen müssten demokratisch legitimiert sein, trotzdem solle der Verband offener werden. Als Beispiel für ein unbürokratisches Projekt nennt er ein Treffen eines Arbeitskreises der Schachjugend. Dort ging es darum, Kontakte zu Verbänden im Ausland zu bekommen, für Erasmus-Plus-Programme und Austausch. Er habe fast ein Dutzend WhatsApp-Kontakte weitergegeben, und nun seien einige Leute damit beschäftigt, deutsches Schach international zu vernetzen.

Projektarbeit sei gut, sagt er, aber nicht ausschließlich. Wer Drive und Energie mitbringe und in Positionen komme, könne viel bewegen. Als Beispiel nennt er Nadja Jussupow, die seiner Einschätzung nach manchmal mehr gebremst wurde, als ihr lieb war und dem DSB guttat. Mit der sportlichen Leitung habe sie in kürzester Zeit das Mädchenförderprogramm "Girls Next Generation" gebastelt. Zum englischen Namen des neuen Newsletters "Queencheck" sagt Meyer-Dunker, er lasse seinen Leuten in der Öffentlichkeitsarbeit ihren Freiraum. Um die deutsche Sprache mache er sich keine Sorgen.

Ein Relikt namens Verbandsprogramm

Das Verbandsprogramm hat der Kongress 2019 beschlossen. Meyer-Dunker war damals noch nicht im Schachbund. Es enthalte sinnvolle Ideen, und wo es die gebe, bediene man sich gern. Als Arbeitsauftrag, an dem man sich abarbeite, tauge es aber nur bedingt, er sehe es als eine Art Relikt. Die Schwerpunkte des neuen Präsidiums lägen darauf, Dinge umzusetzen und nicht Ziele aufzuschreiben.

Schormann zählte daraufhin auf, was beschlossen wurde und liegen blieb oder jahrelang beredet wird: Satzungsreform, passive Mitgliedschaft, Ausbildungsentschädigung, die Zusammenarbeit mit Bundeswehr und Bundespolizei. Sein Vorschlag war ein Controlling für den Kongress. Meyer-Dunker verweist auf die Landesverbände und Delegierten, die nachhalten müssten. Ein Beschluss sei so viel wert, wie das Präsidium und die Referenten ihn respektieren und umsetzen. Er selbst habe bei Ingrid Lauterbach immer wieder nach den Schach960-Ratings gefragt, die 2023 in Berlin beschlossen worden waren. Drei Jahre lang blieb das liegen, jetzt habe er es in kürzester Zeit bei der Mitgliederversammlung der FIDE einstimmig als Beschluss durchbekommen.

Aber es ist nicht meine Arbeitsweise, Papiertigern der Vergangenheit nachzujagen.Paul Meyer-Dunker

Vier sind zu wenig

Konkret wird er beim Präsidium. Ein vierköpfiges Präsidium sei zu klein für all die Aufgaben und solle sinnvoll erweitert werden. Ihm schwebe eher ein echter Stellvertreter oder eine echte Stellvertreterin ohne Ressort vor als der IT-Vizepräsident, nach dem Schormann gefragt hatte, weil die Vorgängerin ihn vorgeschlagen habe, und den der Bundeskongress vor nicht allzu langer Zeit abgelehnt hat. Mit vier ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern den Laden zu führen, nennt er sehr sportlich. Einigt sich das Präsidium auf einen Vorschlag, kommt er im Mai nächsten Jahres zum Bundeskongress.

Zur Kontrolle sagt Meyer-Dunker, die Präsidiumsprotokolle gingen in kurzen Abständen an alle Mitgliedsverbände, die sich so informieren und kontrollieren könnten. Schormann hatte auf Mecklenburg-Vorpommern verwiesen, wo der neue Vorstand seine Protokolle veröffentlicht, und auf die Jahre vor dem Wechsel, in denen der Kongress als Kontrollinstanz kaum getaugt habe. Der Präsident hält dagegen: Der Kongress habe gerade eine Präsidentin mitten in der Amtszeit aus dem Amt gehoben, härter könne man Kontrolle nicht ausüben. Die Leute hätten gelernt, fragten kritisch nach, und er müsse sich im laufenden Geschäft oft erklären. Zuletzt habe ein Landesverband Akteneinsicht in Verträge beantragt. Das finde er wild, aber der Verband habe nichts zu verbergen.

Nach Samarkand, auf 2027 zu

Auch die FIDE-Wahl kommt zur Sprache. Meyer-Dunker ist enttäuscht, dass es für Wadim Rosenstein nicht gereicht hat, gewählt wurde Timur Turlov. Am Ende hätten nur 13 Stimmen gefehlt, obwohl der gesamte FIDE-Apparat für Turlov Wahlkampf gemacht habe. Auf ein Ergebnis, bei dem so wenig fehlt, könne man stolz sein, und der Deutsche Schachbund habe im Wahlkampf viele Verbindungen geknüpft. Für die Europäische Schachunion wünscht er sich, dass über eine Aufwertung der Europameisterschaft gesprochen wird, damit die Stärksten mitspielen. Sein Fokus liege jetzt aber auf Deutschland, wo der eigene Laden modernisiert werden müsse.

Dort steht 2027 das 150-jährige Verbandsjubiläum an. Mehr will Meyer-Dunker in ein paar Tagen gemeinsam mit Partnern verkünden. Der Gipfel in Stuttgart werde eine riesige Sache, und man überlege, was in Leipzig geschehe, dem Ort der Gründung. Schormann forderte, die Vereine müssten ins Jubiläumsboot. Der Präsident antwortet, es sei als Spitzenverband nicht leicht, knapp 2200 Vereine einzubinden, dafür seien auch Landesverbände und die Ebenen darunter gefragt. Alles, was der Verband baue, solle den Weg in die Vereine ebnen, etwa die Vereinssuche schach.in.

Selbst besser werden?

Bock auf Training?

Das erste Gespräch ist immer kostenlos.

Erstgespräch anfragen →

Über die Schachnews

Die Schachnews entstehen mit Unterstützung einer KI aus den verlinkten Quellen. Sie erscheinen jeden Morgen automatisch, geprüft wird jede Ausgabe vorher von einem Programm. Einen Fehler gefunden? Schreib an kontakt@schachcoach.com.