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Zwei Teenager gegen den Ehrenamts-Schwund

Fast 60 Prozent der deutschen Sportvereine nennen die Suche nach Ehrenamtlichen als größte Sorge, vor allem junge Helfer fehlen. Der Schachbund hält mit Liz und Luc Eitel aus Delmenhorst zwei dagegen, die Vereinsarbeit, Schul-AGs und Social Media zu ihrer Sache gemacht haben.

15. Oktober 20263 Minuten LesezeitMatt am Freitag

Beim Deutschen Schachgipfel sah man zwei Jugendliche mit Mikrofon in der Hand übers Parkett flitzen und Interviews führen, unter anderem mit DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker und der Frauenschachreferentin Nadja Jussupow. Berührungsängste kennen Liz und Luc Eitel dabei nicht. Der Schachbund stellt die beiden am 15. Oktober als junges Ehrenamt vor, und der SV Werder Bremen nennt sie auf seiner Webseite „hervorragende Botschafter“ für den Verein und den Schachsport.

Anlass ist eine Zahl, die dem Ehrenamt in Deutschland zu schaffen macht. In einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Sporthochschule Köln nannten fast 60 Prozent der Vereine die Gewinnung von Ehrenamtlichen als ihre größte Sorge. 17,5 Prozent sagen sogar, der Mangel bedrohe sie in ihrer Existenz. Besonders das junge Ehrenamt bricht weg: 2014 engagierten sich noch 15 Prozent der über 14-Jährigen im Sportverein, zuletzt waren es laut Sportentwicklungsbericht nur noch 13,5 Prozent.

Er schreibt, sie gründet Schul-AGs

Luc Eitel ist 18 und spielt für Werder unter anderem in der Jugend-Bundesliga. Daneben sitzt er ehrenamtlich im Werder-Vorstand, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit: Er schreibt Artikel, fotografiert und postet. Seine Schwester Liz ist 14 und organisiert am Willms-Gymnasium in Delmenhorst gemeinsam mit dem ebenfalls 14-jährigen Mitschüler Nikita Wander eine Schach-AG. Zuvor hatte sie schon an der Freien Gesamtschule in Oldenburg eine AG ins Leben gerufen. Die Jüngste in ihrer Gruppe ist zehn Jahre alt.

Liz hat dabei ein erklärtes Ziel: Sie will mithelfen, dass mehr Mädchen zum Schach finden. Die Arbeit mit Kindern findet sie nach eigenen Worten sehr faszinierend. Mit 1757 Elo bei Liz und 1848 bei Luc sind beide zwar keine Titelträger, aber ehrgeizig: Sie trainieren täglich und spielen große Turniere wie das Grenke Open. Luc sieht für sich im Jugendbereich wahrscheinlich die letzte Chance, noch in die Elite aufzusteigen, und will dafür bei den nächsten Turnieren richtig ackern. Eines davon ist das Herbstopen in Deizisau vom 23. bis 26. Oktober.

Nerds? Eher Mittelalter-Festivals

Ihre Botschaft verbreiten die beiden über Social Media. Bei YouTube (Kanal: Next Pilot Chess) und TikTok gibt es jede Woche neue Projekte, mit Einblicken in Partien und in den Alltag. Sie wollen Schach modern und jung zeigen und vor allem jüngeren Menschen vorstellen, die noch mit dem Spiel beginnen wollen.

Wir wollen begeistern und zeigen, dass Schachspieler cool sind.Luc Eitel, Spieler und Vorstandsmitglied beim SV Werder Bremen

Dazu passt, was abseits des Bretts bei den Geschwistern los ist. Beide begeistern sich für die Mittelalterszene und ihre Musik, pflegen eine Freundschaft zur schottischen Band Saor Patrol und sind bei Festivals wie in Rastede auch mal in historischen Kostümen zu sehen. Luc arbeitet nebenher als Weinsommelier im Weingeschäft seines Onkels. Kritische Themen wollen sie nach eigener Aussage ebenfalls ansprechen, und der Außenwelt vermitteln, dass Schach wichtig ist, aber neben der Schule nicht der einzige Lebensinhalt.

Rivalen am Brett, Partner im Team

Zum Schach sind die beiden ohne Zutun der Eltern gekommen, denn die Eltern spielen beide nicht. Eine Rivalität unter Geschwistern gibt es trotzdem nicht, obwohl Liz in diesem Jahr bei der offenen U18-Landesmeisterschaft ihren großen Bruder besiegte und Turnier-Zweite wurde. Außerdem holte sie in diesem Jahr drei Landesmeistertitel (Mädchen U18, Frauen und im Schulschach) und landete bei der Deutschen Jugendmeisterschaft unter den ersten Zehn.

Wir sind keine Gegner am Brett, sondern Partner.Liz Eitel, Spielerin beim SV Werder Bremen

Im Sommer spielte Liz Eitel in Dresden zum ersten Mal im Kandidatenturnier der Deutschen Frauenmeisterschaft und wurde dort Zwanzigste.

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