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Mathias Gerusel ist gestorben

Der Godesberger Schachklub hat am 13. Oktober bekanntgegeben, dass Mathias Gerusel schon im Juli gestorben ist. Der Internationale Meister war Jugendmeister, Nationalspieler und Deutscher Mannschaftsmeister und spielte bis ins hohe Alter an den Spitzenbrettern in Bonn.

13. Oktober 20262 Minuten LesezeitMatt am Freitag

Zwischen dem Tod und der Nachricht lagen Monate. Am 13. Oktober 2026 teilte der Godesberger Schachklub mit, dass der Internationale Meister Mathias Gerusel schon im Juli gestorben war, im Alter von 88 Jahren, nach einem schweren Verkehrsunfall und einem langen Krankenhausaufenthalt.

Seinem eigenen Wunsch entsprechend ist er ganz still und leise gegangen.Heinz Bitsch, Godesberger Schachklub

Gerusel wurde am 5. Februar 1938 in Elbing in Ostpreußen geboren, dem heutigen Elbląg in Polen. 1955 gewann er in Remscheid die Deutsche Jugendmeisterschaft. Zwei Jahre später, bei der Jugendweltmeisterschaft 1957 in Toronto, wurde er Zweiter hinter William Lombardy. 1968 verlieh ihm die FIDE den Titel Internationaler Meister.

Ein Jurist an den Spitzenbrettern

Beruflich war Gerusel bis zu seiner Pensionierung Jurist im Bundesfinanzministerium. Als Ministerialrat gehörte er Anfang der neunziger Jahre nach der Wiedervereinigung der Kommission für die Umzugsplanung von Bonn nach Berlin an. Am Brett erreichte er in der Deutschen Einzelmeisterschaft 1965 in Bad Aibling den vierten Platz und 1976 in Bad Pyrmont den zweiten, nach einem Stichkampf. Dazu kamen der dritte Platz in Büsum 1969 und der fünfte Platz in Solingen 1974. 1979 spielte er im Großmeisterturnier der Dortmunder Schachtage.

Seine höchste offizielle Elo-Zahl war 2440, erreicht im Januar 1975. Für die Zeit vor der Einführung der Elo-Liste ist eine nachträglich berechnete historische Zahl von 2559 vom Juni 1969 überliefert.

Für die deutsche Nationalmannschaft spielte Gerusel in Länderkämpfen gegen die Niederlande 1967 und 1969 in Krefeld sowie 1970 in Hengelo und gegen die Tschechoslowakei 1969 in Siegburg und Bad Godesberg. 1977 gehörte er in Moskau zum deutschen Team der Europa-Mannschaftsmeisterschaft. Dazu kamen der Clare Benedict Cup 1966 und 1973, der Nordic Chess Cup 1970, 1971 und 1977, der Mitropapokal 1979 am Spitzenbrett und die Teleschach-Olympiade 1981/82.

Meister mit Solingen und Porz

In der Bundesliga spielte er zunächst für die Solinger SG, mit der er 1974 und 1975 Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Danach folgte bis 1988 die SG Porz, mit der er 1979, 1982 und 1984 den Titel gewann. Der Godesberger Schachklub nennt Porz den vielfachen Deutschen Meister und Pokalsieger.

Jugendtraining und Fernsehkolumne

1989 trat Gerusel dem Godesberger SK bei. Er kümmerte sich um das Jugendtraining und gab im Frühjahr 2008 in der Talentecke des Klubs Tipps an junge Spieler weiter. Schon 1990 war er am Aufstieg des Klubs in die 2. Bundesliga beteiligt. Viele Jahre lang betreute er außerdem die Schachkolumne der Fernsehzeitschrift Prisma. Er spielte bis ins hohe Alter zuverlässig und erfolgreich an den Spitzenbrettern der Mannschaften. Seine letzten gewerteten Partien spielte er in der Saison 2010/11 in der NRW-Klasse; die FIDE führte ihn danach als inaktiv mit 2242. Der Klub gratulierte ihm im Februar 2023 zum 85. Geburtstag und nannte sein jahrzehntelanges Engagement als Spieler und Trainer einen Grund zum Stolz.

Mit Gerusel verliert der Klub nach Günter Poell und Heinz-Josef Ullrich einen weiteren Schachenthusiasten, der weit über die Region bekannt war. Sein Nachruf beschreibt ihn so:

Wer Mathias kennengelernt hat, traf auf einen klugen, geistreichen und humorvollen Menschen mit einer ausgesprochenen Begabung für das Königliche Spiel.Heinz Bitsch, Godesberger Schachklub
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