Wer hinter Gukesh und Sindarov sitzt
Fünf Wochen vor der ersten Partie klärt sich, wer den beiden Spielern hilft und wie man ins Publikum kommt. Bei Sindarov steht ein prominenter Landsmann bereit, bei Gukesh ist erst ein Name öffentlich. Seit dem 14. Oktober laufen die Karten für Cologny, vom Fan-Zone-Pass für 19 Franken bis zum VIP-Tag.
Vor dem WM-Kampf 2006 in Bonn quartierte Vladimir Kramnik seine Sekundanten in einem Hotel irgendwo in Deutschland ein und bereitete sich dort mit ihnen vor. Dann sah zufällig jemand aus dem Umfeld von Viswanathan Anand die Gruppe beim Mittagessen und gab die Namen weiter. Auf der Eröffnungspressekonferenz wurde Kramnik nach seinem Team gefragt und nannte irgendwelche Namen, als Nebelbombe. Anand saß neben ihm, hörte zu, zeigte sich überrascht und zählte dann die Spieler auf, die er stattdessen erwartet hätte. Es waren die richtigen. Die Geheimniskrämerei hatte einen Grund: Aus den Namen der Helfer lässt sich ablesen, welche Eröffnungen vorbereitet werden.
Heute sind die Teams offener, und Gukesh Dommaraju und Javokhir Sindarov, der Titelverteidiger und sein Herausforderer, haben beide schon einiges verraten. Der Kampf beginnt am 24. November in Cologny bei Genf und geht über höchstens 14 Partien.
Ein Landsmann, der 80 zu 20 rechnet
Sindarov wird unter anderem von Nodirbek Abdusattorov unterstützt. Das hat Abdusattorov selbst in einem usbekischen Podcast gesagt. Dazu kommt sein ständiger Trainer, der Ukrainer Roman Vidonyak, den Sindarov als Teil der Vorbereitung auf das Match gegen Gukesh bereits genannt hatte. Als wahrscheinlich gilt, dass auch Mukhiddin Madaminov dabei ist, der schon beim Kandidatenturnier mithalf. Bestätigt ist das nicht.
Abdusattorov sieht seinen Landsmann auch als Favoriten und schätzt die Chancen auf 80 zu 20. Gegenüber dem Portal UzChess lobte er Sindarov am 12. Oktober in ungewöhnlicher Offenheit. Er selbst habe 2022 die Marke von 2700 Elo durchbrochen und lange einen Schritt vor Sindarov gestanden. Das Kandidatenturnier habe er verpasst, zuerst wegen seines Alters, dann wegen mangelnder Erfahrung. Dass Sindarov es nun an ihm vorbei geschafft habe, habe ihm einen zweiten Atem gegeben.
Ich würde mich nicht irren, wenn ich sage, dass er sogar talentierter ist als ich.Nodirbek Abdusattorov, Großmeister · übersetzt nach Zamin.uz, gestützt auf UzChess
Bei Gukesh ist erst ein Name sicher
Beim Weltmeister ist die Lage dünner. Öffentlich bestätigt ist bisher nur, dass Grzegorz Gajewski wieder dabei ist.
Damals, beim Kampf gegen Ding Liren in Singapur, hatte Gukesh Anand im Rücken. Der frühere Weltmeister war an der konkreten Vorbereitung nach allem, was bekannt ist, nicht beteiligt, überließ seinem Nachfolger aber Helfer aus früheren Zeiten. So kamen Gajewski, in jüngerer Zeit Anands Helfer, und Radoslaw Wojtaszek ins Team, der Anand bei mehreren WM-Kämpfen unterstützt hatte. Die beiden Polen brachten Jan-Krzysztof Duda mit. In Deutschland sorgte die Beteiligung von Vincent Keymer für Aufmerksamkeit. Er saß während des Matches zusammen mit Wojtaszek und Harikrishna in Spanien und half Gukesh aus der Ferne.
Die Entfernung ist bei einem WM-Kampf kein Nachteil. Läuft die Partie, gibt es für die Helfer nichts zu tun, und sie können schlafen gehen. Schlafen die Spieler nach der Partie, arbeiten die Sekundanten in ihrer Zeitzone am Tag. Bei Landsleuten ist es ohnehin selbstverständlich, sie anzuheuern: Im Kampf Spasski gegen Fischer standen die besten sowjetischen Spieler hinter Spasski und einige Amerikaner hinter Fischer.
Karten von 19 bis 439 Franken
Ebenfalls seit dem 14. Oktober verkauft die FIDE Karten. Die Eröffnung ist am 22. November in Genf, die erste Partie am 24. November. Es gibt zwei Sorten. Der Fan-Zone-Pass gilt für einen Tag im Parc du Gerdil in Cologny und bringt die Live-Übertragung auf Großbildschirm mit Kommentar, Simultanspiele, Turniere, Meisterkurse und an einzelnen Tagen Fragestunden mit Großmeistern. In den Spielsaal führt er nicht. Auf der Verkaufsseite steht der Pass ab 19 Franken, für die erste Partie kostet er 44 Franken, für Studierende 34 und für Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahren 29. Unter 7 Jahren ist der Eintritt mit einer Freikarte frei.
Der VIP-Tagespass beginnt bei 339 Franken, für die erste Partie steht er mit 439 Franken im Angebot. Dafür gibt es den ganzen Tag die VIP-Lounge mit Verpflegung und ein Studio mit Live-Kommentar der Großmeister Peter Svidler und Peter Leko. Hinzu kommt eine Stunde im Spielsaal auf dem Balkon, in einem gebuchten Zeitfenster und im Stehen, außerdem ein Souvenir, der Zugang zur Fan Zone und die Chance auf eine Blitzpartie gegen einen Großmeister. Im Saal herrscht absolute Ruhe, Telefone und andere Geräte bleiben draußen. Pro Tag sind höchstens zwei VIP-Pässe je Käufer erlaubt.
Die Zahl der Karten ist begrenzt. Sie werden in Stufen freigegeben, und die Preise sind dynamisch: Sie steigen, je mehr verkauft ist und je näher der Termin rückt. Für Gruppen und Schachschulen gibt es Sonderangebote auf Anfrage bei der FIDE. Gespielt wird in der Fondation Martin Bodmer in Cologny, die Börse beträgt 2,5 Millionen Dollar.
