Liz Eitel, die großen Schuhe und die Revanche
Liz Eitel vom SV Werder Bremen trat im Kandidatenturnier der Deutschen Frauen-Einzelmeisterschaft gegen 25 Gegnerinnen an. Nach zwei Niederlagen zum Start kam sie auf 3,5 Punkte aus neun Runden und gewann gegen die Freundin, die sie im Vorjahr geschlagen hatte.
Der Anmeldeschluss um 19 Uhr durfte auf keinen Fall verpasst werden, und die Anreise nach Dresden kam Liz Eitel viel zu lang vor. Dann ging alles unkomplizierter als befürchtet: Im Maritim Hotel fuhr es im gläsernen Aufzug in den fünften Stock, im Kongress Center nebenan reichte der Name für die Anmeldung. Für die Bremerin, Jahrgang 2011 und Spielerin der Schachabteilung des SV Werder Bremen, war es die erste Deutsche Frauenmeisterschaft, und die amtierende Bremer Frauenmeisterin beschreibt ihr Gefühl davor so:
Vor der Deutschen Frauenmeisterschaft fühlte es sich an, als müsste ich in viel zu große Schuhe schlüpfen.Liz Eitel, Spielerin
Die Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft 2026 lief vom 17. bis 25. Juli im Internationalen Congress-Center Dresden, eingebettet in den Deutschen Schachgipfel. In der Meisterklasse spielten zehn Frauen jede gegen jede. Jana Schneider gewann sie ungeschlagen mit 7 Punkten aus 9 Partien, einen halben Punkt vor Lara Schulze. Sarah Papp wurde Dritte, Dinara Wagner mit ebenfalls 6 Punkten nach Feinwertung Vierte.
26 Spielerinnen, neun Runden
Eitel spielte im Kandidatenturnier, das vom 19. bis 25. Juli lief. Mit 1761 Elo ging sie als Nummer 23 der Startliste ins Feld von 26 Spielerinnen. Am Ende stand Paula Czaeczine vom Chemnitzer SC Aufbau 95 mit 7 Punkten vorn, vor Triona Eberle vom FC St. Pauli und Helena Neumann aus Bielefeld mit je 6,5.
Eitel selbst verlor die ersten beiden Partien gegen Laura Czaeczine und Frieda von Beckh. Sie hatte trotzdem das Gefühl, nicht schlecht gespielt zu haben, und das gab ihr nach eigener Schilderung Mut und Vertrauen für die nächsten Runden. In den restlichen sieben Runden holte sie 3,5 Punkte: Remis gegen Sandra Lobe, Sieg gegen Manuela Mekus, Remis gegen Tilda Loos, Niederlagen gegen Marharyta Novikova und Sabrina Schlueter, dann der Sieg gegen Ronja Wilke und zum Abschluss ein Remis gegen Lena Mader. Mit 3,5 Punkten wurde sie Zwanzigste. Ihre Elo-Leistung lag bei 1759 und damit fast genau auf der Höhe ihrer Wertungszahl.
Eine Revanche mit Rummelplatz
In Runde 8 saß Eitel ausgerechnet ihrer gleichaltrigen Freundin und direkten Konkurrentin Ronja Wilke vom SAV Torgelow gegenüber, in einem sehr emotionalen Duell. Im Vorjahr hatte sie bei den Norddeutschen Vereinsmeisterschaften auf Rügen an Brett 1 in einem erbitterten Kampf gegen Wilke verloren, nach ihrer Darstellung die einzige Niederlage jenes Turniers. Diesmal behielt Eitel die Nerven und gewann. Nach der Partie gingen die beiden gemeinsam auf einen nahegelegenen Rummelplatz.
Dazwischen lag der Turnieralltag. An normalen Tagen endeten die Partien nach etwa vier Stunden, die Doppelrunden verlangten Eitel mental alles ab. Nach einer Fünfstundenpartie blieb kaum Zeit zum Durchatmen, umso mehr freute sie das hart erkämpfte Remis im Anschluss. Vor jeder Runde wurde kontrolliert, dass niemand elektronische Geräte in den Turniersaal mitnimmt, und nach einem ihrer Siege wurde sie für eine Fair-Play-Kontrolle ausgewählt. Besonders beeindruckt hat sie die Meisterklasse im Nebensaal, bei der sie einmal zuschauen konnte. Vor den Partien aß sie am liebsten eine Kartoffelsuppe in einem Restaurant in der Nähe, und zur Siegerehrung trug sie ein neues Kleid und goldene Schuhe.
Jetzt weiß ich, dass ich auch auf diesem Niveau gut mithalten kann.Liz Eitel, Spielerin
Ihre Trainerin Vera und ihre Eltern haben ihr nach ihren Worten geholfen, den eigenen Schritten zu vertrauen. Bei der nächsten Deutschen Meisterschaft will Eitel ein paar Punkte mehr holen als in diesem Jahr.
