Gegen Sizilianisch kommt 3.Lc4 in Mode
Weiß entwickelt den Läufer früh nach c4 und verzichtet vorerst auf d2-d4, ein Aufbau wie in der Italienischen Partie. Lange gab es dafür wenig Respekt, inzwischen greifen Großmeister im Blitz und am Brett darauf zurück. Bei der Olympiade in Samarkand trug er Michael Adams zum Sieg gegen Etienne Bacrot.
Nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 verzichtete Michael Adams in Samarkand auf eine der großen Sizilianischen Hauptvarianten und zog stattdessen 3.Lc4. Es war die sechste Runde der Olympiade, England spielte am 21. September gegen Frankreich, und Adams (2598) ging mit Weiß gegen Etienne Bacrot (2620) den langen theoretischen Varianten aus dem Weg. Er wählte den Zug, den André Schulz in seinem Beitrag einen „Amateurzug“ nennt: den Läufer nach c4 ohne anschließendes d2-d4.
Lange galt der Zug als Aufschlag von unten
Der frühe Läufer auf c4 ist aus der Italienischen Partie vertraut. Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 kennt die Theorie ihn seit den Anfängen, und unter Spitzenspielern wird die Italienische Partie nach 1.e4 e5 inzwischen sogar häufiger gespielt als die Spanische. Gegen Sizilianisch sah das anders aus. Ein Aufbau mit Sf3, Lc4, d3 und kurzer Rochade, wie er in der Modernen Variante der Italienischen Partie vorkommt, wurde von der Theorie lange nicht ernst genommen. Selbst unter stärkeren Turnierspielern galt der Läufer auf c4 ohne d2-d4 als unsolide, fast wie ein Aufschlag von unten im Tennis.
Gerade deshalb ist er bei Amateuren beliebt. Wer 1.e4, 2.Sf3, 3.Lc4, 4.O-O und 5.d3 spielt, kann gegen viele Antworten ohne großes Theoriewissen aufbauen, etwa gegen 1...e5, 1...d6, 1...g6, 1...Sc6, 1...b6 und eben 1...c5. Vorsichtig sein muss Weiß in diesem System vor allem gegen 1...Sf6 und 1...d5. Im Internet werden unzählige Blitzpartien gespielt, an denen regelmäßig auch Großmeister teilnehmen, und die ewige Wiederholung bekannter Varianten wird irgendwann langweilig. So ist eine Fülle seltener Eröffnungswege entstanden, und 3.Lc4 gegen Sizilianisch ist einer davon. Zu den Spitzenspielern, die ihn zumindest im Online-Blitz regelmäßig ziehen, zählt Magnus Carlsen. Inzwischen taucht der Zug auch in klassischen Partien am Brett auf.
Adams gegen Bacrot: lange passiert nichts
Bacrot antwortete mit 3...Sf6 und entwickelte sich mit Sc6, e6 und Le7, während Weiß mit 4.d3, 5.O-O, 6.Sbd2 und 7.a4 aufbaute. Die Stellung erinnerte an eine Italienische Partie, nur dass Schwarz die Sizilianischen Bauern auf c5 und d6 stehen hatte.
Dann geschah lange wenig. Weiß stellte mit Te1, c3 und La2 auf, Schwarz mit b6, Dc7 und La6, und die Springer wanderten. Vor dem 22. Zug von Schwarz ist die Stellung laut Engine mit +0,1 ausgeglichen. Dann kam 22...c4, und nach diesem Zug steht Weiß laut Stockfish mit +1,1 klar besser. Möglich war an dieser Stelle auch 22...d4, das den Wert bei +0,1 gelassen hätte. Es folgten 23.Tcd1 cxd3 24.Lxd3 Lxd3 25.Txd3 Tc5 26.Se3.
Der zweite Fehler folgte vier Züge später. Auf 26.Se3 hätte 26...Da8 die Stellung nach der Engine im Gleichgewicht gehalten (0,0), nach 26...Dc8 steht Weiß mit +1,95 klar besser. Es folgten 27.exd5 f5 28.Df3 f4 29.Lxf4, und Weiß hatte zwei Bauern mehr. Gespielt wurde bis zum 55. Zug, Adams gewann.
Der Sieg gleicht die Niederlage aus
Für England war der Punkt wichtig, denn Gawain Maroroa Jones hatte in derselben Runde gegen Marc'Andria Maurizzi verloren. Mit Adams' Sieg glich England das aus, und der Wettkampf endete 2:2.
