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Vom Stadtteilverein in die Bundesliga

Aus einem Stadtteilverein am Rhein ist ein Erstligist mit Profis aus Kroatien, Italien, Indien und Armenien geworden. Der Aufstieg kam 2023, der Klassenerhalt 2026 erst in der Berliner Endrunde. Jetzt steht das Jubiläumsjahr an, und im April richtet der Verein die Endrunde der Liga aus.

13. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Freitag

Zum Saisonauftakt der Bundesliga war das Foodhotel in Neuwied einer der Spielorte. Vom 9. bis 11. Oktober spielten dort vier Bundesligamannschaften, darunter der amtierende Meister SC Viernheim, und Gastgeber war ein Klub, der aus einem Stadtteil kommt: der SC Heimbach-Weis/Neuwied. Gegründet wurde er 1927 in Heimbach-Weis, einem Ortsteil von Neuwied am Rhein. Im nächsten Jahr wird er hundert.

Der Verein beschreibt seinen eigenen Weg als Aufstieg von der Kreisklasse bis in die 1. Deutsche Schachbundesliga. In der Mannschaft sitzen heute Großmeister, die aus vier Ländern anreisen.

Der Aufstieg im Ruhrgebiet

Der entscheidende Schritt gelang im Frühjahr 2023. In der Abschlussdoppelrunde der 2. Bundesliga West in Mülheim an der Ruhr machten die Neuwieder den Aufstieg perfekt, mit zwei Punkten Vorsprung auf den Düsseldorfer SC und dem besten Brettpunkteverhältnis der Liga. Erstmals in der Vereinsgeschichte spielte der SC damit in der ersten Liga. In derselben Saison wurde Lukas Winterberg aus der Mannschaft Internationaler Meister.

Es gibt Vereine, die einfach existieren. Und es gibt Vereine, die leben.Sarah Melina Nett, Autorin des Vereinsartikels

Die erste Liga war kein Selbstläufer. In der Saison 2025/26 fiel die Entscheidung über den Klassenerhalt erst in der zentralen Endrunde in Berlin. Dort ging es am Freitag gegen die OSG Baden-Baden, am Samstag gegen Wolfhagen und am Sonntag gegen Viernheim. Gegen Baden-Baden holte der SC ein 4:4: Leon Livaic remisierte am ersten Brett gegen Viswanathan Anand, und Jorge Joao Viterbo Ferreira besiegte Alexei Shirov. Am Ende blieb Heimbach-Weis/Neuwied erstklassig.

Großmeister aus vier Ländern

Der Kader zeigt, wie international der Verein geworden ist. Aus Kroatien kommt Leon Livaic, aus Italien Lorenzo Lodici (Elo 2590), aus Indien Pranav Anand (Elo 2588), aus Armenien unter anderem Aram Hakobyan. Dazu gehören Martin Krämer und Shant Sargsyan, der in dieser Saison neu dazukam und das Spitzenbrett übernimmt. Neu ist auch Vaclav Finek: Der 16 Jahre alte Tscheche gewann zuletzt das Challengerturnier in Biel und im Winter ungeschlagen das Prager Challenger. Anand spielt in dieser Saison am fünften Brett. Aus den ersten zehn des Vorjahres verließ nur Martin Neugebauer den Verein. Der Elo-Schnitt der zehn Bestgemeldeten liegt bei 2576,2, das sind 38 Punkte mehr als im Vorjahr.

Drei Runden, vier Mannschaftspunkte

Der Start in die neue Saison verlief nach Plan. Gegen Werder Bremen mit dem zwölfjährigen Faustino Oro gewann der SC 4½:3½, mit Siegen von Hakobyan, Anand und Krämer. Gegen Titelverteidiger Viernheim gab es ein 3:5. Ferreira und Livaic verloren ihre Partien, an den übrigen Brettern wurde remis gespielt. Am Sonntag folgte ein 5½:2½ gegen den Aufsteiger Erkenschwick, mit Siegen von Lodici, Finek, Anand und Ferreira. Finek kommt damit auf 2 aus 3.

Das bedeutet vier Mannschaftspunkte, 13 Brettpunkte und Platz 5. Kirchweyhe, Berlin, Bad Mergentheim und St. Pauli haben ebenfalls vier Punkte. Die nächsten Runden folgen vom 13. bis 15. November. Die letzten drei Runden der Saison werden vom 2. bis 4. April 2027 an einem einzigen Ort gespielt, in Neuwied, und der Gastgeber dort ist der Verein, der im selben Jahr hundert wird.

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