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Europapokal: Favoriten siegen, Berlin gewinnt 6:0

Die erste Runde des Europapokals brachte in Budva kaum Überraschungen: Die Spitzenteams ließen Giri, Erdogmus und Abdusattorov pausieren, Pendik, Alkaloid und Elektroprivreda siegten trotzdem 6:0. Von den acht deutschen Teams gewannen Berlin, St. Pauli, Erlangen und Löberitz, vier verloren. Die elfjährige Bodhana Sivanandan hielt am Spitzenbrett 77 Züge gegen Aleksandra Goryachkina.

17. Oktober 20264 Minuten LesezeitMatt am Sonntag

Gleich der zweite Zug sorgte am Samstag in Budva für Stirnrunzeln. Der 59 Jahre alte FM Dave Ledger, einer von drei Ledger-Brüdern im Team von Blackthorne, spielte gegen den 17 Jahre alten Ediz Gürel 1.d4 Sf6 2.g4, mit Shakhriyar Mamedyarov am Nachbartisch, dessen Name seit Jahren mit frühen g-Bauernzügen verbunden ist. Empfohlen hatte ihm den Zug der Kommentator Simon Williams. Gürel dachte fast sieben Minuten nach.

Ledger – Gürel, Runde 1Weiß am Zug: 2.g4

Schwarz gewann die Partie nach 20 Zügen. Gürel sagte danach:

Ich wusste, dass mein Gegner aggressiv spielt, ich habe einige seiner Partien gesehen. Ich hatte nicht mit etwas so Aggressivem im zweiten Zug gerechnet, aber es war eine interessante Partie!Ediz Gürel, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Die Favoriten brauchen ihre Stars nicht

Der Rest der Spitze hielt sich an die Setzliste. Bayegan Pendik, die höchstgesetzte Mannschaft, schlug Blackthorne 6:0, obwohl Anish Giri und Yagiz Kaan Erdogmus pausierten; am Brett saßen Tabatabaei, Rapport, Mamedyarov, Gürel, Murzin und Mustafa Yilmaz. Auch Alkaloid gegen Sharks 4NCL und Elektroprivreda gegen SK Rockaden 2 endeten 6:0. Titelverteidiger SuperChess Romania gewann ohne Nodirbek Abdusattorov 5½:½ gegen Akureyri. Den halben Punkt gab Ivan Sokolov ab, der gegen den 457 Punkte niedriger gewerteten Bogi Palsson remisierte.

Gegen Alkaloid lieferte IM Peter Roberson von Sharks 4NCL dem ersten Brett, Arjun Erigaisi, ein taktisches Gefecht. In Zeitnot brach er ein, und Erigaisi gewann die Dame und die Partie.

Für Nils Grandelius, den schwedischen Spitzenspieler von Novy Bor, endete der Tag dagegen mit einer Niederlage. Gegen den 55 Jahre alten serbischen CM Slobodan Filipovic (2157) spielte er in Zeitnot ungenau und verlor das Endspiel. Mit 2603 vor der Partie rutschte er auf der Live-Liste erstmals seit zehn Jahren unter 2600. Novy Bor gewann trotzdem 5:1 gegen Gambit Bonnevoie. David Navara, der sein Duell mit Michael Schwerteck gewann, sagte:

Natürlich ist es hier nicht leicht, weil es so viele Teams gibt und mit sieben Runden ein bisschen vom Zufall abhängt, was gut und schlecht für uns sein kann, also werden wir sehen!David Navara, Großmeister · übersetzt nach Chess.com

Berlin gewinnt 6:0, Schönaich verliert 0:6

Von den sechs deutschen Mannschaften im offenen Turnier gewannen drei klar. Die Schachfreunde Berlin, ohne ihre Spitzenspieler angereist und im Schnitt mit 2421 gewertet, schlugen die Open-Mannschaft von Monte-Carlo (Schnitt 2025) 6:0. St. Pauli, ebenfalls ohne Spitzenspieler, gewann 5½:½ gegen Paul Keres 2; den halben Punkt gab FM Fabian Müller gegen David Koole ab. Der SC Erlangen setzte sich gegen Cardiff A mit 4½:1½ durch. Leon Mons remisierte am ersten Brett mit James Tapp; Eduard Miller, Florian Dürr, Daniel Diller und Jonas Feldheim gewannen, Michael Willim verlor gegen Gareth Yeo.

Härter traf es die übrigen drei. Der SV Mülheim-Nord verlor 1½:4½ gegen MTK Budapest 1, dessen Spieler im Schnitt gut 300 Elo-Punkte höher gewertet sind; Tom Bus, Martin Mainusch und Kevin Schmidt holten je ein Remis. Der TSV Schönaich unterlag Schaakstad Apeldoorn bei einem Unterschied von rund 340 Punkten im Schnitt 0:6. Der SK Weisse Dame Hamburg verlor ½:5½ gegen Dardania, den halben Punkt holte CM Florian Popist am ersten Brett gegen IM Nderim Saraci.

Blübaum nutzt den Fehler im 29. Zug

Matthias Blübaum spielte am zweiten Brett von Tuxera Aquaprofit Nagykanizsai mit Schwarz gegen FM Alexandra Zherebtsova (2258). Josefine Safarli hat dieser Partie ihr Video zum Turnierstart gewidmet. Auf dem Brett stand eine Nimzoindische Verteidigung mit 4.e3. Im 28. Zug griff Blübaum mit 28...Th5 die weiße Dame auf h4 an. Mit 29.Dg4 hätte sich Weiß gehalten, dann steht Schwarz nach Stockfish mit −1,45 klar besser. Zherebtsova zog stattdessen 29.Sf6+? Lxf6 30.Dxf6 Tf5, die Dame musste zurück, und Schwarz steht mit −4,44 auf Gewinn.

Zherebtsova – Blübaum, Runde 1Weiß am Zug: 29.Sf6+? statt 29.Dg4

Nach 37 Zügen war die Partie zu Ende. Nagykanizsai gewann alle sechs Partien gegen Niksic, auch Pranesh, Samunenkov, Chigaev, Yuffa und Medvegy punkteten.

Elf Jahre alt, 77 Züge gegen Goryachkina

Bei den Frauen schlug Titelverteidiger Cercle d'Echecs de Monte-Carlo die sehr junge Mannschaft She Plays To Win Lionesses A mit 3½:½. Stavroula Tsolakidou gewann früh gegen Abigail Riis Weersing. Pia Cramling, 63 Jahre alt, kam gegen die Teenagerin Anusha Subramanian nach 49 Zügen nicht über ein Remis hinaus, weil Subramanian ein Endspiel mit einem Bauern weniger rettete. Crvena Zvezda, an Position sieben gesetzt, kam gegen den als 18. gesetzten Velikova Chess Club nur auf 2:2.

Am Spitzenbrett wurde lange gekämpft. Die elf Jahre alte Bodhana Sivanandan (2382) hielt gegen Aleksandra Goryachkina (2536), die höchstgewertete Spielerin des Frauenturniers, 77 Züge lang dagegen. Vor dem 51. Zug war die Stellung nach der Engine ausgeglichen (0,00), mit 51...Lg6 hätte Schwarz das Gleichgewicht gehalten. Sivanandan zog 51...g6?, danach hatte Weiß mit 52.Sd6 sogar +5,56 auf Gewinn. Goryachkina spielte 52.Se3 und stand damit mit +1,34 klar besser, gewann im 54. Zug den Bauern auf d5 und setzte im 77. Zug matt.

Goryachkina – Sivanandan, Runde 1Schwarz am Zug: 51...g6? statt 51...Lg6

Am dritten Brett holte Elisabeth Pähtz einen weiteren Punkt für Monte-Carlo. Gegen die Teenagerin Elis Dicen (2036) stand sie gut, aber nicht stabil, und vereinfachte in ein Läuferendspiel. Im 70. Zug zog Dicen 70...Ke8?. Stockfish bewertet die Stellung davor mit 0,00, 70...Lg2, 70...Lf3 oder 70...Le4 hätten das Remis gehalten. Nach 70...Ke8? steht Weiß mit +7,95 auf Gewinn. Pähtz gewann den Läufer für den c-Bauern, im 81. Zug fiel auch der Bauer auf h5.

Pähtz – Dicen, Runde 1Schwarz am Zug: 70...Ke8? statt 70...Lg2

Auch die beiden deutschen Frauenteams hatten sehr verschiedene Tage. Die SG Löberitz gewann 4:0 gegen She Plays To Win Lionesses B. Ilze Berzina am ersten Brett, Agnesa Stepania Ter-Avetisjana, Elina Otikova und Rebekka Schuster siegten, Otikova brauchte gegen Asta Kristbjornsdottir (1566) 13 Züge. Dana Reizniece-Ozola stand in Runde 1 nicht in der Aufstellung. Die Kölner Schachfreunde unterlagen Sirmium Sremska Mitrovica, dem zweitgesetzten Klub, mit 0:4; Anna-Maja Kazarian, Anna Kantane, Katharina Reinecke und Hannah Sayce verloren ihre Partien.

Runde 2 beginnt am Sonntag um 14 Uhr. Pendik trifft auf Crvena Zvezda, Alkaloid auf Breidablik A, Nagykanizsai auf De Sprenger Echternach. Berlin spielt gegen Multi Essence, St. Pauli gegen Beer Sheva, Erlangen gegen Aix-en-Provence, Mülheim-Nord gegen Morriston, Schönaich gegen Diagonal Alcorcon und Weisse Dame Hamburg gegen Cercle des Echecs Dudelange. Bei den Frauen trifft Monte-Carlo auf Odlar Yurdu, Löberitz auf Gambit Bonnevoie und Köln auf Oslo Schakselskap.

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